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Wermelskirchen
Kölner Straße sechs Stunden ohne Strom

Wermelskirchen: Kölner Straße sechs Stunden ohne Strom
s Der Bürgersteig wird aufgerissen. FOTO: Udo Teifel
Wermelskirchen. Kurzschluss am Silvestertag im Kabel unterm Bürgersteig - da lief in 15 Gebäuden nichts. BEW-Mitarbeiter mussten in jedes Haus, um die Panzersicherung rauszudrehen. Die Messe in St. Michael begann im Lichtermeer von Kerzen. Von Udo Teifel

Bei manchen Anwohnern fiel das warme Duschen aus, bei anderen das warme Mittagessen. Pizza gab's plötzlich in der Kölner Straße auch nicht mehr: Um 11.45 Uhr am Silvestertag wirbelte ein Kurzschluss in einem Stromkabel 80 Zentimeter unter dem Bürgersteigpflaster so manche Vorbereitung für den letzten Tag des Jahres durcheinander.

Die Kirchturmuhr von St. Michael blieb um 11.20 Uhr stehen. Da hatten vereinzelt betroffene Anwohner gehofft, dass es ein kleiner Stromausfall sei. BEW-Mitarbeiter wechselten die Sicherung aus, die ihnen dann aber um 11.45 Uhr rausflog.

Gefunden! Hier hat's im Kabel einen Kurzschluss gegeben, signalisiert der Messtechniker den BEW-Fachleuten. FOTO: Teifel, Udo (tei)

Die Folge: kompletter Stromausfall in den Häusern 23 bis 47. Die rechte Seite der Kölner Straße bis zur Schillerstraße hatte keinen Strom. Die Folge: keine Heizung, kein Warmwasser, kalte Küche, kein Telefon, kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet. Schnell stellten Elektriker bei Mietern fest: Es ist kein Fehler in der Hausversorgung. Das war was Größeres. Als dann die ersten BEW-Mitarbeiter teils heftig an den Haustüren klopften, um sich bemerkbar zu machen, war klar: Der Stromausfall hatte eine größerer Ursache. BEW-Sprecher Matthias Wiemer später: "Wir haben einen zweipoligen Kurzschluss in der Niederspannung." Und zwar im Kabel im Bürgersteigbereich. Wo, musste der alarmierte Fachmann der Westnetz (RWE) feststellen.

Erste Aufgabe der BEW-Fachleute: Die Panzersicherungen in den Häusern mussten ausgeschaltet werden. Das war am letzten Tag des Jahres aber nicht so einfach. Denn nicht alle Hauseigentümer oder Mieter waren anzutreffen. Bewohner von Nachbarhäusern halfen mit Informationen und Telefonnummern, so dass nach zwei Stunden alle Sicherungen rausgeschraubt waren. Genau zu dem Zeitpunkt, als der Messwagen des RWE anrollte. Der Messtechniker schloss seine Instrumente am Kabelverteilerschacht an, so dass eine besondere Frequenz in das Kabel geschickt werden konnte. Mit einem Messgerät ging er die Strecke von der Schillerstraße hoch und lokalisierte den Fehler schnell. Gegen 15 Uhr stand fest: Vorm Haus Nr. 41, der Alten Vikarie von St. Michael, gab's den Kurzschluss. Ein Leverkusener Tiefbauunternehmen mit einem Bagger war da schon auf dem Anmarsch.

Der Messtechniker bereitet die Kabelprüfung am Kabelverteilerschaft vor. FOTO: Teifel, Udo (tei)

Die italienische Gemeinde, die im Pfarrheim den Jahreswechsel feiern wollte, machte sich schon Sorgen um die Vorbereitung. Und da es ab 16 Uhr dunkel derzeit ist, holten Anwohner vorsorglich Taschenlampen oder Kerzen hervor.

Währenddessen machte sich Pfarrer Michael Knab Gedanken über den Ablauf der Silvestermesse. Ohne Strom kein Glockengeläut - die Uhr stand schon seit 11.20 Uhr still -, keine Orgel, kein Licht. So begann die Silvestermesse mit einem imposanten Lichtermeer: Jeder Besucher bekam eine Kerze am Eingang, es wurde eine sogenannte Rorate-Messe gefeiert. Dass es dann fünf Minuten später Strom gab, merkten die Besucher an der Mikrofonanlage: Knab Stimme hallte durch den Kirchenraum. Mit gedimmtem Licht und Kerzenschein wurde dann die Messe gefeiert.

Die Tiefbauer hatten zuvor mit einem Presslufthammer die dicke Betonschicht unter dem Pflaster aufgebrochen, aus dem einen Quadratmeter großen Loch wurden acht. Und dann die Erlösung: Um 17.35 Uhr gab's wieder Strom. Die Baugrube ist nunmehr abgesichert, die Pflasterarbeiten werden wohl in der nächsten Woche angegangen.

Quelle: RP
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