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Wermelskirchen/Köln
Jägerin erschoss im Wahn zwei Menschen

Wermelskirchen/Köln: Jägerin erschoss im Wahn zwei Menschen
FOTO: S. Fuhrmann
Wermelskirchen/Köln. Gutachter kommen zu dem Schluss: Die angeklagte Frau leidet unter paranoider Schizophrenie. Ohne medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung könne sich das wiederholen, hieß es gestern im Landgericht in Köln. Von Bernd Geisler

Die Sachlage war klar - die angeklagte 46-jährige Frau hatte ihren Vermieter und seine Lebenspartnerin im April in Pohlhausen mit ihrem Jagdgewehr erschossen. Sie hatte sich kurz nach der Tat widerstandslos festnehmen lassen und alles zugegeben. Aber warum hat sie ihre Vermieter getötet? Und wie genau hat sich alles abgespielt?

Nicht nur das soll in der Hauptverhandlung das Landgericht Köln klären. Es geht vor allen Dingen darum, ob die Frau im Zustand einer psychischen Krankheit schuldunfähig ist. Und ob sie dadurch für die Allgemeinheit gefährlich ist und in Folge in einer forensischen psychiatrischen Klinik sicher untergebracht und behandelt werden muss.

Gestern wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen. Danach schlug die Stunde der Gutachter. Zur Einführung zeigte das Gericht der Öffentlichkeit ein Video, das die Lebenspartnerin des Vermieters mit ihrem Handy vom Balkon aus aufgenommen hatte.

Wermelskirchen: Jägerin (45) erschießt Paar in Wohnung FOTO: teleact Arbabha

Die Aufzeichnung zeigte, wie der Vermieter gegen den Willen der Beschuldigten seinen berechtigten Anspruch durchsetzte, Bäumchen und Sträucher auf seinem Grundstück zu kürzen. Das Problem: Die Beschuldigte hatte das Grundstück von ihm gemietet. "Nach meiner Ansicht war das unerlaubte Betreten des Grundstücks Hausfriedensbruch", sagte am Rande der Verteidiger der Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. Karl-Christoph Bode.

Das schien auch die Beschuldigte zu glauben. Sie ging wie eine Furie auf die Männer los und versuchte sogar, ihnen die laufende Motorsäge aus den Händen zu reißen. Das war gefährlich, zumal die Männer keine Schutzkleidung trugen. Der Vermieter stellte sich gegen die Frau. Sie ließ nicht nach und irgendwann schien ihm der Kragen geplatzt zu sein. Er schnappte sich die Beschuldigte, schleuderte sie heftig zu Boden, zerrte die auf allen vieren kriechende und kreischend um Hilfe schreiende Frau aus einem Gebüsch und fixierte sie anschließend mit seinen Händen. Kein schöner Anblick. Und ein Hinweis für Beobachter, dass zwischen den Parteien seit Langem ein angespanntes Verhältnis geherrscht hatte.

Gründe für das Verhalten der Beschuldigten lieferten übereinstimmend die vorgetragenen psychologischen und psychiatrischen Gutachten. Beide diagnostizierten bei der Beschuldigten eine paranoide Schizophrenie - die Neigung, neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindselig auf sich bezogen zu interpretieren, verbunden mit Wahnvorstellungen und Persönlichkeitsstörungen. Die Grundlagen dafür wurden bereits in früher Kindheit durch traumatische Erfahrungen gelegt. Sie führten zu einem Verlust des Selbstwertgefühls. Kommen wie bei der Beschuldigten eine "hoch sensible und sensitive Persönlichkeit" dazu, können sich Verhaltensweisen zu Verhaltenslinien prägen. Irgendwann bezieht eine solche Person alles, was vorhanden ist, auf sich.

So beschrieb die Beschuldigte in ihrem Tagebuch ihre gemietete Wohnung in Pohlhausen als "mein Refugium, mein Schrein, meine Zuflucht". Kein Wunder also, dass sie in ihrer Vorstellung "ihren Garten" mit allen Mitteln verteidigen wollte. Als sie schließlich per Gerichtsbeschluss durchgesetzt hatte, dass ihr Vermieter seinen eigenen Balkon nicht mehr betreten durfte, er aber am Tattag dort nach ihren Worten "grinsend erschien und mir die Zunge herausstreckte", bekam sie "Panik und Angst".

In ihrem Wahn "rettete" sie ihre Existenz durch den Tod des Vermieters und seiner Lebenspartnerin. Sie schnappte sich ihr Gewehr, lud es, erschoss den Vermieter, der nichtsahnend noch auf dem Balkon stand, schulterte die Waffe, kletterte über die Balkonbrüstung, erschoss die Lebenspartnerin von hinten. Ohne medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung könne sich das wiederholen, warnte das Gutachten. Am Montag soll das Verfahren sein Ende finden.

Quelle: RP
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