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Wermelskirchen
Krankenhaus schließt die Geburtsstation

Wermelskirchen: Krankenhaus schließt die Geburtsstation
Schon 2014 warben Chefarzt Dr. Dieter Glaser und Schwester Ingeborg Belgard im Kinderzimmer für die Geburtsstation. Bereits damals schrieb arbeitete sie nicht kostendeckend und schrieb rote Zahlen. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Im Wermelskirchener Krankenhaus werden ab April keine Kinder mehr zur Welt kommen. Zuletzt hätten sich zu wenige werdende Mütter für eine Entbindung an der Königstraße entschieden. Die Mitarbeiter sollen weiterbeschäftigt werden. Von Markus Plüm

Nur 272 Geburten zählte die Geburtsstation am Krankenhaus Wermelskirchen im vergangenen Jahr. Zu wenig, um kostendeckend arbeiten zu können. Daher vollzogen Geschäftsführung und Betriebsleitung nun den unausweichlichen Schnitt: Die Abteilung wird geschlossen.

Das teilte Geschäftsführer Christian Madsen gestern Morgen mit. Die Entscheidung sei von der Gesellschafterversammlung sowie den Mitgliedern des Aufsichtsrates einstimmig akzeptiert worden. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende - so lässt sich die Entscheidung des Krankenhauses zusammenfassen. "Die Abteilung hat schon seit Jahren nicht mehr kostendeckend arbeiten können und musste immer quersubventioniert werden. Pro Jahr wären zwischen 500 und 600 Entbindungen nötig gewesen, um den Betrieb sinnvoll aufrecht halten zu können", erläuterte Madsen.

Die Gründe für die schwindende Inanspruchnahme der Geburtshilfe in Wermelskirchen liegen für den Ärztlichen Direktor Dr. Volker Launhardt auf der Hand:. "Zum einen spielt der allgemeine Geburtenrückgang eine große Rolle, aber auch das immer höhere Alter werdender Mütter muss betrachtet werden." Diese Frauen würden in die Gruppe "Risikoschwangerschaft". eingestuft, deren Betreuung in einem entsprechend ausgerüsteten Zentrum vorgeschrieben sei. Das könne man in Wermelskirchen nicht leisten.

Eine freie, sechs festangestellte Hebammen und sechs Kinderkrankenschwestern seien von der kurzfristigen Schließung betroffen. Die Mitarbeiterinnen wurden am Nachmittag über die Entscheidung informiert, sollen aber weiterhin am Haus beschäftigt bleiben. Auch das Leistungsangebot der Gynäkologie bleibe in vollem Umfang erhalten. "Wir werden dazu nun in die entsprechenden Gespräche gehen - auch, um den Mitarbeitern vorhandene Ängste zu nehmen", berichtet Pflegedienstleiterin Monika Hartung.

"Die Mitarbeiter sind natürlich betroffen und schockiert, aber es traf sie nicht gänzlich unvorbereitet", berichtet Launhardt. Schließlich sei schon länger klar gewesen, dass es der Abteilung schlecht geht. "Wir hatten hier in 2015 weniger als eine Geburt pro Tag, mussten dafür aber 24 Stunden lang Personal vorhalten. Die Kosten dafür standen am Ende in keinem Verhältnis mehr." Ein weiterer Faktor, der letztlich für zu hohe Kosten gesorgt habe, seien auch die gestiegenen Beiträge zur Haftpflichtversicherung der Hebammen gewesen: "Diese haben zwar nur einen kleinen Einfluss, aber waren letztendlich auch eine finanzielle Belastung." Daher kann Launhardt der Schließung durchaus auch etwas Positives abgewinnen: "Natürlich ist das eine unangenehme Entscheidung. Aber bei allem Respekt vor den Betroffenen begreifen wir diesen Schritt nun als Wachstumschance für den Rest des Krankenhauses."

Die letzten Tage der Geburtshilfe haben also begonnen. Dr. Dieter Glaser, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, erklärt: "Wir werden hier noch ungefähr zehn Geburten erleben, so genau kann man das vorher ja nie sagen. Und für alle anderen werdenden Mütter werden wir je nach Einzelfall entscheiden, wie es weitergeht. Es gibt hier in der Region auf jeden Fall genug Häuser, in die ausgewichen werden kann."

Quelle: RP
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