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Serie Was Macht Eigentlich...?
Henning Conrads' Rat ist weiter gefragt

Serie Was Macht Eigentlich...?: Henning Conrads' Rat ist weiter gefragt
Henning Conrads findet es gut, dass er auch weiterhin eingebunden ist und sich für seine Stadt Wermelskirchen einsetzen kann. FOTO: nico hertgen (archiv)
Wermelskirchen. Als "Mr. Einzelhandel" ist er vielen Wermelskirchenern in Erinnerung. Aber auch in zweiter Reihe ist er weiter überaus aktiv und gerne auf Wanderungen unterwegs. Das Geschehen in der Stadt verfolgt der 72-Jährige mit Interesse. Von Stephan Singer

WERMELSKIRCHEN Nachdem er 2009 sein Schuhhaus Zülch geschlossen hatte, zog er sich in die zweite Reihe zurück. Dennoch ist und bleibt Henning Conrads in Wermelskirchen der "Mr. Einzelhandel". Mit seinem Eintritt in den Ruhestand rückte er zwar von federführend verantwortlichen Positionen ab, verschwand jedoch nie ganz von der Bildfläche. Nach wie vor kümmert er sich als Ehrenvorsitzender um die Aktivitäten beim Marketingverein "Wir in Wermelskirchen" (WiW) und ist im Kulturverein für die Zuschauer aktiv. Die nach genossenschaftlichem Prinzip aufgebaute Vereinigung "Glasversicherung auf Gegenseitigkeit" betreibt er ehrenamtlich als "Ein-Mann-Schau".

Bis heute hat sich für Conrads sein Motto bei all seinem ehrenamtlichen Engagement nicht geändert. Fast schon gebetsmühlenartig "predigt" der 72-Jährige seine Leitlinie: "Nur gemeinsam sind wir stark". Dennoch sagt er auch: "Ich muss nicht mehr alles machen." Dabei spielt Conrads auf neue WiW-Veranstaltungen wie "Rock am Markt" an. Er freut sich über den Erfolg dieser Aktionen, die die jungen WiW-Macher um André Frowein oder Christian Potthoff initiierten. Sein Augenmerk legt Conrads aber auf die Traditionsveranstaltungen, die er über Jahre aufbaute, begleitete, teils sogar vor dem Aussterben bewahrte: Das Fest, Martinsumzug, Weihnachtsmarkt mit Nikolausumzug (Bergische Weihnachten).

Als Ehrenvorsitzender hat Conrads im WiW-Vorstand kein Stimmrecht mehr. Nichtsdestotrotz versucht er, keine Sitzung zu versäumen. "Wenn ich nirgendwo mehr eingebunden wäre, wäre es auch nicht schön." Conrads' Rat ist gefragt. Er trägt einen großen Anteil am Übergang vom ehemaligen Einzelhandelsverband Wuppertal, Abteilung Wermelskirchen, in den eigenständigen, breiter aufgestellten Marketingverein WiW, der 2017 auf das zehnjährige Bestehen zurückblickt, und den damit verbundenen Generationswechsel in der Vereinsführung.

Viele Themen begleiteten Conrads fast sein ganzes Berufsleben: Er setzte sich über Jahrzehnte für den Bau der Umgehungsstraße B 51n ein, hat drei Anläufe zur Neugestaltung des Loches Platzes genau verfolgt. "Der Loches Platz ist ein Kleinod. Jetzt haben wir eine positive Entwicklung, wovon letztlich die gesamte Stadt profitieren wird. Es muss jedoch Gas gegeben werden, damit Wermelskirchen gegenüber anderen Städten nicht das Nachsehen hat", betont Conrads, der erkennt, dass bei den verabschiedeten Plänen "die Kirmes etwas zu kurz kommt": "Die Entwicklung wird uns jedoch zeigen, dass andere Konstellationen möglich sind." Der ehemalige Aldi-Parkplatz an der Eich und der Heinrich-Heine-Platz am Gymnasium böten Möglichkeiten.

Ein bis zwei Mal in der Woche sei er abends noch unterwegs, tagsüber sowieso. "Ich versuche, es zu reduzieren. Wir haben aber schon Freiräume", sagt Henning Conrads und blickt seine Ehefrau Frederike an. Die hat ihn immer unterstützt, bei einer 60-Stunden-Woche, die der Schuh-Einzelhändler früher einmal absolvierte, wäre es nicht anders gegangen. Die Töchter Anne-Kathrin und Annabelle sind erwachsen, dafür nehmen zwei Enkelkinder (die vierjährige Marlene und die 15 Monate junge Luise) das Ehepaar in Beschlag. "Die halten uns auf Trapp, was wunderschön ist", lachen Frederike und Henning Conrads.

Strahlende Kinderaugen dürften es auch gewesen, die Conrads dazu bewogen, sich für die Kindertheater-Veranstaltungen des Kulturvereins zu engagieren. Bei den Theatervorstellungen für Erwachsene im Kino "FilmEck" fungiert Henning Conrads als "Platzanweiser": "Das finde ich klasse, weil ich so mit den Menschen ins Gespräch komme und deren Meinung erfahre."

Gerne reist das Ehepaar durch Deutschland und schnürt dabei die Wanderschuhe. Am Wochenende spazieren Frederike und Henning Conrads gerne durch das Eifgental. Immer dabei: Hund Wotan, den das Ehepaar aus familiären Gründen vor zehn Jahren "adoptiert" hat. "Letztens waren wir im Wald unterwegs, als mich zwei Damen ansprachen. Sie sagten mir, dass sie sich kurz vor der Schließung meines Geschäfts noch mit Wanderschuhen eingedeckt hatten und diese bis heute tragen", erzählt Conrads.

Die 1922 in Wermelskirchen gegründete "Glasversicherung auf Gegenseitigkeit" spiegelt Conrads' Leitmotiv "Nur gemeinsam sind wir stark" gut wider. Einst für Einzelhändler mit großen Schaufenstern gedacht, kann sich dort heute jeder gegen Glasschäden versichern. "Die haben sich schon damals etwas einfallen lassen", lobt Conrads die Gründerväter der Genossenschaft.

Quelle: RP
 
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