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Neubau für 27 Millionen Euro
Historische Stunde in der Schulpolitik

Neubau für 27 Millionen Euro: Historische Stunde in der Schulpolitik
Bürgermeister Rainer Bleek (Mitte), die Beigeordneten Thomas Marner und Stefan Grönert (v.l.) sowie Hauptamtsleiter Jürgen Scholz (r.) waren erleichtert, als die Politik in der Ratssitzung den beschluss zur Sekundarschule fasste FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Stadtrat beschloss Neubau der Sekundarschule auf dem Realschul-Gelände mehrheitlich - ohne FDP-Stimmen. Von Solveig Pudelski

Der Rat hat am Montag einen Beschluss mit der größten finanziellen Tragweite seit Jahren gefasst: die Errichtung eines Neubaus für die Sekundarschule auf dem Gelände der ehemaligen Realschule - Kostenpunkt: 27 Millionen Euro. Die weitgehende Einigkeit setzte den Schlusspunkt hinter einem langwierigen Prozess. Denn der interfraktionelle Antrag, der vergangenen Woche erarbeitet wurde, ging bei vier Gegenstimmen (FDP und Bernhard Meiski, CDU) und zwei Enthaltungen durch.

Bildung sei das wertvollste Gut für unsere Zukunft. Es sollte allen Wermelskirchenern so viel wert sein, dass sie eine Anhebung der Grundsteuer akzeptieren, lautete ein Appell der Politik. Bürgermeister Rainer Bleek wertete den Beschluss, der allen Fraktionen Kompromissbereitschaft abverlangt habe, als "wichtiges Signal für die Bürger und Schüler".

Der Weg ist jetzt also frei für die folgenden Schritte. Denn auf den Weg gebracht werden muss nun ein Gesamtpaket. Diesen Auftrag wird die Verwaltung abarbeiten, während das Architekturbüro Brochheuser/Lüttinger auf der bisherigen Basis weitermachen kann und die Stadt parallel einen Projektsteuerer sucht.

Die Liberalen, die als einzige Fraktion den Antrag ablehnten, erklärten in der Ratssitzung noch einmal öffentlich, warum sie sich eine andere Vorgehensweise gewünscht hätten. "Wir wollten nur einen ordentlichen Vergleich der Standorte", sagte Jürgen Manderla. Es sei aber der Eindruck entstanden, die FDP lehne den Standort Realschule und das pädagogische Konzept grundsätzlich ab - das sei falsch.

Vermisst habe die FDP, dass bei der Kostenberechnung für die Deponiesanierung am Standort Ost, die mit zehn Millionen Euro veranschlagt wurde, keine möglichen Fördermittel von bis zu 80 Prozent berücksichtigt worden seien. Und nochmals hob Manderla hervor, dass die Variante 1 "in der Summe sechs Millionen Euro preiswerter zu erstellen ist als der Entwurf am Standort Realschule". CDU und SPD hätten vergangene Woche eine 180 Grad-Kehrtwende gemacht, als sie nicht mehr auf den gewünschten Architektenwettbewerb pochten - wohl auch, weil sie einen juristischen Streit mit dem bisherigen Architektenbüro befürchteten. Die Liberalen hielten angesichts des Verzichts auf einen solchen Wettbewerb das Risiko einer Klage durch andere Büros "für mindestens genauso groß". Dazu stellte Bürgermeister Bleek gestern auf Nachfrage klar: "Wir haben einen Vergabefachmann im Rathaus, der alles rechtlich geprüft hat."

CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Klicki sieht im Beschluss einen Meilenstein. Der Spagat zwischen Sparen und Investieren sei dank des Kostendeckels von 27 Millionen Euro gelungen, sagte er in seiner Rede. Wichtig sei der CDU nunmehr, dass der Schulalltag durch eine Auslagerung nicht belastet werde und dass man sich die Sorgen der Eltern anhöre. Er forderte nochmals eine Mängelliste zum Gebäude des Gymnasiums. Auch dessen Zukunft müsse die Stadt im Blick behalten.

Mit dem Kompromiss sei die Verwaltung auch beauftragt, "eine angemessene Raumlösung sowie eine endgültige Lösung für die Volkshochschule zu finden", betonte Jochen Bilstein, SPD-Fraktionsvorsitzender. Die Übergangsphase müsse mit Rücksicht auf die Schule so kurz wie möglich gehalten werden. Dass der gemeinsame Nenner gefunden wurde, rechnete Henning Rehse (WNKUWG) den kleinen Fraktionen (Grüne, Büfo, WNKUWG) als Erfolg an, "sie hätten die rote Linie" gezogen. Sein Lob galt der Verwaltung, insbesondere Sonja Amend vom Gebäudemanagement - "ganz großes Kino". Wichtig sei nun, den organisatorischen Transfer der auslaufenden Schulen und der Sekundarschule zu meistern, die Folgenutzung der ehemaligen Schulgelände im Blick zu haben und den Sekundarschülern bei Auslagerung einen adäquaten Unterricht zu ermöglichen. Die Wahrscheinlichkeit einer Steuererhöhung sei hoch, räumte Stefan Janosi, Fraktionsvorsitzender der Grünen, ein, aber ein gutes Bildungsangebot sei wichtig, um junge Familien nach Wermelskirchen zu locken. "Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Städten."

Quelle: RP
 
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