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Wermelskirchen
Kriechend bei 50 Grad Verletzte gesucht

Wermelskirchen: Kriechend bei 50 Grad Verletzte gesucht
Die Jugendlichen Tjorven Sachser und Fabian Stoßberg von der Löschgruppe Dhünn im Einsatz. Bei Temperaturen von über 50 Grad und Rauch im Gewächshaus sind beide auf der Suche nach Verletzte der Gärtnerei. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr. Am Samstag brach Jugendleiter Uli Puschinski angesichts der Hitze im "brennenden Gewächshaus" die Übung ab. 24-Stunden-Dienst bringt den Jugendlichen den Alltag der Feuerwehr näher. Von Cristina Segovia-Buendía

Es ist Samstagnachmittag kurz nach 14 Uhr, als der Alarm für die Nachwuchs-Löscheinheit Dhünn auslöst: In einer Gärtnerei am Höferhof ist ein Brand ausgebrochen, zwei Mitarbeiter werden vermisst. Schnell werfen sich die jungen Kameraden die Ausrüstung über und springen ins Einsatzfahrzeug. Die Aufregung steigt. Auch wenn dies nur eine Übung ist - allen ist bewusst, dass die Simulation eines Ernstfalles ernst genommen wird und - wie sie später schmerzlich feststellen sollten - auch ziemlich anstrengend ist.

Am Samstag absolvierten 14 Mitglieder der Jugendfeuerwehr ihren Berufsfeuerwehrtag. 24 Stunden, von Samstag- bis Sonntagmorgen, würden die 14- bis 17-Jährigen einen gewöhnlichen 24-Stunden-Dienst erleben. Stationiert wurden die zehn Jungs und zwei Mädels in zwei Trupps in Dabringhausen und Dhünn. Neben einigen Übungen gehören zu diesem Tag, der in Wermelskirchen alle zwei Jahre organisiert wird, traditionell auch Einsatzfahrten zu simulierten Ernstfällen, wie jener in der ehemaligen Gärtnerei Rumbaum.

Kollegen der aktiven Wehr hatten das Gewächshaus präpariert: Alle Luken waren verschlossen. Eine Nebelmaschine versprühte dichte Rauchschwaden. Zwei Dummies, welche bewusstlose Mitarbeiter simulierten, lagen irgendwo herum. Bei den 28 Grad, die an diesem Tag vorherrschten, verwandelte sich das Gewächshaus prompt in eine unerträgliche stickige Sauna. Die genaue Temperatur konnte Jugendwart Uli Puschinski (49) längst nicht mehr vom Thermometer ablesen. "Vollausschlag bei 50 Grad." Hier musste der zweiköpfige Angriffstrupp, den Fabian Stoßberg (17) und Tjorven Sachser (14) bildeten, in voller Montur hinein: Kriechend und schwere Schläuche ziehend, welche die Kameraden bis zum nächsten Hydranten verlegt hatten. Die reinste Qual: Schweißtriefend und mit knallroten Gesichtern von der Hitze, schafften sie nach den ersten Dummy hinaus. Der zweite blieb auf der Strecke. Beim erneuten Gang ins Gewächshaus gaben die beiden erschöpft auf. "Es geht einfach nicht mehr", sagte Fabian, dem vor lauter Erschöpfung fast schwarz vor Augen wurde. Puschinski brach die Übung ab. "Kein Problem. Zurück zum Fahrzeug mit Euch und viel trinken."

Ein wenig erholt gab Fabian dann zu: "Die Kombination zwischen der Hitze und der schweren Ausrüstung war einfach brutal." Er habe sich in einer Zwickmühle befunden: "Ich konnte einfach nicht mehr, aber ich wollte auch nicht aufgeben, da war ja noch jemand drin." Er wird nächstes Jahr definitiv in die aktive Wehr wechseln. "Es macht ja nach wie vor Spaß, nur dass ich jetzt besser weiß, worauf ich mich im Ernstfall einlasse."

Quelle: RP
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