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Wermelskirchen
Haus Eifgen - Pächter meldet Insolvenz an

Wermelskirchen: Haus Eifgen - Pächter meldet Insolvenz an
FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Wermelskirchen. Hauptgrund ist der Umsatzrückgang bei den Partys. Letzter Öffnungstag ist der 19. Dezember. Herbert Ante hat über Gäste von der Insolvenz erfahren. "Das gehört sich nicht", sagt der Eigentümer. Wie es jetzt weitergeht, ist noch unklar. Von Sebastian Radermacher

Die negative Entwicklung hatte sich bereits im vergangenen Jahr angedeutet, jetzt hat Daniel Rößler die Reißleine gezogen: Der Pächter des Haus Eifgen hat beim Amtsgericht Köln Insolvenzantrag gestellt. Letzter Öffnungstag ist der 19. Dezember, "dann ist Schluss", sagt der 34-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Dann steht das über 100 Jahre alte Haus im Eifgen, in dem seit Beginn Gastronomie betrieben wurde, zunächst einmal ohne Pächter da.

Hauptgrund für die Insolvenz sei der deutliche Umsatzrückgang bei den Partys gewesen, zum Beispiel bei den Ü-30-Feiern, die in der Vergangenheit fast immer für ein volles Haus gesorgt hatten. "Diese Einnahmen haben gefehlt", sagt Rößler, der das Haus Eifgen im Oktober 2012 als Geschäftsführer von Sascha Hilverkus übernommen hatte. Rößler wollte das Haus als "Event-Location" etablieren, sprich ein Gesamtpaket aus Gastronomie, Partys und Hochzeiten schnüren. Für Hochzeitsfeiern - sie machen die meisten Einnahmen aus - sei das Haus Eifgen immer noch ein Anziehungspunkt gewesen - auch für das nächste Jahr lagen laut Rößler bereits mehrere Buchungen vor. Letztlich konnten die fixen Ausgaben durch die Einnahmen nicht mehr gedeckt werden. Rößler: "Umsatz und Pacht passten nicht mehr zusammen."

Daniel Rößler wollte das Haus Eifgen als "Event-Location" in Wermelskirchen etablieren - jetzt hat er einen Schlussstrich gezogen und Insolvenzantrag gestellt. FOTO: Haus Eifgen

Er habe in den vergangenen Monaten mit aller Kraft versucht, den negativen Trend zu stoppen. "Wir haben neue Konzepte für Veranstaltungen entwickelt, haben viel in die Werbung investiert und auch in umliegenden Städten unsere Veranstaltungen beworben - das konnte die negative Entwicklung abschwächen, aber letztlich nicht aufhalten", bedauert Rößler. Die letzten Monate seien eine anstrengende und kraftraubende Zeit gewesen. "Ich habe viel gekämpft, um das Haus Eifgen weiterzuführen", erzählt der Wermelskirchener. Jetzt spüre er in gewisser Weise aber auch eine Erleichterung, da großer Druck auf seinen Schultern lastete. "Ich musste einen riesigen Rucksack mit mir herumschleppen." Wie es nun für ihn beruflich weitergeht, kann Rößler noch nicht sagen.

Eigentümer Herbert Ante, der das Haus vor 13 Jahren gekauft hat, war völlig überrascht von der Insolvenz. Was ihn ärgert: "Ich habe über Gäste davon erfahren. Sie sprachen mich an, weil sie wegen der Insolvenz keine Karten für die Silvesterparty mehr kaufen konnten", sagt Ante und fügt an: "Der Pächter hat mir von dem Insolvenzantrag nichts mitgeteilt. Das gehört sich nicht."

Er werde Rößler nun aber nicht die Pistole auf die Brust setzen und aus der Immobilie drängen, sondern er lasse dem Pächter die Möglichkeit, seine Veranstaltungen bis zum 19. Dezember noch durchzuziehen. Daniel Rößler bestätigt, dass er Ante nichts von der Insolvenz erzählt habe. Er sei davon ausgegangen, dass der vorläufige Insolvenzverwalter dies machen würde. "Ich habe überlegt, wie ich den bereits gebuchten Hochzeitsgesellschaften Alternativen anbieten kann. Alle Hochzeitsgäste haben zum Glück freundlich reagiert."

Eigentümer Ante, der ein Unternehmen für Fußbodenbeschichtung und Sanierung in Solingen betreibt, weiß noch nicht, wie es jetzt mit dem Haus Eifgen weitergeht. Es gebe drei Möglichkeiten: verpachten, verkaufen oder selbst betreiben. Der 63-jährige werde sich langsam in seiner Firma zurückziehen. "Das Haus Eifgen würde ich nur aus Freude betreiben und nicht als Einnahmequelle", stellt Ante klar. Dies müsste er aber noch mit seiner Frau besprechen. In der Vergangenheit hat es bereits einige Pächterwechsel gegeben. Die Wechsel hätten verschiedene Gründe gehabt, "manche Pächter waren erfolgreich, sind aber an ihrem Unvermögen gescheitert", meint der Eigentümer.

Was für Herbert Ante feststeht: "Dieses Traditionshaus im Eifgen hat es einfach verdient, weiter betrieben zu werden. Und mit Herzblut kriegt man das auch erfolgreich hin."

Quelle: RP
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