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Wermelskirchen
Große Trauer um Gerhard Braun

Wermelskirchen: Große Trauer um Gerhard Braun
Urenkelin Marlene war Gerhard Brauns ganzer Stolz, hier ein Foto anlässlich seines 90. Geburtstages im Jahr 2013. FOTO: Moll, J�rgen
Wermelskirchen. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete hat das politische und gesellschaftliche Leben in der Stadt geprägt. In der Nacht zu Samstag starb der bekennende Wermelskirchener im Alter von 91 Jahren. Von Sebastian Radermacher

Gerhard Braun fürchtete sich nicht vor dem Tod. Er plädierte immer für eine positive Einstellung, auch im fortgeschrittenen Alter. Wenn man ihn nach seinem Wohlbefinden fragte, dann sagte er: "Danke, ich bin zufrieden." Braun wollte sich nicht beklagen, sondern das Leben auskosten. "Der Tod gehört zum Leben dazu", sagte er am 28. Dezember 2013 während einer Feierstunde zu seinem 90. Geburtstag und zur Eisernen Hochzeit mit Ehefrau Carmen (im November 2013 war das Paar seit 65 Jahren verheiratet). Am vergangenen Wochenende hat Gerhard Braun den Kampf gegen eine schwere Krankheit verloren, er starb in der Nacht zu Samstag.

Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und bekennende Wermelskirchener hat das politische und gesellschaftliche Leben in dieser Stadt geprägt. Sein politisches Leben liest sich wie ein Abriss deutscher Geschichte. Im Alter von 17 Jahren musste er in den Krieg ziehen, 1945 kehrte er zurück und begann, das neue Deutschland nach dem Krieg mitzugestalten. Braun wurde Mitbegründer der Christlich Demokratischen Partei, die später zur CDU wurde. Sein Vater Bruno, den er als großes Vorbild bezeichnete, wurde Vorsitzender der Partei. Sein Vater war es auch, der Gerhard Braun in die politische Arbeit einführte, die er mit 23 Jahren als CDU-Landessekretär begann.

Von 1961 bis 1989 war Gerhard Braun Mitglied des Wermelskirchener Stadtrates, auch in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter (1972 bis 1987) setzte er sich stets für seine Heimatstadt Wermelskirchen ein. Ein Beispiel: Seinen guten Kontakten und seiner Hartnäckigkeit war es zu verdanken, dass nach 60 Jahren dauerndem Kampf die Dellmannstraße als Ortsumgehung gebaut werden konnte. Während seiner Bundestagszeit gründete Gerhard Braun zudem die Senioren-Union. Sein Mandat ging nahtlos in die bundesweite Seniorenarbeit über und erweiterte sich nach dem Mauerfall auch auf die neuen Bundesländer.

In seinem Ruhestand hatte er nicht viel Ruhe. Als Geschichtsschreiber veröffentlichte Braun viele wertvolle Dokumentationen, ohne die die Geschichte Wermelskirchens in weiten Teilen wohl in Vergessenheit geraten wäre. So dokumentierte er 100 Jahre Einzelhandel und 50 Jahre Krankenhaus Wermelskirchen ebenso wie die Entstehung des Frauenwahlrechtes auf bundesweiter und lokaler Ebene. Auch zum Thema "50 Jahre Bundesrepublik mit lokalem Bezug" verfasste Braun eine Dokumentation.

Auf eine Sache legte er immer großen Wert und wurde nicht müde, dies zu betonen. So sagte er im Jahr 2011 anlässlich seines 88. Geburtstags im Gespräch mit unserer Redaktion: "Trotz der vielen, auch hohen Ämter, habe ich mich bemüht, bescheiden zu bleiben. Ich bin Wermelskirchener geblieben." Hier sei er nie der "Herr Abgeordnete" gewesen, sondern immer "Brauns Gerhard". Und so wird seiner Familie, den vielen politischen Wegbegleitern, Freunden und allen anderen Menschen, die ihn kannten, immer in Erinnerung bleiben.

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