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Wermelskirchen
Handballer verärgert über Hallenverbote

Wermelskirchen: Handballer verärgert über Hallenverbote
FOTO: Staschik Olaf
Wermelskirchen. Die Stadt hat TuS und HCW für jeweils zwei Wochen aus der Schwanenhalle ausgesperrt. Die Sportler sollen den Boden mit Haftmitteln verschmutzt haben - die bestreiten das. Außerdem geht es um Kosten in Höhe von 9600 und 30.000 Euro. Eine emotional geführte Diskussion. Von Tim Kronner

"Alternative Fakten" ist das Unwort des Jahres 2017. Geprägt wurde der Begriff von US-Präsident Donald Trump - jetzt halten "alternative Fakten" auch in Wermelskirchen Einzug. Hier sind die Hauptdarsteller die Handballvereine und die Stadtverwaltung. Letztere hat die 1. Mannschaften beider Vereine für jeweils zwei Wochen der Schwanenhalle verwiesen. Sie sollen durch die andauernde Benutzung von Haftmitteln den Hallenboden verschmutzt haben. TuS und HCW bestreiten das. Die Fronten scheinen verhärtet, es steht Aussage gegen Aussage.

In 2017 gab es eine Testphase, in der die Vereine ein helles, wasserlösliches Haftmittel anstelle von Harz nutzen durften. Die anschließende Reinigung übernahmen die Vereine. "Das hat nicht funktioniert. Der Boden wurde durch die falsche Anwendung von Reinigungsmitteln und Reinigungsmaschine beschädigt", sagt Robert Pap, Sachgebietsleiter Gebäudewirtschaft bei der Stadt. Die Vereine präsentieren einen anderen Schuldigen: Die Versiegelung des Bodens sei schlecht, "der Boden hält einfach nichts aus", kritisiert der TuS-Vorsitzende Norbert Galonska.

Wirklich "alternativ" werden die von beiden Seiten vorgetragenen Fakten aber erst, wenn es um den 22. Dezember des vergangenen Jahres geht. An diesem Tag trafen sich Galonska, Pap und Frank Steinhaus, Leiter der Spielgemeinschaft HCW, in der Schwanenhalle. Dort standen die drei Männer vor einem Schrank, in dem die Reinigungsmittel aufbewahrt werden. Vom Gespräch gibt es zwei unterschiedliche Versionen. "Im Schrank standen schon wieder Lösungsmittel, die nicht verwendet werden dürfen. Deshalb haben wir uns auf ein grundsätzliches Haftmittelverbot geeinigt", sagt Pap. Galonska entgegnet dem: "Das ist falsch. Er hat Frank Steinhaus und mir gesagt, dass der Boden neu versiegelt wird und wir ab Januar einen Neuanfang starten. Danach sollten wir das wasserlösliche Haftmittel benutzen dürfen, solange wir für die Reinigung nur die erlaubten Mittel nehmen." Als Reaktion auf dieses Gespräch schloss der TuS einen Tag später einen zweijährigen Leasing-Vertrag für eine Reinigungsmaschine ab. Das Volumen beträgt 9600 Euro - Kosten, die der Verein momentan ohne Mehrwert trägt. Denn: "Erst im Januar hieß es dann auf einmal, dass wir weder Haftmittel verwenden, noch selbst reinigen dürfen", sagt Galonska und ergänzt: "Da wird falsch gespielt."

2012 wurde in der Schwanenhalle noch dunkles Harz genutzt. Jetzt dürfen die Handballer auch helle, wasserlöslichen Haftmittel nicht mehr verwenden. Ohne diese rutschen den Sportlern die Bälle aber durch die schweißnassen Hände. FOTO: Dörner, Staschik

Trotzdem hielten sich die Handballer laut Galonska an das für sie neue Verbot. Das sieht Pap anders: "Es hat zwei Tage gedauert, bis schon wieder Haftmittel verwendet wurden." Drastische Folge: zwei Wochen Hallenverbot für TuS und HCW. Die Handballer hingegen "schwören Stein und Bein", dass sie in dieser Zeit nicht einmal Bälle benutzt haben, sondern nur Laufeinheiten auf dem Programm standen. "Das ist doch eine Hetzjagd auf den Handball", sagt Galonska.

Die Ursache dafür, dass die Diskussion so emotional geführt wird, ist Angst. Die Handballer fürchten um ihren Sport. In der Jugend sei ein Verzicht auf Haftmittel möglich, jedoch nicht im Senioren-Bereich. "Die Bälle werden durch den Schweiß nass. Ohne Haftmittel kann man sie weder vernünftig werfen, noch fangen", erklärt Galonska. Verbandsligist TuS hat sich zudem gerade erst mit dem Drittligisten "Bergische Panther" zusammengeschlossen, um Bundesligaspiele in die Stadt zu holen. Diese sollen vor bis zu 800 Zuschauern in der Schwanenhalle stattfinden. In den Durchführungsbestimmungen des Deutschen Handballbundes heißt es aber: "Die Meisterschaftsspiele dürfen nur in Sporthallen ausgetragen werden, in denen die Benutzung von Haftmitteln zugelassen ist."

Trotz der unterschiedlichen Ansichten und "alternativen Fakten", haben alle Beteiligten nach eigener Aussage dasselbe Bestreben. "Ich will weder Streit, noch den Handball kaputt machen", sagt Pap. Ziel sei, dass alle Nutzer die Halle in einem guten Zustand vorfinden - auch die Handballer. "Dass die Schulen den Anspruch haben, in eine saubere Halle zu kommen, ist unbestritten", stimmt Klaus Junge, Vorsitzender des Stadtsportbundes, zu. Wie könnte also eine Lösung des Problems aussehen?

Pap gibt zu: "Es gibt bessere Boden-Versiegelungen, die Haftmittel und Reinigung eher aushalten." Diese würde allerdings rund 30.000 Euro kosten. Die Handballer hoffen, dass es mit der Unterstützung von Bürgermeister Rainer Bleek dazu kommt, Pap will noch nichts versprechen. "Falls neu versiegelt wird, gibt es erstmal nur eine weitere Testphase." Für Klaus Junge steht im Hinblick auf eine langfristige Zukunft des Handballs in Wermelskirchen indes eines fest: "Wir müssen das Problem irgendwie vom Boden bekommen."

Quelle: RP
 
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