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Wermelskirchen
Kreis überprüft Güllelagerung

Wermelskirchen. Nach der Verunreinigung der Neye-Talsperre werden jetzt im Rheinisch-Bergischen Kreis die Bauernhöfe kontrolliert. Von Malte Ewert

Gülle ist ein Stoff, der vielen Menschen stinkt. Dabei ist sie ausschließlich natürlichen Ursprungs und ein wichtiger Dünger für die Landwirtschaft. Doch sie kann auch immense Schäden in der Natur anrichten, wenn sie zum Beispiel das Wasser verunreinigt (siehe Box). Die Lagerung anderer Stoffe, die gefährlich werden können, wird streng kontrolliert. Bei der Gülle haben die Behörden bisher dem Bauern vertraut.

Nun aber geht der Rheinisch-Bergische Kreis einen neuen Weg. Zusammen mit dem Oberbergischen Kreis will man in den kommenden Monaten alle landwirtschaftlichen Betriebe in den beiden Regionen überprüfen. Ziel ist es, die Art und Weise der Lagerung von Gülle, Jauche, Silage und Sickersaft in Augenschein zu nehmen und - wenn nötig - Verbesserungen einzufordern.

Ob die Güllekatastrophe in der Neye-Talsperre im Oberbergischen Kreis vom Frühjahr 2015 durch eine unsachgemäße Lagerung zumindest ermöglicht worden ist, werden Fachleute klären müssen.

Tatsache ist, dass Unbekannte durch die mutwillige Verlegung eines einzigen Schlauches einen riesigen Schaden anrichten konnten. Diesen Fall nahmen die beiden Kreise zum Anlass, erstmals ein Güllekataster zu erstellen. Darin wurden alle Lagerstätten nach Größe und Nähe zu Gewässern erfasst. "Wir haben dann einen Erfassungsbogen ausgearbeitet, der an alle Landwirte verschickt wird", erläutert Kreis-Pressesprecher Alexander Schiele. "Dann machen wir Termine mit ihnen und gucken uns die Lagerung an. Wenn es Probleme gibt, suchen wir gemeinsam mit dem Bauern nach einer Lösung."

Eine Reihe von Landwirten hat diese Überprüfung bereits erlebt. "Hier und da haben wir etwas entdeckt, das besser laufen könnte. Aber auf keinem der kontrollierten Höfe mussten wir gravierende Verstöße feststellen", sagt Schiele. Man arbeite gut zusammen.

Die Landwirte seien sich der Gefahr bewusst und hätten schon vor dem Fall an der Neye viel für die Sicherheit ihrer Anlagen getan. Zuerst klappern die Behörden die in Wasserschutzzonen gelegenen landwirtschaftlichen Betriebe ab. In einem zweiten Schritt sind die restlichen Höfe an der Reihe. Diese Vorgehensweise hat übrigens das Landwirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen kürzlich in einer Handlungsempfehlung herausgegeben. Da waren Rhein-Berg und Oberberg schon längst unterwegs.

Gülle besteht hauptsächlich aus dem Urin und dem Kot landwirtschaftlicher Nutztiere. Der hohe Gehalt an gebundenem Stickstoff, Phosphor, Kalium und anderen Nährstoffen macht sie zu einem wichtigen und in großen Mengen verfügbaren Dünger. Aus den Niederlanden mit ihren riesigen Höfen wird Gülle sogar nach Deutschland exportiert und gegen gutes Geld verkauft. Es gibt eine regelrechte Güllebörse. Kritiker sagen aber auch, dass mitunter mehr Gülle ausgebracht wird, als an Dünger nötig wäre. Der Stoff werde dann regelrecht entsorgt - und zwar gern auf Maisfeldern, die mehr Dünger vertragen.

Rhein-Berg und Oberberg wollen die Überprüfung der Lagerstätten zur regelmäßigen Angelegenheit machen. "Es handelt sich um einen auf Dauer angelegten Prozess", sagt Schiele. Auf dem Prüfstand stehen nicht nur die oberirdischen Güllebehälter, sondern auch die Unterflurlagerung unter dem Stall.

Quelle: RP
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