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Wermelskirchen
Kabarettist Zingsheim mit tollen Alltagstipps

Wermelskirchen. Genau hingeschaut, ist es schon eine kranke Welt und eine seltsame Gesellschaft. Martin Zingsheim hatte genau hingeschaut und füllte einen Abend mit vielen Beispielen und vielen Tipps. "Aber bitte mit ohne" heißt sein aktuelles Programm, und was auf den ersten Blick als Widerspruch erscheint, entpuppt sich als wahr. "Verzicht ist der neue Luxus", sagte Zingsheim und empfahl Fleisch, Laktose, Religion und Überzeugungen wegzulassen - also fast alles. Von Walter Schubert

Den Arbeitstitel "Jägermeister ist kein Ausbildungsberuf" hatte er verworfen. Weggelassen hat er auch die Überschrift "Wie homosexuelle Flüchtlinge in Bielefeld die Sonnenfinsternis fälschten". Ein zu schwieriges Thema und damit gestrichen. "Viele vom Ihnen sind ja schon auf dem richtigen Weg", erkannte der Kölner Kabarettist. "Sie verzichten, seit vielen Jahren machen Sie weniger Sport. Klappt doch gut, oder?"

Die Forderung, mehr Salat zu essen, sorgt oft für schlechte Stimmung; "dann fangen Sie doch mit Fleischsalat an". Verzicht ist eben kompliziert und muss geübt werden. "Die meisten Fragen im Internet drehen sich um Fußball und das Dschungelcamp. Da sollte man ernsthaft über einen Netzabbau und nicht über einen Ausbau nachdenken", sagte Zingsheim.

Die Erfahrungen mit seinen vier Kindern ziehen sich durch sein Programm. "Kinder führen zur Reduktion aufs Wesentliche, auch finanziell", lautete seine Erkenntnis, und die Begeisterung der Umgebung bei vier Kindern lässt spürbar nach. Sein Einkauf von Kondomen wird im Markt kommentiert: "Besser spät als nie." Reduziert werden kann auch das Duschen. "Wir sind doch überhygenisiert", sagte Zingsheim. "Im Mittelalter haben die Frauen wöchentlich gebadet und die Männer zu Johanni. (Johannistag) Das ging auch." Überall kann gespart oder auf das Wesentliche reduziert werden. Zingsheim machte einen Bogen durch alle Bereiche. "Auf eine Jamaika-Koalition hätte ich mich gefreut, auch beruflich", und die neue große Koalition ist für ihn "Angst in zwei Farben".

Herrliche Wortspiele, kleine Geschichten und Gedichte, ein toller Rap, eine Prise schwarzer Humor, nicht zu kompliziert, nicht zu politisch und schon gar nicht platt. "Wir leiden alle am Informationsinfarkt. Ich höre gerne etwas Neues, aber ohne Nachrichten." Zingsheim hat mal Philosophie studiert, und das hat nicht geschadet. "Mein Kind wird in der Klasse gemobbt und ich habe Angst, dass es ein Induktionskind wird." Auf so eine schöne Geschichte muss man erst einmal kommen. Tolles Programm und ein schöner Abend.

Quelle: RP
 
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