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Wermelskirchen
Kein Hitzefrei, aber Ruhestand

Wermelskirchen: Kein Hitzefrei, aber Ruhestand
Spendierten zu ihrem Abschied in den Ruhestand allen Schülern, Lehrern und Aktiven der Hauptschule in Wermelskirchen ein Eis (v.l.): Johannes de Giorgi, Ursula Kroker, Gebhard Lehr und Marie-Louise Lichtenberg. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Ein Lehrer-Quartett aus Urgesteinen der Schullandschaft geht in Pension. Für alle war die Arbeit nie eine Last. Von Stephan Singer

Jeder Einzelne dieses Quartetts hat in Wermelskirchen so viele Schülergenerationen erlebt, dass man alle vier Lehrer getrost als Urgesteine der hiesigen Schullandschaft bezeichnen kann. Gestern überraschten Marie-Louise Lichtenberg, Ursula Kroker, Johannes de Giorgi sowie Gebhard Lehr "ihre" Schüler der Städtischen Hauptschule nach dem Unterricht mit einem Eis. Dass die hochsommerlichen Temperaturen bei strahlender Mittagssonne auf dem Schulhof das passende Wetter zu dem imposanten Bild von rund 200 eisschleckenden Menschen lieferte, war ein Glücksgriff pünktlich kurz vor Ende des laufenden Schuljahres obendrein.

Marie-Louise Lichtenberg hatte die Idee zu der ungewöhnlichen Aktion, mit der sich alle vier Lehrer in den Ruhestand verabschieden. "Die Kollegin Lichtenberg hat einen heißen Draht nach oben - heiß in doppeltem Sinne", sagte Johannes de Giorgi lachend mit Blick in den strahlend blauen Himmel. Allerdings: So heiß, dass ein verfrühter Schulschluss durch Hitzefrei die Aktion hätte gefährden können, war es dann doch nicht. "Es ist auch im Vorfeld schon bei den Schülern durchgesickert, dass es eine Überraschung geben wird", kommentierte Gebhard Lehr, der im September als Leiter der Hauptschule in Pension geht: "Heute werden alle Schüler um 13.30 Uhr nach Hause entlassen. Damit ist der reguläre Schulschluss sowieso bereits um eine halbe Stunde vorgezogen."

Der 64-jährige Gebhard Lehr blickt auf elfeinhalb Jahre als Schulleiter der Städtischen Hauptschule zurück. Zuvor war er 13 Jahre Schulleiter in Remscheid und unterrichtete an zwei Schulen in der Nachbarstadt. Den Lehrerberuf übt er seit 1977 aus: "Die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen in Wermelskirchen und Remscheid wird mir im Gedächtnis bleiben. Das gilt in Summe ebenso für das Miteinander mit den Schülern. Es hat Einzelfälle gegeben, die aber nie für die Mehrheit gestanden haben", berichtet Gebhard Lehr. Für ihn sei die Arbeit nie eine Last gewesen, wenn er sich auch auf den Ruhestand freue, um mehr Zeit für seine zwei Enkelkinder und sein Hobby - dem Bratsche-Spielen - zu haben: "Ich bin als gewisser Morgenmuffel bekannt und freue mich, im Ruhestand morgens weniger unter Zeitdruck zu stehen." Gebhard Lehr brachte nicht zuletzt den Sekundarschul-Zug ins Rollen: "Überall sank und sinkt die Akzeptanz der Hauptschule. Unter diesen Voraussetzungen machte der Fortbestand der Hauptschule keinen Sinn. Damit bin ich an die Stadt herangetreten. Der bisherige Weg hat uns nicht geschadet."

Besonders als treibende Kraft des Leseclubs stand Marie-Louise Lichtenberg oft im Fokus der Öffentlichkeit. Für die 65-Jährige, die 1976 den Lehrerberuf begann, waren gerade die Projekte außerhalb des Unterrichts das Schönste an ihrer Laufbahn: "Dabei gab es unheimlich viel von den Jugendlichen zurück. Ich werde der Leseförderung in Wermelskirchen erhalten bleiben." Lichtenberg freut sich auf ihre Pensionszeit, die ihr viel Raum für ihre sieben Enkel eröffnet.

Ursula Kroker (64 Jahre) richtete in ihrer Zeit an der Hauptschule seit 1981 unter anderem die Schülerbücherei mit 3000 Titeln ein und unterrichtete hauptsächlich das Fach Englisch. Sie ist vom Lehrerberuf überzeugt, ihre Tochter ergriff inzwischen ebenfalls diesen Job: "In diesem Beruf passiert täglich Tolles, das ist sehr abwechslungsreich."

Genauso wie Ursula Kroker empfiehlt Johannes de Giorgi den Lehrerberuf gerne weiter: "Es mangelt überall an Lehrkräften." Der 66-Jährige, der seit 1979 in Wermelskirchen unterrichtete, ist "froh und dankbar", auf eine "erfüllte Berufstätigkeit" zurückzuschauen: "Ich bin weder ausgebrannt noch verbittert. Lehrer verrichten einen tollen und wichtgen Beruf, der vielleicht gesellschaftlich nicht ausreichend geschätzt wird." Er habe immer sehr gute und freundliche Kollegialität erfahren, was zum Schulerfolg beigetragen habe. Zudem wären nie nennenswerte Disziplinschwierigkeiten aufgetreten, was de Giorgi auf den ländlichen Einzugsbereich der Hauptschule in Wermelskirchen zurückführt.

Quelle: RP
 
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