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Wermelskirchen
Kinder erfahren Barrieren im Rollstuhl

Wermelskirchen: Kinder erfahren Barrieren im Rollstuhl
In der Sporthalle lernen die Kinder der Grundschule Ost spielerisch, mit einem Rollstuhl umzugehen. FOTO: Nico Hertgen
Wermelskirchen. Ein Schulprojekt an der Grundschule Ost zeigt den Kindern, wie man richtig mit Rollstuhlfahrern umgeht. Von Walter Schubert

Inklusion heißt die Überschrift. Menschen mit Handicap sollen am normalen, alltäglichen Leben teilhaben. Das gilt natürlich auch für die Schulen. Eine Behinderung am "eigenen Leib zu erfahren", ist dabei sicher eine viel bessere Erfahrung, als nur theoretisch darüber zu sprechen. Der Deutsche Rollstuhlverband bietet Projekttage für Schulen an - und die Grundschule Ost am Weyersbusch macht mit. "Der Zeitpunkt ist gut", sagt Schulleiterin Dagmar Strehlow-Toussaint. "Unsere neue Waldschule wird ja komplett barrierefrei, und vielleicht kommen dann ja noch ein paar Rollstuhlfahrer dazu."

Aktuell gibt es an der GGS nur einen Schüler, der einen Rollstuhl benutzt. An den Projekttagen in dieser Woche probieren Schüler aus sechs Klassen die Bewegungen mit einem Rollstuhl aus. Und wenn alle in der Turnhalle im Rollstuhl sitzen, ist es optisch eine gelungene Inklusion. Patrick Moser ist Referent und Übungsleiter im Rollstuhlverband. Und als Rollstuhlfahrer kann er natürlich aus eigener Erfahrung viele Tipps geben. Turnmatten dienen als Beispiel für einen Bordstein. "Zunächst müssen die Vorderräder angehoben werden. Dann folgen mit etwas Schwung die großen Haupträder", erklärt Moser. Das Ganze erfolgt mit der richtigen Gewichtsverlagerung. Was bei ihm einfach aussieht, will jedoch oft geübt werden.

Der Körper muss sich exakt über der Achse befinden. Nur so lässt sich ein Rollstuhl gut bewegen. Die Kinder der Klasse 4a sehen die Rollstühle erst einmal als Spiel- und Sportgerät. "Das ist auch völlig in Ordnung. Nur so lässt sich der Umgang gut erlernen. Und wir Rollstuhlfahrer haben ja auch unseren Spaß mit den Geräten", sagt Moser. Yigit (10) ist der Rollstuhlfahrer in der GGS Ost. Falsche Hilfe findet er "total nervig". Denn auch Helfer, die einen Rollstuhlfahrer schieben, sollten über Erfahrung verfügen. Sie müssen auf Hindernisse achten, denn sonst ist die gut gemeinte Hilfe gar nicht mehr gut. "Wir nehmen gerne Hilfe an, und manchmal brauchen wir sie auch", sagt Übungsleiter Moser. "Aber die Helfer sollten doch unsere Antwort und unsere Hinweise erst einmal anhören, bevor sie loslegen."

Mit einem Rollstuhl sind auch ganz viele Sportarten möglich. Ob Tanzformationen oder verschiedene Ballspiele. Einen kleinen Einblick können die Grundschüler in diesen Tagen gewinnen. Doch als der Gong ertönt, springen alle aus den Rollstühlen und eilen auf den Schulhof. "Mit so einem Rollstuhl durch die Halle zu sausen, macht Spaß", sagt ein Schüler, "aber laufen ist doch besser."

Quelle: RP
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