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Wermelskirchen
Kabarettisten nehmen das Leben unter die Lupe

Wermelskirchen. Sie wechseln die Gitarren noch häufiger als ihre Rollen, die Jacken und Perücken: Volker Schmidt-Bäumler und Jakob Friedrichs touren seit 30 Jahren als die "Superzwei" durch Deutschland. Samstagabend machten sie Station bei der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Dabringhausen. Im Gepäck haben sie jene Mischung aus Comedy und Musik, die das Publikum gerne mit Applaus belohnt - und unzählige Gitarren. "Das ist eine Mischung aus Gitarre und Ukulele", stellt Schmidt-Bäumler sein Instrument vor, "eine so genannte Ökumene". Dem Publikum gefällt es. Das gemütliche Witzeln über kirchliche Themen ebenso wie der humoristische Blick auf das Leben selbst. In ihren eigens komponierten Stücken singen die "Superzwei" über die Pubertät und Herzschmerz, über Möglichkeiten und verpasste Chancen, über Gott und die Welt.

Aus "Vaterunser" sei bei den Jugendlichen "Ey, deine Mutter" geworden, stellt Schmidt-Bäumler im goldenen Glitzerjackett fest. Vielen Kindern würde heute einfach die religiöse Grundausbildung fehlen. Respekt vor Mathematik bekämen sie erst dann, wenn sie in der katholischen Jungenschule den Typen sehen würden, der "an das Pluszeichen genagelt" worden sei. Und in der Pubertät würden dann auch noch die Eltern komisch. Die beiden müssen es wissen: der eine Gemeindepädagoge, der andere Lehrer, beide Väter. Während der Applaus im Publikum noch nachklingt, schlüpfen die Gäste aus Hessen bereits in das nächste Kostüm und kommen mit roter Perücke und grünem Jackett zurück: Veruntreute Kollekten und der Burnout im kirchlichen Ehrenamt stehen danach auf dem Programm. Ihr Motto: "Wenn Dinge schief laufen, am besten darüber lachen. Und nicht aufhören über die unerklärlichen Dinge zu staunen."

Zwischen glitzernder Show, rockigen Stücken und Tanzeinlagen schimmert ein musikalisches Glaubensbekenntnis durch: "Du bist die unsichtbare Sehenswürdigkeit, die sprichwörtliche Unaussprechlichkeit." Und zuweilen schleichen sich leisere Töne in die Show ein, wohl dosiert und angekündigt. Dann ist die Mundharmonika im Einsatz, und die Gitarren werden leiser.

Aber schon mit dem nächsten Auftritt kehren die Musiker zurück zum Rockigen, ermöglichen ihren Gitarren den großen Auftritt und lassen das Publikum mitsingen - zuweilen im hessischen Dialekt.

(resa)
 
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