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Wermelskirchen
Inspektoren hängen unter der Brücke

Inspektoren hängen unter der Höllenbachtalbrücke
Auf zwei solchen Hebebühnen untersuchten gestern Morgen Mitarbeiter von Straßen NRW die neue Höllenbach-Talbrücke. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Gestern Morgen wurde die Hauptprüfung vor Ablauf der Gewährleistung der neuen "Höllenbach-Talbrücke" vorgenommen. Dafür wurde die Fahrbahn in Fahrtrichtung Köln für den gesamten Autoverkehr gesperrt. Von Bernd Geisler

Zunächst ist es ein schönes Gefühl, mutterseelenallein über die abgesperrte Talbrücke Höllenbach der Autobahn 1 zu fahren. Aber dann macht sich ein mulmiges Grummeln in der Magengegend breit. Es geht über eine Leiter rauf auf einen Lkw. Das Fahrzeug schleicht dicht an der rechten Brückenbegrenzung entlang. An ihm "hängt" das "Mobile Brückenuntersichtgerät mit Arbeitssteg, Typ 20 F": das Ziel dieser Reise.

Arbeitseinsatz auf der A 1 zwischen Remscheid und Wermelskirchen. Die Fahrbahn in Fahrtrichtung Köln ist am Sonntag von 4 bis mittags für den gesamten Autoverkehr gesperrt. Der Grund: die Hauptprüfung vor Ablauf der Gewährleistung an dem Bauwerk "Höllenbach-Talbrücke".

Von dieser 21 Meter langen Arbeitsbühne mit einer maximalen Arbeitstiefe von 8,70 Metern haben Brückeninspektoren einen hautnahen Blick und Griff auf die Unterseite der Brücke. Der Lkw "umklammert" mit der Arbeitsbühne quasi die Brücke. Um auf diese Plattform unterhalb der Brücke zu kommen, gilt es für den Laien, ein paar schwindelerregende Augenblicke trotz widersprechenden Magens zu überstehen: Quer über den Lkw und dann mit einem mutigen Schritt über einen Spalt hinweg ("Nicht nach unten sehen!") auf eine Steigleiter in das Arbeitsgerüst, das an der Brücke entlang senkrecht nach unten führt. Jetzt rund acht Meter nach unten absteigen.

Endlich: Heil unten angekommen, empfängt Uwe Wesche von der Arbeitsbühnen-Firma Cramer. Hier sitzt er und steuert über zwei Joysticks die Arbeitsbühne. Sie bewegt sich auf sein Kommando hin mit einer Geschwindigkeit von einem Stundenkilometer. Er kann sie auch rechtwinklig um einen Brückenpfeiler herum bugsieren. Auf der wie bei einem Schiff leicht schwankenden Arbeitsbühne arbeiten die beiden Brückenprüfer Gerd Engel und Michael Müller vom Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen NRW). "Nach fünf Jahren Betrieb läuft die Gewährleistung der Baufirma für die Brücke ab", sagt Engel. Er steckt gerade unterschiedliche metallene Messlatten bis zu zwei Millimeter dick in eine Konstruktion, auf der die Brücke liegt. Damit prüft er die Dicke einer wichtigen Gummischeibe. Sie wird im Laufe von 40 bis 50 Jahren aufgrund der Bewegung der Brücke immer dünner, darf aber ein Millimeter nicht unterschreiten. Wie erwartet, ist sie zwei Millimeter dick.

Diese Prüfung ist nur ein kleiner Teil einer umfangreichen Inspektion, die Straßen NRW über und unterhalb der Brücke durchführen muss. Es ist die vorgeschriebene Abnahme der Brücke, um den Hersteller aus der Gewährleistung zu entlassen. "Im Laufe von fünf Jahren können sich Mängel einstellen, die kurz nach Fertigstellung des Bauwerks noch nicht sichtbar waren", sagt Gerd Engel.

Die Inspektoren arbeiteten gestern seit vier Uhr morgens zusammen mit Uwe Wesche. Zwei Teams sind im Einsatz, damit es schneller geht. Besonderes Augenmerk richten die Männer darauf, ob Risse in der Bodenplatte vorhanden sind und die Schweißnähte des Brückenhohlkastens - das eigentlich tragende Element der Brücke - in Ordnung sind. Die Männer sind mit dem Zustand des Bauwerkes zufrieden.

Nach oben wieder hochgeklettert und mit festem Boden unter den Füßen gibt auch der Magen endlich Ruhe. Der Verkehr auf der Ersatzstrecke B51 läuft normal — gegen Mittag wird der Verkehr etwas lebhafter. Probleme aber hat es nicht gegeben, heißt es bei der Wermelskirchener Polizei.

Quelle: RP
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