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Wermelskirchen
Große Solidarität mit den Flüchtlingen

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Wermelskirchen. Etwa 400 Bürger kamen zum Info-Abend der Stadt zur Flüchtlingssituation. Der Zusammenhalt im Dorf ist riesig: Fast alle Stimmen waren positiv. Am Montagabend sind weitere 53 Flüchtlinge in der Erstaufnahmestelle angekommen. Von Sebastian Radermacher und Stephan Singer

Am Montagabend hat ein Bus mit weiteren Flüchtlingen die Erstaufnahmestelle in Dabringhausen erreicht. Wie DRK-Sprecherin Svenja Küppers gestern mitteilte, wurden ab etwa 21 Uhr insgesamt 53 Personen in der Mehrzweckhalle registriert, ärztlich untersucht und versorgt. Unter ihnen seien viele Familien und Alleinreisende, aber auch ein Säugling und eine schwangere Frau gewesen. Etwa 30 ehrenamtliche Helfer von DRK und DLRG, ein Ärzteteam, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und weitere Helfer waren die Nacht über im Einsatz.

Fünf Dolmetscher halfen bei der Verständigung. "In der Nähe gibt es eine WG, in der schon länger drei syrische Männer wohnen. Sie sprechen fließend Englisch und haben spontan geholfen", sagte die DRK-Sprecherin erfreut. Für die nächsten Tage und Wochen werden weitere Dolmetscher gesucht, die vor allem Arabisch und Französisch übersetzen können.

FOTO: Jürgen Moll

Nachdem bereits am Samstagabend 87 Flüchtlinge angekommen waren, sind aktuell 140 der 150 Betten in der Erstaufnahmestelle belegt. Ob die restlichen Plätze noch aufgefüllt werden, ist zurzeit nicht klar, teilte Küppers mit. Ebenso ungeklärt ist die Frage, wie lange die Flüchtlinge nun in Dabringhausen bleiben. Svenja Küppers nennt ein Beispiel: In der Erstaufnahmestelle in Bergisch Gladbach waren die Flüchtlinge knapp zwei Monate untergebracht, bevor sie auf andere Städte verteilt wurden. "Ob dies ein Richtwert ist, steht aber in den Sternen. Es kann in jeder Stadt unterschiedlich sein", betonte sie.

Bei der Bürgerversammlung in der Sporthalle der Grundschule am Höferhof am Montagabend zeigten sich etwa 400 Wermelskirchener solidarisch mit den Flüchtlingen und den vielen Helfern vor Ort. Die Sporthalle war derart überfüllt, dass nahezu 100 Zuhörer auf dem Schulhof an einem Lautsprecher lauschen mussten. Die positive Stimmung und der Applaus in der Halle dürften die Beteiligten an der Einrichtung des Erstaufnahmelagers beflügelt haben. Mehrheitlich drückten die anwesenden Bürger ihre Bereitschaft zur Hilfe aus.

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Rede und Antwort standen Bürgermeister Eric Weik, die Beigeordneten Jürgen Graef und Dr. André Prusa, Tanja Dehnen (Sozialamt), Andreas Weilermann, Leiter der Polizeiwache, sowie DRK-Sprecherin Svenja Küppers und die DRK-Verantwortliche für die Mehrzweckhalle, Jaqueline Herzog. Letztere freute sich über die "gigantische Hilfsbereitschaft" der Menschen, sie betonte aber auch: "Bitte bringen Sie keine Spenden mehr zur Halle! Wir haben erst einmal genug. Wir müssen dem ja auch Herr werden."

Jaqueline Herzog verwies auf das DRK-Haus (Berliner Straße 21-23): Dort sollen die Bürger ihre Sachspenden abgeben. Der DRK-Ortsverein hat dafür extra seine Öffnungszeiten erweitert. Sachspenden können dort ab sofort zu folgenden Zeiten abgegeben werden: Montag bis Freitag von 8 bis 9.30 Uhr und 18 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 12 bis 14 Uhr. "Wer zum Beispiel bei der Essens-Ausgabe mithelfen will, kann sich auf unserer Internetseite oder auch beim Bürgertelefon der Stadt informieren", ergänzte Svenja Küppers. Die Stadtverwaltung hat eine Arbeitskraft freigestellt, um Fragen der Bürger rund um die Versorgung der Flüchtlinge beantworten zu können (siehe Info-Box).

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Eine Bürgerin trug bei der Versammlung ihre Sorge um möglicherweise ansteckende Krankheiten bei den Flüchtlingen vor. Jaqueline Herzog und Jürgen Graef konnten sie beruhigen: "Die Flüchtlinge durchlaufen bei der Ankunft eine Gesundheitskontrolle. Auffällige Personen werden sofort medizinisch versorgt, gegebenenfalls im Krankenhaus." Solch einen gravierenden Fall habe es aber noch nicht gegeben. "Wir haben es bislang lediglich mit Schnupfen, Husten und Heiserkeit zu tun."

Ein Dabringhausener, der direkt neben der Mehrzweckhalle wohnt, monierte den seit dem Wochenende aufkommenden "Flüchtlings-Tourismus", der zurzeit "400 Prozent" mehr Verkehr verursache. Er forderte eine Verkehrsberuhigung, was Bürgermeister Eric Weik als "gute Anregung" bezeichnete. Angesichts der "chaotischen Zustände" am Münchener Hauptbahnhof, die er während einer Reise erlebt habe, lobte der Wermelskirchener Walter Winschuh ausdrücklich die "tolle und pragmatische Organisation" bei der Aufnahme der Flüchtlinge in Wermelskirchen. Lehrerin Pauline de Brün erinnerte unter Tränen daran, auch die Schulen vor Ort zu unterstützen: "Wir merken schon jetzt tagtäglich die immer stärker werdende Belastung."

Wie Gerüchte und Halb-Informationen zu falschen Einschätzungen führen können, zeigte sich bei dem Info-Abend ebenfalls: Ein Dabringhausener stand auf und sagte, er habe DRK-Mitarbeiter beim Einkauf von Zigaretten und Alkohol für die Flüchtlinge erwischt, "bezahlt von Steuergeldern".

Jaqueline Herzog vom DRK konnte beschwichtigen: "Wir haben tatsächlich für die Raucher unter den Flüchtlingen einige Zigaretten gekauft. Wir haben diese aus eigener Tasche bezahlt. Jeder Raucher weiß, was es heißt, eine lange Busfahrt ohne Rauch-Möglichkeit hinter sich gebracht zu haben", sagte sie und fügte an: "Außerdem haben wir für einen alkoholkranken Flüchtling, dem es bei der Ankunft furchtbar schlecht ging, zwei Flaschen Alkohol gekauft. Dieser Mann ist inzwischen allerdings gar nicht mehr hier, sondern in entsprechender medizinischer Obhut. Grundsätzlich gilt in der Mehrzweckhalle absolutes Alkoholverbot."

Quelle: RP
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