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Wermelskirchen
Hobbyhistoriker öffnet sein Archiv

Wermelskirchen: Hobbyhistoriker öffnet sein Archiv
Die älteste Postkarte des Hobbyhistorikers aus dem Jahr 1900 zeigt die Brauerei und Eisfabrik Robert Küppers, die an der Ecke Eich/Dabringhauser Straße gestanden hat. FOTO: Füllhase
Wermelskirchen. Seit zehn Jahren sammelt der Wermelskirchener Claus Füllhase Dokumente rund um seine Heimatstadt. Bei einer Ausstellung in den Bürgerhäusern veranschaulicht er mit zahlreichen Fotos die baulichen Veränderungen seit 1900. Von Beate Wyglenda

Nichts ist für die Ewigkeit gebaut, ewig ist nur der Wechsel - so alt dieses Sprichwort ist, so treffend und aktuell ist es für Wermelskirchen. 2009 mussten sich die Bürger etwa von ihrem Markt-Büdchen verabschieden. Das Wahrzeichen steht jetzt im Freilichtmuseum Lindlar. Auch der bergische Schiefer ist immer seltener in der Innenstadt zu sehen. Und der Loches-Platz hat seinen Umbau noch vor sich. Aufhalten kann und will Claus Füllhase die Veränderung nicht. Den Wandel der Stadt festzuhalten hat der Wermelskirchener aber zu seinem Hobby gemacht. Seit zehn Jahren sammelt, sortiert und stellt der 71-Jährige Fotos, Dokumente und Bücher von seiner Heimatstadt aus. Eine große Ausstellung wird aus diesem Anlass am Freitag, 23. September, in den Bürgerhäusern an der Eich eröffnet.

Zu sehen gibt es etwa 250 Fotos, fast 60 Postkarten, dazu Füllhases Büchersammlung und Souvenirs aus Wermelskirchen von früher und heute. Erstmals widmet sich der Hobbyhistoriker der ganzen Stadt in der dreitägigen Ausstellung. Bislang setzte er stets einzelne Straßen - zuletzt die Telegrafenstraße - in den Fokus. "Zu meinem Jubiläum wollte ich mal die ganze Stadt präsentieren, und dabei zeigen, wie sie einst ausgesehen hat und wie heute", sagt Füllhase. "Die Stadt verändert sich immer mehr. Vieles, etwa dass Wermelskirchen eine Rollenstadt war, wird langsam vergessen. Ich will es wieder ins Gedächtnis bringen."

FOTO: Schütz Michael

Mehr als von den Bildern lebe seine Ausstellung daher von den Erinnerungen. Füllhase erklärt: "Es macht einfach Freude, wenn die älteren Leute mit ihren Enkeln vor den Fotos stehen und dann fröhlich erzählen, 'ach, in dem alten Rathaus habe ich noch geheiratet' oder 'auf dieser Wiese haben wir drei Schafe gehabt'." Besonders emotional reagieren Besucher Füllhases Erfahrung nach, wenn sie bereits abgerissene Häuser sehen, in denen sie früher gelebt haben. "Für manche älteren Leute ist das wie ein Erwachen. Sie sind begeistert, umarmen mich sogar und fragen und quetschen mich zu allen Einzelheiten aus", sagt Füllhase. "Durch die Bilder entsteht sofort eine persönliche Bindung und man erfährt immer wieder neue, interessante Geschichten." Deshalb ist der Hobbyhistoriker auch regelmäßig in Altenheimen oder bei Seniorentreffen zu Gast. Gerade Menschen, die nicht mehr mobil sind, freue es, zu sehen, wie sich ihre Stadt entwickelt, sagt er.

Füllhases Interesse an den Dokumenten der Stadt entstand im Zuge der Umbauarbeiten am Markt. "Die Stadt wurde komplett umgekrempelt, und dabei wurden auch Bauten falsch verortet und Dinge behauptet, die einfach nicht stimmten", sagt der Wermelskirchener. Bis heute werde etwa ein Haus auf der Telegrafenstraße, Ecke Remscheider- und Thomas-Mann-Straße, als "Bügeleisen" bezeichnet. Tatsächlich galt aber die Gaststätte "Bergischer Hof", früher knapp 50 Meter weiter auf der Telegrafenstraße gelegen, als "Bügeleisen". Das belegt Füllhase mit einer Postkarte von 1913. Auch ein Zeitzeuge, der im "Bügeleisen" gewohnt hat, bestätigte dem Hobbyhistoriker diese Verwechslung.

Diese Postkarte mit Blick auf die Kölner Straße ist aus dem Jahr 1910. Es gebe insgesamt 60 Postkarten von Wermelskirchen, sagt Claus Füllhase. Er hat fast alle in seiner Sammlung. FOTO: Füllhase

Füllhases älteste Postkarte ist von 1900. Sie zeigt die Brauerei und Eisfabrik Robert Küppers, die an der Ecke Eich/Dabringhauser Straße gestanden hat. "Die wertvollsten Stücke stehen bei mir in der Vitrine", sagt er. Doch auch die restliche Wohnung und der Keller stehen voll mit Dokumenten. "Ich platze aus allen Nähten", sagt Füllhase lachend. Sein Wunsch, in der ehemaligen Obdachlosenunterkunft an der Berliner Straße ein Museum errichten zu können, ist geplatzt. "Das Gebäude wird definitiv abgerissen", sagt Füllhase. Seiner Sammelleidenschaft tut dies jedoch keinen Abbruch: Flohmarktkäufe, Nachlässe von Bürgern und selbstgemachte Fotos erweitern ständig seinen Bestand.

"Die Leute wissen, dass die Dokumente bei mir in guten Händen sind", sagt Füllhase. Jedes einzelne Zeugnis registriert, nummeriert und platziert er sorgfältig. Für die bevorstehende Ausstellung sortierte er seit Januar fast täglich drei Stunden lang vor. "Das ist schon eine Menge Arbeit, vor allem ohne Computer, aber ich habe ja Zeit, und mir macht die Arbeit einfach Spaß", sagt der Rentner, der 45 Jahre lang als Schlosser für die Firma Rhombus gearbeitet hat.

Quelle: RP
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