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Wermelskirchen
Julius - ein ganz besonderer Dellmann

Wermelskirchen: Julius - ein ganz besonderer Dellmann
Das Familienglück ist perfekt: Jasmin Wocke (32) mit dem kleinen Julius, Ehemann Matthias Wocke und Sohn Jasper (2). FOTO: J. Moll
Wermelskirchen. Julius Wocke ist das letzte Baby, das im Krankenhaus Wermelskirchen das Licht der Welt erblickte. Seine Eltern sind nach der Geburt stolz und traurig zugleich - die plötzliche Schließung der Geburtshilfe können sie nicht nachvollziehen. Von Stephan Singer

Mit seinem Gewicht von gut 3500 Gramm und einer Körperlänge von 54 Zentimetern liegt der kleine Julius Wocke in seinem Kinderbettchen und schläft den sanften, friedlichen Schlaf der Gerechten. Das Aufhebens um ihn kann das Baby nicht nachvollziehen, denn er ahnt natürlich nicht, was ihn so besonders macht: Julius Wocke ist das letzte Baby, das im Kreißsaal des Wermelskirchener Krankenhauses das Licht der Welt erblickte.

Für Mama und Papa, Jasmin und Matthias Wocke, war es eine leicht verspätete Punktlandung. "Eigentlich war der ausgerechnete Geburtstermin am Ostersonntag", erzählt Jasmin Wocke. Ihr Sohn Julius kam schließlich am vergangenen Donnerstag, 31. März, um 8.13 Uhr bei einer natürlichen Geburt ohne Komplikationen auf die Welt. Er schaffte es damit gerade noch, im Wermelskirchener Krankenhaus geboren zu werden, denn seit gestern ist die Geburtshilfe geschlossen.

"Ich wollte auf jeden Fall im Krankenhaus Wermelskirchen entbinden. Wir sind froh, dass das noch gepasst hat. Unser ältester Sohn Jasper wurde auch hier geboren. Wir kommen aus Wermelskirchen, wir wohnen hier - für uns stand es gar nicht zur Debatte, woanders hinzugehen", sagt die glückliche Mutter, die als Erzieherin in einem Kindergarten arbeitet. Der zwei Jahre alte Jasper durfte seinen kleinen Bruder Julius bereits stolz auf den Arm nehmen.

Vater Matthias Wocke ist ebenso stolz und froh: "Wir haben Glück gehabt. Wir fühlen uns hier auf der Geburtenstation im Wermelskirchener Krankenhaus sehr gut aufgehoben!" Der 33-jährige Anlagenmechaniker gibt zu, dass am Ende der Schwangerschaft durch die Mitteilung des Krankenhauses, die Geburtenstation zum 31. März zu schließen, schon ein massiver Druck entstanden sei: "Man stellt sich schließlich im Vorfeld darauf ein. Es war alles mit unserer Hebamme Grit Adler vorbereitet. Und dann stand auf einmal alles auf der Kippe, wir mussten zittern", erzählt Wocke und fügt an: "Wir haben ja erst 14 Tage vor der Entbindung davon erfahren. So kurzfristig bestand ja kaum eine Möglichkeit, sich woanders hin zu orientieren. Unsere Alternative wäre notgedrungen das Sana-Klinikum in Remscheid gewesen."

Für die 32-jährige Jasmin Wocke und ihren Ehemann ist ganz klar, dass die Schließung der Geburtenstation für das Krankenhaus an der Königstraße und die Stadt insgesamt einen beträchtlichen Image-Verlust darstellt. "Letztlich können wir jetzt nichts mehr empfehlen, wir hätten allen werdenden Eltern immer das Wermelskirchener Krankenhaus für die Geburt empfohlen", sagt die stolze Mutter. Und ihr Mann ergänzt: "Wir sehen die ganze Lage mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Für uns ist die Geburt natürlich ein freudiges Ereignis, bei dem alles funktioniert hat. Andererseits macht uns die Situation hier auf der Station natürlich extrem traurig und betroffen." Für Jasmin Wocke war es ein emotionaler Moment, als sie an der geschlossenen Tür zum Kreißsaal vorbeilief. "Da ist mir ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen."

Die zweifache Mutter kann die offizielle Begründung des Krankenhauses für die Schließung der Geburtenstation nicht nachvollziehen. Sie vermutet andere Ursachen als die geringe Geburtenzahl, die in einer Kleinstadt nie sonderlich hoch gewesen sei: "Warum ging auf einmal alles so plötzlich und so schnell? Das ist für mich nicht wirklich verständlich."

Quelle: RP
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