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Wermelskirchen
Immer weniger Komasäufer in der Stadt

Alkohol und Komasaufen: Was sich Teenager antun
Alkohol und Komasaufen: Was sich Teenager antun FOTO: dpa, Jens Büttner
Wermelskirchen. Während die Anzahl der sogenannten Komasäufer in NRW im vergangenen Jahr wieder gestiegen ist, beschränkt sich das Problem in Wermelskirchen auf Einzelfälle. Das liegt auch daran, dass die Prävention schon in der Kita beginnt. Von Henning Rasche

Fünftausendeinhundertsiebenundsechzig "Komasäufer". So viele Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert - 0,9 Prozent mehr als noch 2014. Die Krankenkasse DAK warnt in einer Mitteilung: "Der positive Trend ist gebrochen." Das klingt nach einer dramatischen Entwicklung. Die Zahlen kommen vom Statistischen Landesamt IT.NRW, sind also belastbar. In Wermelskirchen allerdings gibt es keinen Grund für voreilige Bestürzung. "Das ist bei uns überhaupt kein Problem", sagt Arne Feldmann, Leiter des Ordnungsamts Wermelskirchen. Konkrete Zahlen für die Stadt gibt es zwar nicht, aber im Rheinisch-Bergischen Kreis ist 2015 die Anzahl der Fälle um 27,5 Prozent gesunken.

Arne Feldmann bestätigt, dass es keine Auffälligkeiten in der Stadt gebe, was den exzessiven Alkoholkonsum von Minderjährigen betrifft. Beim Rosenmontagszug in Dabringhausen und der Matinee zur Kirmes führt das Ordnungsamt gewöhnliche Jugendschutzkontrollen durch. Die Streifen, die zusammen mit dem Jugendamt unterwegs sind, überprüfen dabei, ob die Jugendlichen rechtmäßig Alkohol trinken. "Mit Komasaufen hat das aber nichts zu tun", versichert Feldmann. Der Kirmesmontag ist traditionell ein großes Fest in Wermelskirchen, dabei wird natürlich auch viel Alkohol konsumiert.

Richard Barz, Sprecher der Polizei im Rheinisch-Bergischen Kreis, bestätigt die Einschätzungen von Arne Feldmann. "Aus dem täglichen Dienst heraus wissen wir, dass sich das auf Einzelfälle begrenzt", sagt er. Natürlich würden die Streifenpolizisten gelegentlich stark alkoholisierte Jugendliche aufgreifen, "aber das ist kein generelles Problem", sagt Barz. Die Polizei führt über solche Fälle keine Statistik, weil vor allem der Rettungsdienst damit in Berührung kommt.

Ein wesentlicher Grund für die gute Situation dürfte die Prävention sein. Denn sie startet in Wermelskirchen früh. Das Jugendamt und der Fachdienst Sucht des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Lennep starten mit der Arbeit gegen Sucht, Abhängigkeit und Alkohol bereits im Kindergarten. Laut Arne Feldmann geht es dort natürlich noch nicht um harten Alkohol, sondern darum, Nein zu sagen. "Wenn Kinder frühzeitig lernen zu sagen, was sie mögen oder nicht mögen, dann können sie später auch besser mit sozialem Druck umgehen", sagt Feldmann. Die Suchtvorbeugung will soziale Kompetenzen ebenso wie die Freude am Leben und Genuss erfahrbar machen. Kinder sollen mit ihren Gefühlen umgehen lernen und sie einschätzen, aber sich auch richtig in Konflikten verhalten können. Die Statistik des Landesamts zählt alle Patienten, die im Alter von zehn bis 19 Jahren mit akuter Alkoholvergiftung in NRW ins Krankenhaus mussten. Im Vergleich zu 2014 ist die Anzahl dieser Fälle von 91 auf 66 im Rheinisch-Bergischen Kreis gesunken. Der Anteil weiblicher Patienten ist dabei weniger stark gesunken: von 35 auf 29. Bei den Jungen hingegen ist die Anzahl von 56 auf 37 gefallen. Insgesamt lässt sich den Zahlen entnehmen, dass NRW-weit der Anteil der Mädchen unter den "Komasäufern" steigt. Die positive Nachricht: Bei Jugendlichen unter 15 sinkt die Zahl der alkoholbedingten Behandlungen wieder.

Quelle: RP
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