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Wermelskirchen
Hobby-Astronom blickt in die Sterne

Wermelskirchen: Hobby-Astronom blickt in die Sterne
Der Hobby-Astronom Carsten Drawe verfügt über insgesamt vier Teleskope. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Wermelskirchen. Nach einer Fußverletzung hat der Wermelskirchener Carsten Drawe seine Leidenschaft für die Astronomie entwickelt. Von Stephan Singer

Dass ein schmerzhafter, komplizierter Knochenbruch im Fuß zu einer Vielzahl von Sternstunden im nahezu wörtlichen Sinne führt, hat wohl Seltenheitswert: Der Wermelskirchener Carsten Drawe ist Hobby-Astronom und erlebt beim Blick durch seine Teleskope immer wieder seine ganz persönlichen "Sternstunden". "Durch einen Fußbruch war ich für sechs Wochen ans Bett gefesselt. Da hat mir meine Frau jede Menge Zeitschriften mitgebracht, damit ich etwas zum Blättern und Lesen hatte - unter anderem auch Magazine über Astronomie. Das hat mich dann so sehr fasziniert, dass ich die nächstgelegene Sternwarte im Remscheider Bismarckturm besucht habe und dort mit den Mitgliedern des Astronomischen Vereins ins Gespräch gekommen bin", erinnert sich Carsten Drawe an die Anfänge seiner "Sternengucker"-Laufbahn. Zu diesem Erlebnis sei sein eh schon immer vorhanden gewesenes Interesse für Technik gekommen.

Das spielte sich 2002 ab. Inzwischen ist der in Dabringhausen lebende Carsten Drawe eines der etwa 60 Mitglieder im Astronomischen Verein Remscheid. "Anfangs habe ich mir einfach ein Teleskop gekauft und beobachtet, ohne zu wissen, was ich da mache", sagt der IT-Leiter eines Wermelskirchener Unternehmens und lacht. Das hat sich in den Jahren natürlich gewandelt. Drawe ist heute auf der Jagd nach Fotos vom Sternenhimmel, verfügt über vier Teleskope und entsprechende Montierung im Wert von etwa 4000 Euro. Dazu kommen Fotokamera und Laptop.

Besonders "in sich" hat es die Montierung, wie Carsten Drawe erklärt: "Sie verfügt über zwei Motoren und lässt sich so auf zwei Achsen elektronisch steuern. Auf diese Weise kann ich die Erdrotation ausgleichen, denn die Fotos werden mindestens zwischen zehn und 20 Minuten belichtet." Um die Himmelskörper zu fotografieren, setzt Drawe die Kamera an ein Teleskop, gesteuert und ausgelöst wird mit dem Laptop. Das geschieht in schwarz-weiß wegen der höheren Lichtempfindlichkeit. Damit Farbfotos entstehen können, setzt Carsten Drawe nacheinander drei RGB-Filter (Red, Green, Blue), vor die Linse und fügt diese drei Aufnahmen später per PC-Bildbearbeitung zu einem Foto zusammen. "Diese Bilder und ihre Entstehung faszinieren mich vollkommen", berichtet der 46-jährige Vater von drei Kindern im Alter von elf bis 16 Jahren. Besonders angetan haben es Carsten Drawe der Lagunen- und der Trifid-Nebel - Sternen-Anhäufungen in der Milchstraße.

Für nur ein Motiv "schlägt" sich Drawe gerne eine ganze Nacht "um die Ohren", denn die äußeren Bedingungen müssen stimmen: "Im Sommer geht oft gar nichts, weil die Nächte da zu hell sind. Bewölkt oder nebelig darf es natürlich ebenso nicht sein." Ehefrau Katja hat dafür mehr als Verständnis: "Genauso wie die Kinder finde ich das Thema auch spannend." Carsten Drawe kommt auf etwa 20 bis 30 Tage beziehungsweise Nächte pro Jahr, die er am Teleskop verbringt. Die Nachbearbeitung am PC kann dann auch bei schlechtem Wetter erfolgen.

Ein besonderes Erlebnis für den Astronomen war eine über den Verein organisierte Reise nach Namibia 2010. Mit fünf Gleichgesinnten zog es Carsten Drawe für zwei Wochen auf eine Schaf-Farm, dessen Besitzer sich auf "Astronomie-Tourismus" spezialisiert hat. "Dort, mitten in der Kalahari-Wüste, ist der Himmel so dunkel, da strahlt die Milchstraße nachts so hell, dass sie Schatten auf den Boden wirft. Da steht man mit offenem Mund da", erzählt Carsten Drawe begeistert. Für ihn hat sein vermeintlich "eigenbrödlerisches" Hobby durchaus einen geselligen Faktor: "Wir tauschen uns schließlich regelmäßig untereinander aus. Und bei den gemeinsamen Touren der Vereinsmitglieder entwickeln sich tolle Gespräche und Freundschaften."

Natürlich gibt es für Carsten Drawe fixe Termine, an denen sich bestimmte Planeten- oder Sternen-Konstellationen ereignen. Der nächste ist der 9. Mai 2016. Dann zieht der Merkur, von der Erde aus dann als "schwarzer Punkt" sichtbar, tagsüber vor der Sonne her.

Quelle: RP
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