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Wermelskirchen
Integration beim wöchentlichen Kicken

Wermelskirchen: Integration beim wöchentlichen Kicken
Jeden Donnerstag treffen sich etwa 35 Jugendliche mit Migrationshintergrund, um gemeinsam Sport zu treiben. Der TuS Wermelskirchen bietet dieses Angebot seit etwa eineinhalb Jahren an. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Der TuS bietet eine Sportgruppe für junge Leute mit Migrationshintergrund. Die Gruppe ist eine große Gemeinschaft. Von Stephan Singer

Sie sind im besten Sinne des Wortes ein bunter Haufen, ihre Abstammung aus Familien mit Migrationshintergrund eint sie: Seit etwa eineinhalb Jahren treffen sich donnerstags um 18 Uhr etwa 35 Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahre in der Dörpfeldhalle. Gemeinsam spielen sie Handball, Fußball und andere Sportarten. Übungsleiter ist Carsten Kuhlwilm vom TuS Wermelskirchen.

Er erinnert sich an die Anfänge der Gruppe in den nachmittäglichen Arbeitsgemeinschaften der Offenen Ganztagsschule: "Eine Handvoll Jungen kamen regelmäßig, um Tischtennis zu spielen - sie kamen unaufdringlich und bescheiden immer wieder. Wir haben uns unterhalten - so entstand die Idee zu unserer heutigen Gruppe."

Der TuS macht den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund mit dieser Gruppe ein niederschwelliges Angebot, bietet eine Heimat für sportliche Freizeitbeschäftigung und vermittelt gleichzeitig - wie zufällig - das korrekte Sozialverhalten in einer Gruppe. "Wir leisten hier einen praktischen Beitrag zur Integration. Hier verschmelzen viele Nationen zu einer Gemeinschaft", sagt TuS-Vorsitzende Norbert Galonska.

Die sportbegeisterten Kids stammen aus dem Iran, Marokko, Russland, Polen, Italien, Guinea, Syrien oder der Türkei. "Diese Kinder sind nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs und in der Schule oft sehr auffällig. Hier in der Sportgruppe läuft es hingegen völlig problemlos, die Kinder reglementieren sich behutsam gegenseitig, die international bekannten Regeln der Sportarten bilden dafür die Basis", sagt Übungsleiter Kuhlwilm. Er weiß um die nicht immer einfachen Lebensumstände der Jugendlichen. "Sport ist die erste Adresse für Integration, die eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Die Kinder sollen sich in unserer Gesellschaft willkommen fühlen, über diese Gruppe bieten wir ihnen Orientierung für unsere Gesellschaft", betont Norbert Galonska.

Aissa Bouzraa kommt fast immer mit seinen Söhnen Amin (13 Jahre) und Ali (12) zum Training in die Dörpfeldhalle: "Hier ist es für die Kinder besser, als auf der Straße herumzulungern!" Bouzraa, dessen Söhne sogar Fußball in Kreisauswahl-Mannschaften spielen, ist voll des Lobes für Übungsleiter Kuhlwilm, der manche Kinder sogar von zu Hause abholt und nach dem Sport wieder dorthin zurückfährt: "Die Kinder und Jugendlichen lieben diesen Mann."

Dass die auf den ersten Blick heterogene Gruppe längst eine homogene Einheit geworden ist, bestätigen auch Angelo (15) und Alession (15) aus Italien sowie der 13-jährige Sahin mit türkischen Wurzeln: "Wir haben hier eine gute Atmosphäre mit gegenseitigem Respekt und Teamgeist", sagen die Jugendlichen und fügen an. "So unternehmen wir etwas gemeinsam mit Freunden und zeigen, dass mehrere Nationen untereinander klarkommen."

Sie wollen, dass sich die Leute kennenlernen und Spaß miteinander haben. "Es spielt hier überhaupt keine Rolle, wo einer herkommt - Mensch ist Mensch!" Das freut Carsten Kuhlwilm: "Die Kinder haben eine hohe Bindung untereinander gefunden."

Quelle: RP
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