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Wermelskirchen
Keine Taxi-Reservierung für Silvester

Wermelskirchen. Partygänger sollten sich schon jetzt um den Nachhauseweg in der Silvesternacht kümmern. Denn: Die Taxizentrale nimmt für den Jahreswechsel nur Reservierungen bis 24 Uhr entgegen. Wer dann ein Taxi ruft, muss oft lange warten. Von Sebastian Bergmann

Wolfgang Voss-Sauer war in Feierlaune. Im Alten Brauhaus auf der Eich hatte sich der Wermelskirchener am vergangenen Freitagabend mit Freunden auf ein paar Bier getroffen, geredet, Spaß gehabt. Um 1.45 Uhr bat er schließlich den Wirt, ihm ein Taxi zu bestellen. "Mir wurde zwar gleich gesagt, dass ich etwas Geduld mitbringen müsste", sagt Wolfgang Voss-Sauer. Doch als um kurz vor drei noch immer kein Taxi in Sicht war, wurde er langsam ungeduldig und rief noch einmal selbst bei der Taxizentrale Wermelskirchen an. "Eine genaue Auskunft, wann mein Taxi denn endlich kommen würde, konnte mir auch dann niemand geben", berichtet er. Kurzentschlossen habe er sich dann per Fuß auf den rund 60-minütigen Weg nach Neuenhaus zu seiner Wohnung gemacht. Wolfgang Voss-Sauer fragt sich jetzt: "Was soll denn erst in der Silvesternacht passieren, wenn richtig viel los ist? Und was machen Frauen in solch einer Situation, wenn weder Taxi noch Bus fahren?"

Die Wermelskirchener Taxifahrer kennen solche Situationen. Andreas Dratwinski von der Taxizentrale Wermelskirchen sagt aber: "Eine gesetzliche Regelung, wie lange ein Kunde auf sein Taxi warten muss, gibt es nicht." Zwar könne er sich den Taxi-Frust von Wolfgang Voss-Sauer nicht erklären - "eine Stunde Wartezeit ist in einer normalen Nacht mehr als ungewöhnlich" -, sagt aber auch: "Für Silvester nehmen wir schon seit über 30 Jahren keine Reservierungen mehr entgegen. Das ist der einzige Tag im Jahr, an dem das der Fall ist."

Es habe sich gezeigt, dass es in dieser Nacht unmöglich ist, zuvor vereinbarte Termine einzuhalten. "In Deutschland werden sie auch kaum eine Taxizentrale finden, bei der man für die Silvesternacht ein Taxi vorbestellen kann", sagt er. Schon oft habe es Andreas Dratwinski selbst erlebt, wie schwierig es ist, in den Morgenstunden des neuen Jahres Fahrgäste wie geplant einzusammeln. "Das Taxi ist zwar da, aber die Leute nicht", sagt er. "Vielen gefällt die Party dann doch noch ganz gut, und sie wollen länger bleiben."

Die "Keine-Reservierung-Regel" gelte aber nicht für die Weihnachtsfeiertage oder etwa Karneval. Roswitha Neuhaus - ebenfalls von der Taxizentrale an der Remscheider Straße - sagt: "Für Fahrten bis 24 Uhr nehmen wir sogar auch für Silvester noch Reservierungen entgegen. Nur für die Zeit danach ist es nicht mehr möglich", sagt sie. Ausnahmen für Rollstuhlfahrer können indes nicht gemacht werden. "Leider haben wir keine geeigneten Wagen, um die Rollstühle zu transportieren", sagt sie. Auch Ausnahmeregelungen für Stammkunden gebe es bei der Taxizentrale nicht. Insgesamt zehn Fahrer seien sowohl an den Weihnachtsfeiertagen als auch am Jahreswechsel im Einsatz. "Die Autos sind rund um die Uhr auf der Straße",sagt Roswitha Neuhaus.

Karl-Dieter Börner vom gleichnamigen Taxibetrieb Börner, dem zweiten Taxiunternehmen in Wermelskirchen, schlägt in dieselbe Kerbe und sagt: "Das Gesetz äußerst sich nicht zur Wartezeit. Oftmals müssen sich die Gäste in Geduld üben." Bezüglich der Silvesternacht habe der 67-Jährige, der seinen Betriebssitz in Dabringhausen hat und selbst den einzigen Wagen des Unternehmens fährt, schon vor drei Monaten eine erste Anfrage bekomme. "Aber Reservierungen nehme ich für diese Tage grundsätzlich nicht an. Oft sind zu dieser Zeit auch die Straßenverhältnisse sehr chaotisch, was eine Planung fast unmöglich macht. Wer in der Silvesternacht anruft, kommt auf die Warteliste", sagt er. In diesem Jahr hat Börner von vornerein dem Feiertags-Stress vorgebeugt und macht Betriebsferien. "Das habe ich mir in meinem Alter mal verdient", sagt Börner und lacht.

Quelle: RP
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