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Bm-Ferienaktion
In den Bäumen über sich hinauswachsen

Bm-Ferienaktion: In den Bäumen über sich hinauswachsen
Für die Mädchen und Jungen ist das Balancieren im Hochseilgarten kein Problem. Viele Kinder freuen sich jedes Jahr wieder darauf, während der BM-Ferienaktion kostenfrei im Klettergarten aktiv sein zu können. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. 30 Kinder zwischen sechs und 15 Jahren sind begeistert vom GHW-Klettergarten, einem Partner der Ferienaktion der Bergischen Morgenpost. In bis zu zehn Metern Höhe lernen die Kinder, ihre Grenzen auszutesten und Ängste zu überwinden. Von Beate Wyglenda

Wermelskirchen/Hückeswagen Die Anspannung ist Amelie Reinhardt im Gesicht abzulesen. Die 13-Jährige blickt nach links: Drei Meter trennen sie von dem sicheren Boden. Ein Blick nach rechts: Hier geht es die Böschung noch weiter hinab. Doch dann nimmt das Mädchen ihren Mut zusammen, atmet einmal tief durch und wagt den ersten Schritt nach vorn.

Amelie ist im GHW-Klettergarten im Brunsbachtal. Zum zweiten Mal schon macht sie bei der Ferienaktion der Bergischen Morgenpost und ihren Partnern mit. Doch nicht nur sie. Insgesamt 30 Kinder zwischen sechs- bis 15 Jahren schickte die Redaktion in den Hochseilgarten. Unter Anleitung von Inhaberin Gundel Ehlis balancieren, seilen und hangeln sie sich in dem zweistündigen Kursus nun von Baum zu Baum - und überwinden dabei Grenzen und Ängste.

Überwindung kostet auch Amelie der Gang durch den bis zu drei Meter hohen Parcours I. Vor allem die schwingenden Holzlatten machen ihr gerade zu schaffen: Der Untergrund ist wackelig, schnellt, sobald Amelie den Fuß aufsetzt, unter dem Gewicht des Mädchens noch weiter von der Plattform weg. Schnell zieht sie das zweite Bein nach, krallt sich an den Seilen fest, während das Brett langsam hin und her pendelt. Wieder macht sich für einen kurzen Augenblick Angst in Amelie breit.

Zurückgehen ist für die 13-Jährige nun aber keine Option mehr. Noch einmal tief durchatmen, und dann macht Amelie in einem Satz eins, zwei, drei, vier beherzte Schritte hin zum rettenden Ziel - zur nächsten Plattform, auf der sie verschnaufen kann. Von Anspannung ist nun keine Spur mehr zu sehen. Sie ist der Freude gewichen - und Stolz. Zufrieden mit sich selbst winkt Amelie ihrer Mutter zu, ehe sie sich weiter zum nächsten Hindernis aufmacht. Szenen, die Klettergarten-Leiterin Gundel Ehlis häufig beobachtet. "Es macht immer wieder Freude zu sehen, wie stolz die Kinder auf sich sind, nachdem sie eine Aufgabe gemeistert haben", sagt sie. Bewusst greifen die vier Betreuer deshalb nur selten in die Bemühungen der Kinder ein. Auch die Eltern wurden anfangs hinter einer Absperrung gelassen, um ihren Sprösslingen nicht ins Werk zu quatschen. "Wenn die Eltern den Kindern sagen, was sie zu tun haben, können sie sich ja gar nicht selbst austesten", erklärt Ehlis. "In diesem Alter wollen die Kinder auch gar nicht mehr an die Hand genommen werden. Sie wollen selbstständig handeln, schließlich streichelt es das Ego, etwas ganz alleine geschafft zu haben."

Das kann Amelie bestätigen: "Wenn man ein Hindernis geschafft hat, dann ist das ein tolles Gefühl", sagt das Mädchen. "Ich habe Höhenangst, deswegen traue ich mir nicht alles zu, aber Spaß macht das Klettern auf jeden Fall." Auch das Austesten und Eingestehen von Grenzen gehört zum Klettern dazu. Zum Weitergehen wird niemand gedrängt. Ist einem Kind ein Parcours zu hoch oder zu schwierig, kann es zurückgehen, wird von den Betreuern abgeseilt und kann ein leichteres Level probieren. Obwohl, so Ehlis, Kinder im Vergleich zu Erwachsenen meist unbefangener und ehrgeiziger an die Parcours gingen. "Und somit oft weiter kommen als die Eltern."

Zu diesen Höhenfliegern gehört auch Amelies Bruder Felix. Gerade erst neun Jahre alt, flitzt der Junge durch die Parcoure, als ob diese sein gewohnter Schulweg wären. Selbst die schwindelerregende Höhe von bis zu zehn Metern in Parcours II und die "echten Herausforderungen", wie sogar Ehlis sagt, in Parcours III halten ihn nicht auf. "Warum auch?", bemerkt er keck. "Ich bin doch gesichert."

Quelle: RP
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