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Wermelskirchen
Kampf gegen Rückstände im Wasser

Wermelskirchen: Kampf gegen Rückstände im Wasser
FOTO: Thinkstock
Wermelskirchen. Moderne Kläranlagen entfernen über 90 Prozent an schädlichen Substanzen aus dem Wasser. Künstliche Spurenstoffe sind aber nicht nur beim Wupperverband ein noch ungelöstes Problem. Von Anna Mazzalupi

Dem Eifgenbach geht es richtig gut. Obwohl dort schon seit über 57 Jahren das Wasser der Kläranlage Wermelskirchen eingeleitet wird. "Das ist von den Organismen her eins der besten Gewässer im Bergischen", sagt Catrin Bornemann vom Wupperverband. Die Klärtechnik habe sich in den letzten Jahrzehnten enorm entwickelt. Mithilfe von im Abwasser lebenden Bakterien, die gewisse Stoffe als Nahrungsgrundmittel verzehren, findet in den elf Kläranlagen des Verbandes eine biologische Reinigung statt. Stoffe, die die Organismen schädigen, werden zu über 90 Prozent reduziert.

Dennoch gibt es einige Substanzen, die trotz mechanischer (Rechen und Sandfang) sowie biologischer Reinigung wieder in Bäche oder Flüsse gelangen und dem Ökosystem schaden könnten. Dazu zählen künstliche Spurenstoffe, also Chemikalien, wie man sie in Reinigungsmittel, Spülmaschinentabs oder Pflanzenschutzmittel findet. Auch Mikroplastik in Kosmetikartikel ist ein Problem. Diese Dinge gehören seit Jahren zum normalen Alltag. Ihre Rückstände sind aber erst durch modernste Analytikmethoden in Abwasser und Gewässern entdeckt worden. Dabei handele es sich oft um Kleinstmengen im Millionstel Gramm (Mikrogramm) oder sogar Milliardstel Gramm (Nanogramm). Die genaue Auswirkung auf die Organismen sei aber noch nicht vollständig erforscht, noch seien viele Fragen offen.

Bornemann betreut beim Wupperverband als Koordinatorin die Technischen Innovationen im Bereich der Wasserwirtschaftlichen Grundlagen, zu denen auch die Abwasserbehandlung gehört. Um die Spurenstoffe zu eliminieren, testete der Wupperverband an der Kläranlage Buchhofen die Funktionalität eines Reinigungsverfahrens mit Aktivkohle. Das sei ein enormer Energieaufwand und koste zudem viel Geld. Ob sich das Verfahren durchsetze, sei letztlich auch eine politische Entscheidung auf Bundesebene, merkt die Diplom-Biologin an.

Wichtig sei es vor allem, Verbraucher, aber auch Ärzte, Apotheker und Hersteller von Produkten für das Thema und die Folgen zu sensibilisieren, betont die Expertin. Denn auch Rückstände von Medikament landen als Spurenstoffe im Abwasser. Reste von Salben etwa werden durch das Duschen reingespült. Bis zu 70 Prozent der Arzneien gelangen durch den Urin in den Reinigungskreislauf. Problematisch ist hierbei vor allem das Röntgenkontrastmittel. Erste Test mit Urinbeuteln, die nach der Behandlung im Anschluss im Müll entsorgt werden können, gebe es bereits.

Viele Medikamente landen durch die falsche Entsorgung in den Kreislauf. Abgelaufene Pillen oder Säfte werden die Toilette runtergespült oder in den Küchenabfluss geschüttet, statt sie im Hausmüll zu entsorgen oder bei Apotheken abzugeben, damit sie verbrannt werden. Die Konzentrationsmenge von Medikamentenrückständen seien zwar gering, die Auswirkungen aber nicht komplett klar. Es bestehe auf dem Feld noch ein hoher Forschungsbedarf, betont die Expertin.

Quelle: RP
 
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