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Wermelskirchen
Halteverbot wird noch nicht akzeptiert

Wermelskirchen: Halteverbot wird noch nicht akzeptiert
Mehrere Autos stehen am vergangenen Samstag auf der linken Seite der Telegrafenstraße im absoluten Halteverbot. Radfahrer müssen den Fahrzeugen ausweichen. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Seit Mittwoch gilt auf der Telegrafenstraße linksseitig das Halteverbot. Am Samstag war die Situation chaotisch: Autos hielten trotzdem reihenweise vor den Geschäften. Einige Fahrer reagierten aggressiv. Ab heute gibt's Knöllchen. Von Walter Schubert

Der Samstag vor einem langen Wochenende ist immer ein "Großkampftag" in der Stadt. Vielleicht gibt es ein Familientreffen, Freunde kommen zu Besuch oder man will etwas ganz Besonderes kochen. Also fahren viele schnell in die Stadt, um Brot, Wurst, Fleisch oder Blumen zu kaufen. Am vergangenen Samstag bot sich also eine gute Gelegenheit, die neue Parkregelung in der Telegrafenstraße zu beobachten.

Die Stadtverwaltung hat in der vergangenen Woche die Verbotsschilder aufgestellt. Damit wird die Forderung der Unfallkommission für den gegenläufigen Radverkehr umgesetzt. Auf der linken Seite der Telegrafenstraße besteht nun ein absolutes Halteverbot. Es gibt keine Zusatzschilder für bestimmte Zeiten oder für bestimmte Personengruppen. Das Halteverbot gilt für alle. Zurzeit ist Schluss mit der bisher geduldeten Form von "mal eben halten" oder "nur ganz schnell ins Geschäft springen".

Und wie reagieren die Bürger? Mit Emotionen, teilweise mit Aggressivität und mit Gleichgültigkeit. Das wurde am Samstag deutlich. Es wird geparkt wie immer. Angesprochen auf das absolute Halteverbot kommen Antworten wie "Seit wann das denn?" oder "Habe ich nicht gesehen". Eine junge Frau, die fast die Zufahrt zur Carl-Leverkus-Straße blockiert, ruft "Ist mir egal" und rennt weg.

Es ist ein großes Diskussionsthema bei den Bürgern. Und es gilt die Devise "Jeder gegen jeden". Die Fußgänger schimpfen über die Autofahrer: "Die müssen richtig bluten und bezahlen." Die Autofahrer schimpfen über die Fußgänger und Radfahrer. Die Radfahrer dann wieder über die Autofahrer. Jeder besteht auf "seinem Recht". Und dieses Recht kann sich auch verändern, je nachdem wie die Bürger gerade unterwegs sind. Alle haben auch eine Meinung, aber niemand nennt seinen Namen. Die Verkäuferinnen der Bäckerei "Evertzberg" sowie der Metzgerei "Daum & Eickhorn" bekommen den Unmut der Kunden zu spüren, obwohl sie nun gar nichts dafür können. Die Bürger blicken nicht mehr durch. Wer ist dafür verantwortlich? Wer hat wann was gesagt? Wird demnächst alles wieder anders?

Betroffen sind auch die Fahrer, die die Geschäfte, teils mehrmals täglich, beliefern. "Ich weiß es noch nicht, wo ich demnächst parken werde", sagt ein Fahrer der Metzgerei "Daum & Eickhorn". "Wenn ich auf der rechten Seite halte, dann blockiere ich doch alles", fügt er hinzu. Henning Rehse, Vorsitzender der WNKUWG-Fraktion, hatte eine pfiffige Lösung am Samstagmorgen: Er stellte sein Auto auf dem Parkplatz für Elektrofahrzeuge ab.

Kopfschütteln auch bei Giorgio Barrazuol vom Eiscafé Cordella. "Die Radfahrer fahren einfach über den Brückenweg und fertig", schlägt er vor. Mit seiner italienischen Mentalität kann er die ganze Aufregung sowieso nicht nachvollziehen. "Die Deutschen brauchen für alles Vorschriften, Verbote und ganz viele Schilder", fügt er hinzu und lacht.

Quelle: RP
 
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