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Wermelskirchen
Katholiken erinnern an die Kirchweihe

Wermelskirchen. Mit einem Rückblick auf die Entwicklung der Gemeinde und ihrer Gebäude feierten die Katholiken in St. Michael am Samstagabend zum 50-Jährigen eine besondere Messe. Zu Gast war Domkapitular Josef Sauerborn aus Köln. Von Theresa Demski

Als Michael Knab damals als junger Pfarrer nach Wermelskirchen kam und zum ersten Mal die Kirche St. Michael betrat, da wirkte der Raum auf ihn. "Ich wusste, das ist ein Raum, in dem ich gerne beten würde", sagt Knab. Denn er empfinde das Gotteshaus bis heute als warm und bergend. Und trotz der Größe der Kirche sei man am Altar nah an den Menschen. Diese Erfahrung machte am Samstagabend auch Domkapitular Josef Sauerborn aus Köln. Er war zum 50. Jahrestag der Kirchweihe nach Wermelskirchen gekommen und hielt während der Messe die Predigt. "Wir wollten den Tag nicht einfach vorbeiziehen lassen", erklärte Knab, "stattdessen wollen wir unserer Dankbarkeit Ausdruck verleihen, wie sich alles entwickelt hat."

Und dabei dachte der Pfarrer längst nicht nur an die neue Kirche, die Architekt Hans Schilling Anfang der 60er Jahre erdacht und gebaut hatte, sondern auch an die Geschichte, die dahinter steckt. "Die katholische Gemeinde ist in Wermelskirchen nie völlig ausgestorbene", erinnerte er. Zwar wurden nach der Reformation eine Zeit lang nur noch evangelische Gottesdienste in der Stadt gefeiert, aber schon um 1700 entstand in der heutigen Carl-Leverkus-Straße eine neue kleine Holzkirche für die katholische Gemeinde - sie wurde dem Heiligen Sankt Michael geweiht. 138 Jahre später zählte die Gemeinde wieder mehr als 1000 Gemeindeglieder, das Gotteshaus war zu klein geworden und die Katholiken bauten eine neue Kirche im neugotischen Stil mit einem weißen Kirchturm, der über den Dächern der Stadt thronte.

Er steht bis heute an Ort und Stelle. Denn während das Kirchenschiff 1962 abgerissen wurde, blieb der Turm stehen. "Aber die Kirche war mal wieder zu klein geworden", erinnerte Knab. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Menschen aus den Ostgebieten nach Wermelskirchen gekommen, später bereicherten zusätzlich italienische und spanische Gastarbeiter die Stadt. "Die Gemeinde wuchs und wuchs", sagt Knab. Und deswegen sei damals das neue Kirchenschiff entstanden - und vor genau 50 Jahren geweiht worden. Dafür hatten sich die Wermelskirchener einen in Kirchenkreisen berühmten Architekten ins Haus geholt. Hans Schilling hatte bereits Gotteshäuser in Münster, Meinerzhagen und Köln entworfen. Anfang der 60er Jahre machte er sich dann an einen Plan für einen modernen Kirchenbau in Wermelskirchen, der einem Schiff ähneln sollte.

Bis zu 340 Menschen finden in St. Michael heute einen Platz. Es gibt keine Säulen, die der Gemeinde die Sicht zum Altar nehmen könnten. Mit der Zeit wurden Portal, Altarraum, Heizung und Elektronik erneuert. Kunstwerke bereichern den Raum - wie das Altarkreuz, das die Evangelische Kirchengemeinde vor 50 Jahren zur Einweihung schenkte. Knab:"Lebendig allerdings wird das Gebäude erst mit den Menschen, die Gottesdienst feiern." Und die werden weniger. Inzwischen sei der Kirchenraum oft zu groß, Plätze blieben frei. Die Zeiten haben sich geändert, die Zahlen sind rückläufig. Ihre Kirche und ihren alten Kirchturm möchte die Gemeinde aber nicht missen - das beteuerte sie am Samstagabend auch während des Empfangs im Gemeindehaus.

Quelle: RP
 
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