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Wermelskirchen
Käse für 2,98 Euro gestohlen - 1000 Euro Geldstrafe

Wermelskirchen: Käse für 2,98 Euro gestohlen - 1000 Euro Geldstrafe
Eine Kundin in einem Supermarkt (Symbolfoto). FOTO: dpa, obe cpi
Wermelskirchen. Die Frau betrat unter Tränen den Saal des Amtsgerichtes am Brückenweg. "Atmen Sie erst einmal tief durch", sagte der Staatsanwalt, bevor er die Anklage verlas. Sein wohlgemeinter Rat nützte nichts. Die Tränen der Frau flossen noch heftiger, als sie hörte: "Diebstahl geringwertiger Sachen." Hinter diesem Vorwurf verbarg sich ein Ladendiebstahl. Die Seniorin hatte in einem Lebensmittelgeschäft Käse im Wert von 2,98 Euro gestohlen. Andere Waren hatte sie bezahlt. Von Bernd Geisler

"Warum haben Sie das getan?", fragte der Richter. "Ja, ich habe es getan", gab die Angeklagte zu. "Ich begrüße das nicht. Ich weiß nicht, warum ich das getan habe, ich will das gar nicht tun."

Sie sei "ganz normal" in den Laden gegangen. Ohne Vorsatz und ohne Absicht. Sie habe den Käse noch nicht einmal gebraucht. "Aus Nervenkitzel?", wollte der Staatsanwalt wissen. Die Angeklagte schüttelte den Kopf. "Ich bin psychisch krank", sagte sie. Aber der Diebstahl habe direkt damit nichts zu tun. Sie leide unter schweren Depressionen, nehme starke Medikamente.

Die Frau war bereits im Jahr 2015 wegen des gleichen Delikts verurteilt worden. Das beurteilte der Staatsanwalt als strafverschärfend. Strafmildernd sah er die Geständigkeit der Angeklagten an. Er forderte eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu je 20 Euro, also insgesamt 1000 Euro. Der Richter folgte in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. "Sie sind zum zweiten Mal wegen Diebstahls aufgefallen", sagte er ermahnend zur Angeklagten. Falls sie die Geldstrafe nicht bezahlen könne, könne sie sie auch in einer gemeinnützigen Einrichtung abarbeiten.

"Es tut mir alles leid", sagte die Frau zum Schluss, ehe sie den Gerichtssaal verließ - unter Tränen.

Quelle: RP