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Wermelskirchen
Heimatforscher Buse zieht sich zurück

Wermelskirchen: Heimatforscher Buse zieht sich zurück
Klaus-Dieter Buse im Archiv des Bergischen Geschichtsvereins. Dort verbrachte er viele Stunden. FOTO: Nico Hertgen
Wermelskirchen. Der gesundheitlich stark angeschlagene BGV-Vorsitzende legt sein Amt nieder. Er baute das Archiv auf, schrieb Bücher und forschte. Von Udo Teifel

Es ist eine Detektivarbeit: Man stößt in uralten Akten auf einen Hinweis, geht der Spur nach und arbeitet sich in den verschiedenen Archiven der Region voran. Und immer wieder gibt es neue Hinweise auf weitere "interessante Fälle". Klaus-Dieter Buse ging in den vergangenen 20 Jahren vielen solcher Spuren nach - als Heimatforscher kennt er nicht nur die Geschichte dieser Stadt genau, er kennt auch die Verbindungen in der Region. Jetzt zieht der 69-Jährige einen Schlussstrich unter seine ehrenamtliche Tätigkeit: Der gesundheitlich stark angeschlagene Buse hat sein Amt als Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) niedergelegt. Er will auch nicht mehr als Heimatforscher tätig sein - "vielleicht mal wieder, wenn ich fit bin". Bis dahin konzentriert er sich darauf, gesund zu werden.

Seinen ersten Kontakt hatte der ehemalige Berufsschullehrer, Fachrichtung Metall, mit dem BGV 1981. Damals sollte er einen Vortrag über Dhünn halten. Das tat er gern, denn Geschichtliches - nicht nur der Heimat - war sein Steckenpferd. Die erste Veröffentlichung heimatkundlicher Forschung war ein Buch unter dem Titel "Dhünn - Skizzen aus der Vergangenheit". Der inzwischen verstorbene Lothar Kellermann warb Buse für den Vereins - und legte ihm das Archiv ans Herz. Das bestand nur aus Kartons.

Zeitweise war Buse täglich im Archiv in der Schwanenschule, durchforstete Akten, ordnete sie ein, unterstützt vom inzwischen verstorbenen Werner Scheuber. Buses Bestreben war, das Archiv den Bürgern zu öffnen - Interessierte führte er gern durch die Räume. Buse war Ansprechpartner bei Recherchen und half auch bei Recherchen für Buchpublikationen.

Das Bearbeiten von alten Akten mag eine trockene Angelegenheit sein - für Forscher aber nicht. Als bedeutendsten Fund seiner langjährigen Tätigkeit, zuletzt neun Jahre als Vorsitzender, nennt Buse ein Buch über Abgabelisten aus den Jahren 1441 bis 1666, die er gemeinsam mit Jürgen Franz im Stadtarchiv Kempen entdeckte. Darin wurde ausführlich auch über die Besitztümer in Wermelskirchen informiert.

Als Forscher erlebte er aber auch Momente, die ihm besonders nahe gingen - so die Auswertung der Gestapoakten. Er las die Briefe von Wermelskirchener Angehörigen, die den Originalakten beigefügt waren, sah die Fotos von verängstigten Menschen, und die oft beschämenden Antworten der Gestapo. Da muss Buse heute beim Erzählen noch schlucken.

Buse ist stolz darauf, dem BGV ein gut sortiertes Archiv zu hinterlassen, das inzwischen mehr und mehr digitalisiert und von einem fünf- bis achtköpfigen Team betreut wird.

Genug Arbeit werden die Geschichtsfreunde aber dennoch haben: "Es gibt noch viel zu erforschen", sagt Buse, denn es gibt immer wieder Vereins- und Kirchenprotokolle, die Neues wiedergeben. "Mir lag daran zu erforschen, was die kleinen Leute dachten in jenen Zeiten, weniger die Adeligen oder Gesetzgeber."

So half er auch gern Bürgern bei Anfragen, denn "das hat auch mein Wissen erweitert" - er ist eben ein Forscher durch und durch gewesen. So richtig erforscht ist Wermelskirchen seit dem 30-jährigen Kriege ab 1615, urkundlich erwähnt aber schon viel früher.

Seinem Nachfolger gibt er nichts mit auf den Weg. "Meine Arbeit ist erledigt, und jeder Nachfolger macht es anders." Mit dem Aufbau des Archivs hätte er schon deutliche Akzente gesetzt - "denn das Archiv ist ein ständiger Treffpunkt". Buse hat auch die Ausbildung der Stadtführer mit initiiert - "dadurch haben wir mehrere Mitglieder gewonnen." Nachwuchs scheint das große Problem zu sein: Junge Leute zeigten zwar hier und da Interesse, hätten aber wenig Zeit. Das könnte dann schon eine Zukunftsaufgabe werden.

Buses Wirken ist auch über Wermelskirchen hinaus bekannt. 2007 erhielt er die goldene Ehrennadel, im April den Rheinlandtaler, die höchste kulturelle Auszeichnung des Landschaftsverbandes. Darauf ist er besonders stolz.

Quelle: RP
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