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Wermelskirchen
Gesundheitskarte für Flüchtlinge ab 1. Februar

Wermelskirchen. Kosten im Krankheitsfall muss weiterhin die Stadt übernehmen. Etwa 300 Karten werden ausgegeben. Von Udo Teifel

In Wermelskirchen wird zum 1. Februar die Gesundheitskarte für Flüchtlinge eingeführt, auch wenn das rot-grüne Prestigeprojekt landesweit auf wenig Gegenliebe stößt. "Wir haben dazu einen politischen Beschluss", so Sozialdezernent Jürgen Graef gestern auf Anfrage. "Wir werden den Pilotversuch starten und dann im Controlling überprüfen, ob es funktioniert oder nicht."

Mit großer Mehrheit hatte im Oktober der Stadtrat die Empfehlung des Ausschusses für Soziales und Inklusion umgesetzt. Mit der Gesundheitskarte können Asylberechtigte im Krankheitsfall direkt einen Arzt aufrufen, ohne sich im Vorfeld bei der Stadtverwaltung um einen Krankenschein oder eine Kostendeckungszusage bemühen zu müssen. Graef: "Wir erhoffen uns dadurch eine Verwaltungsvereinfachung und eine Kosteneinsparung."

Klar sei: Ein städtischer Mitarbeiter im Sozialamt sei kein medizinischer Fachmann. Ab 1. Februar sei der (zugewiesene) Flüchtling ein ganz normaler Patient eines Arztes und unterliege damit auch dem Budget des Arztes. Darin sieht die Stadt dann auch eine Kostenersparnis. Aber: Nicht die Krankenkasse wird die Heilbehandlungskosten übernehmen. Diese muss weiterhin die Stadt Wermelskirchen tragen.

Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass etwa 300 Asylbewerber, die zurzeit in Wermelskirchen leben, eine Gesundheitskarte bekommen. Die Kosten für die Behandlung von Flüchtlingen lag im vergangenen Jahr bei etwa 250.000 Euro. Falls, was prognostiziert ist, diese Zahl in 2016 steigen wird, dürfte auch der Kostenansatz nach oben neu kalkuliert werden müssen. Wermelskirchen ist die einzige Stadt im Kreis, die die Gesundheitskarte einführt.

Die Stadt muss zusätzlich der Krankenkasse - für Wermelskirchen ist die Barmer GEK in Bergisch Gladbach zuständig - eine Verwaltungspauschale zahlen. Der Sozialdezernent machte gestern deutlich, dass die Stadtverwaltung vierteljährlich prüfen werde, ob es zu der angestrebten Kosteneinsparung komme.

Dass die Kosten explodieren können, zeigen Fälle aus den vergangenen Jahren. So musste ein Asylbewerber wegen Nierenproblemen in der Uniklinik behandelt werden - rund 150.000 Euro kostete die Behandlung. Bis 70.000 Euro trägt die Stadt die Kosten, Beträge darüber übernimmt das Land. Auch die Immunisierungsbehandlung bei Hepatitis ist teuer - eine Spritze kostet 20.000 Euro. Die Stadt hatte einmal diese Behandlung bezahlt.

Die Kosten für Flüchtlinge, die bis Ende Februar in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Wermelskirchen unterkommen und eine medizinische Behandlung benötigen, muss die Stadt aber nicht tragen.

Quelle: RP
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