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Wermelskirchen
Gruber liefert Blödsinn und stimmt nachdenklich

Wermelskirchen. In seiner Einmannshow "Toi Toi Buh" zeigte Jonas Gruber die Bandbreite seines schauspielerischen Könnens. Von Bernd Geisler

Mit einer Pause fängt es an. In der Pause eines Theaterstücks für Kinder, lässt der Jonas Gruber seinen Frust vom Stapel. 800 Kinder haben ihn ausgebuht, weil der Schauspieler vor ihnen unfreiwillig "auf die Fresse gefallen" ist. Er steht da, in vollem, selbst gebastelten Hahnenkostüm mit Gummikamm, umgeschnalltem Federbett und rosa Schwimmflossen. Für die Kinder hatte er sich zum Affen - das heißt, vielmehr zum Hahn - gemacht und sogar auf der Hühnerstange trainiert. "Hä!?", denkt der Zuhörer im Film-Eck. Doch so, wie Gruber es bei der Aufführung "Toi Toi Buh" erzählt, ist es glaubhaft. Die Geschichte ist ein Brüller. Und als er mit seinen Schwimmflossen durch das Publikum watschelt, freuen sich die Leute auf einen humorigen Abend.

Jonas Grubers Einmannshow ist Blödsinn mit Niveau. Es sind allein die eigenen Erwartungen, die in die Irre führen und den Zuschauer an diesem Abend überrascht zurücklassen. Gruber vermindert im Laufe seines selbst geschriebenen Stückes nämlich den Blödsinn und hebt das Niveau. Wer öfters lachen wollte, fühlte sich an der Nase herumgeführt. Wer mal wieder, wenn auch unfreiwillig, auf ausgefallene Weise zum Denken über sich und Grundsätzliches unseres Zusammenlebens ver- und geleitet werden wollte, genoss diesen Abend. Es blieb stets offen: Spricht Gruber über sich als Mensch oder als Schauspieler, der eine Rolle ausfüllt? Beides war richtig. Denn auch Schauspieler sind Menschen, ob als Hahn oder als Faust oder Richard III. Und so hinkt und schleift sich Gruber auch als diese böse "shakespearsche Missgestalt" grandios über die Bühne.

Nicht uneitel übrigens. Gruber zeigte, dass er es versteht, zu unterhalten. Damit wurde für ihn die Bühne zur Bühne der Welt, zur Allegorie des Lebens. Der Schauspieler braucht zum Schauspielerleben den Applaus und nicht nur das Geld.

Der Mensch ist ein soziales Wesen - er braucht das Feedback der anderen ebenso, wie eine materielle Existenzgrundlage. Und niemand braucht ungerechtfertigten Tadel, der von irgendwo herkommt. Im Stück dröhnte die Kritikerstimme des Tatortkommissars Dietmar Bär aus dem Off, fast wie die Stimme Gottes. Und der Schauspieler Jonas Gruber machte letztendlich, wenn auch unter (stillem) Protest, gute Miene zum bösen Spiel. Er wurde zumindest an diesem Abend dafür belohnt. Ein Schelm, wer jetzt an Religion denkt. Es ist das Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche", das uns auch im Leben widerfährt. Folgerichtig zitiert Gruber in einem Schnellfeuermonolog auch Hamlet mit der bekannten Frage "Sein oder Nichtsein..?" Das wirft die Frage auf und regt zum Nachdenken darüber an, wie oft wir im Alltag lediglich eine Rolle spielen und nicht wir selbst sind. Er zitiert dazu Goethes Mephisto: "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft." Gruber schaft die nötige Ruhe zum Nachdenken mit seiner Pause. Diese sollte nicht zu schnell zu Ende gehen.

Quelle: RP
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