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Wermelskirchen
Junge Kräfte am Beckenrand gesucht

Wermelskirchen: Junge Kräfte am Beckenrand gesucht
FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Achim Hagenbücher (54) arbeitet seit 1979 im Quellenbad. Dass der Nachwuchs in seinem Job fehlt, bereitet ihm Sorge. Von Jessica Balleer

Auf die Frage nach seinem Beruf findet Achim Hagenbücher mehr als eine Antwort. Der 54-Jährige ist Schwimmmeister im Quellenbad. Damit ist er aber auch Chemiker, Techniker, Pädagoge oder Ersthelfer: All das sollte ein guter Schwimmmeister heute können. Oder genauer gesagt jemand, der "Fachangestellter für Bäderbetriebe" werden will. "Wir machen mehr, als am Beckenrand zu stehen, schönen Frauen hinterherzuschauen und in der Sonne zu braten", sagt Hagenbücher. Der seinen Job liebt, aber mit Bauchschmerzen in die Zukunft seines Berufs blickt.

In deutschen Bädern droht der Fachkräftemangel. Rund 26.000 Menschen arbeiten derzeit in Deutschland als Schwimmmeister. "Auf die insgesamt 6500 Badeanstalten kommen jetzt bereits 400 offene Stellen", teilt der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS) auf Anfrage der BM-Redaktion mit.

Achim Hagenbücher hat den Wandel miterlebt. 1979 hat er bei der Stadt angefangen. Seither wurden die Aufgaben mit jedem Jahr komplexer, moderner, technologischer. Zuletzt ersetzten Automaten das Kassenpersonal. Warum es an Nachwuchs mangelt, dafür sieht Hagenbücher mehrere Gründe: Das niedrige Einstiegsgehalt nennt er als ersten. In den kommunalen Bädern wird nach Tarif gezahlt. "Das sind vielleicht 1100 brutto", sagt der Schwimmmeister. Zum Leben zu wenig, befindet er. Vor allem vor dem Hintergrund des stressigen Alltags. "Man muss sich mit Früh-, Spät-, Wochenend- und Feiertagsdiensten abfinden." Der 54-Jährige leitet im Quellenbad ein achtköpfiges Team. Dort arbeiten vier Vollzeit- und vier Teilzeitkräfte. Einen "gesunden Stamm", nennt Hagenbücher das vor dem Hintergrund des wachsenden Nachwuchsproblems in seinem Beruf. Kurz vor der Sommersaison, sind auch die Freibäder betroffen.

In Dabringhausen drohte die Freibadsaison auszufallen, als Rolf Bäumchen (76) mitteilte, dass er aufhören werde. "Der Dienst ist knochenhart", sagt Michael Unbehaun vom Freibad Förderverein Dabringhausen. Der Förderverein aber hat sich externe Hilfe geholt. Das Unternehmen "Schwimmbadpersonal Funke" aus Moers vermittelte, so konnte man noch rechtzeitig einen Nachfolger finden. Der Neue hat sich bereits vorgestellt. 43 Jahre ist er alt. Offiziell werde der neue Schwimmmeister dann vorgestellt, wenn der Vertrag "in trockenen Tüchern" ist, so Unbehaun.

Das Personal im Quellenbad hat einen ähnlichen Altersdurchschnitt, zwischen 40 und 60. "Ich komme gerne zur Arbeit", sagt Schwimmmeister Hagenbücher. Die Arbeitsmoral stimmt also. Um die Wirtschaftlichkeit des Bads steht es weniger gut. "Der Zuschussbedarf beträgt rund 680.000 Euro pro Jahr. Das ist dauerhaft nicht tragbar", teilt Jürgen Scholz, Pressesprecher der Stadt Wermelskirchen mit.

Personell sieht die Zukunft etwas besser aus. In drei Jahren wird zwar die erste Kollegin aus dem Schwimmmeister-Team aufhören. Und Hagenbücher wird in neun Jahren gehen. "Eine junge Kollegin haben wir aber in der Hinterhand", sagt der 54-Jährige. Er meint damit Nadine Popko. Die ehemalige Leistungsschwimmerin hat "das Hobby zum Beruf gemacht", sagt sie. So komplex die Ausbildung auch war, sei sie froh über diesen Berufsweg. Diese Einstellung dürfte Achim Hagenbücher mit genauso viel Wohlwollen registrieren, wie die Tatsache, dass Popko erst 25 Jahre alt ist.

Quelle: RP
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