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Reaktionen aus Wermelskirchen
Jamaika-Aus verdirbt FDP-Mann Manderla den guten Wochenstart

Reaktionen aus Wermelskirchen: Jamaika-Aus verdirbt FDP-Mann Manderla den guten Wochenstart
Jürgen Manderla von der FDP (Archiv). FOTO: Dörner Hans
Wermelskirchen. Große Koalition oder Neuwahlen im kommenden Frühjahr? Das Jamaika-Aus in Berlin beschäftigte am Montagmorgen auch die örtlichen Vertreter der in Berlin beteiligten Parteien. Von Udo Teifel

"Ich bin für Neuwahlen", erklärte denn auch Stefan Janosi (Grüne): "Alles andere ist zu unsicher." Wobei auch ihm klar ist, dass es wieder zu einem Patt kommen könnte. Und: "Es kann passieren, dass Neuwahlen die AfD noch stärken machen."

Er sei von Anfang an skeptisch gewesen, dass die Sondierungen funktionierten. Und jetzt verärgert, wie sich Christian Lindner (FDP) verhalten habe: "So eine Entscheidung spielt der AfD in die Karten", sagte Janosi. Und: "Lindner hat's doch drauf angelegt, die Gespräche platzen zu lassen."

Für ihn sei es kein guter Morgen gewesen, meinte Jürgen Manderla (FDP). Aber letztlich sei es um die Praktikabilität gegangen: "Wir Liberalen haben uns an der Sachlage orientiert. Wir sind keine grünen Visionäre und keine Muttis. Wenn man zwischen diesen Positionen zerrieben wird, passiert eben so etwas wie Sonntagnacht." Alle prügelten jetzt auf Lindner ein. Doch beim zweiten Blick gebe es doch Verständnis, entdeckte er bei der CSU: "Der Generalsekretär hat so etwas durchblicken lassen. Wenn nach vier Wochen Verhandlungen die Deadline immer wieder verschoben wird, dann muss Schluss sein."

Er habe Verständnis für Lindner, obwohl ihm dabei nicht ganz wohl sei. Er gehe von Neuwahlen aus, denn die SPD habe sich für eine Große Koalition aus der Verantwortung gezogen. Hat die FDP Angst vor einer dann stärker werdenden AfD? "Wir nicht, eher die großen bürgerlichen Parteien wie CDU und SPD", so Manderlas Einschätzung. Entscheidend sei, wer jetzt den Schwarzen Peter zugewiesen bekommen: Der werde bei Neuwahlen verlieren.

"Ich hätte wirklich der Jamaika-Koalition eine ehrliche Chance gewünscht. Das wäre politisch und gesellschaftlich das interessanteste Modell geworden": So äußerte sich Jochen Bilstein (SPD) zum Scheitern. Für eine Große Koalition sieht er keine Notwendigkeit: "Wir haben keinen Staatsnotstand." Er halte die SPD-Entscheidung, nicht mit regieren zu wollen, für richtig: Die Wähler wollten das nicht, und an ihrer Bewertung der politischen Situation der Sozialdemokratie habe sich nichts geändert, so aktuelle Umfragen, sagte Bilstein. Neuwahlen sieht er aber auch skeptisch. Und die AfD? Sie könnte stärker werden, aber man müsse sich mit ihr auseinandersetzen. "Wir dürfen unsere gesamte Politik nicht an und nach der AfD ausrichten", mahnte er.

Bedauert hat das Abbrechen der Sondierungsgespräche Randolph Schmidt (CDU). Er appellierte gestern an alle Parteien in Berlin, sich der Wahlergebnisse zu erinnern und dafür Verantwortung zu übernehmen. "Bevor es zu Neuwahlen kommt, sollten alle Optionen ausgelotet werden", sagte er gestern.

Dass die AfD aus einer möglichen Neuwahl noch stärker hervorgehen könnte, könnte passieren. Neuwahlen hätten aber auch den Vorteil, sagte er, dass es eine harte Auseinandersetzung mit den Inhalten geben müsse. Auch bei den Kanzlerkandidaten. "Aber bis dahin müssten in Berlin alle Optionen geprüft werden. Da werden in den nächsten Tagen sicher die Köpfe rauchen", hoffte er.

Quelle: RP
 
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