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Serie Leckerer Advent
Kulinarisches am Sechsplattenherd

Wermelskirchen. Bei der Radevormwalder Tafel gibt es nicht nur im Advent Mittagessen für bedürftige Menschen. 31 ehrenamtliche Mitarbeiter helfen dienstags beim Kochen und Verteilen der rund 130 Mahlzeiten. Nächsten Dienstag kocht zur Ausnahme ein Caterer. Von Wolfgang Weitzdörfer

Radevormwald Das Prinzip der Tafeln ist darauf ausgelegt, Menschen in Not mit Lebensmitteln zu versorgen. Auch in Radevormwald gibt es seit 19 Jahren eine Tafel, seit 1998 wird sie in Form einer Privatstiftung geführt. 31 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich an zwei Tagen der Woche um die bedürftigen Menschen, die entweder am Freitag zur sogenannten Taschenausgabe in die Telegrafenstraße in Radevormwald kommen oder sich am Dienstag das frisch vom pensionierten Koch Armin Klein-Ellinghaus und seinem fleißigen Küchenteam zubereitete Essen schmecken lassen.

Zusätzlich gibt es auch am Dienstag eine Taschenausgabe. "130 bis 140 Portionen geben wir jeden Dienstag aus, dazu kommen noch rund 70 Menschen zur Taschenausgabe, zu den Taschenausgaben am Freitag kommen immer um die 100 Menschen. Bedingt durch die aktuelle Flüchtlingssituation sind diese Zahlen deutlich angewachsen", sagt Bernd Hermann, Vorstandsmitglied der Stiftung. Bei der Taschenausgabe bekommen die Menschen eine große, volle und schwere Einkaufstasche voller Lebensmittel.

Voraussetzung, um von der Tafel profitieren zu können, ist der Oberbergpass, den die Menschen beim Sozialamt bekommen. Jeden Dienstagvormittag treffen sich die 31 Ehrenamtler, die zusätzlich jede Woche von einem Mitarbeiter der Firma Gira unterstützt werden: "Im Rahmen ihres Sozialprogramms, das es seit September 2014 gibt, stellt die Firma jede Woche jemanden frei", erklärt Hermann. Dazu kommen noch zwei Sozialarbeiter der Stadt Radevormwald.

Dennoch, so sagt Hermann schmunzelnd, liege das Durchschnittsalter der Helfer bei etwa 70 Jahren: "Wir haben sogar drei Helfer, die schon über 80 Jahre alt sind", betont Hermann. Nach einem gemeinsamen Frühstück stürzen sich die Ehrenamtler in die Vorbereitungen. Klein-Ellinghaus, seit anderthalb Jahren Koch der Rader Tafel: "Wir haben hier zwar nur einen Sechsplattenherd, aber was wir da runterzaubern, das ist schon echt nicht schlecht", sagt der resolute ehemalige Koch, der seit anderthalb Jahren in Rente ist und zuvor in einer Behinderteneinrichtung in Wuppertal gearbeitet hat.

"Wir sind zu sechst in der Küche, wir sehen zu, dass wir immer ein komplettes Menü anbieten können, auch mit einer Alternative für muslimische Mitbürger", sagt er. Eine Notwendigkeit, die vor allen Dingen durch die aktuelle Flüchtlingssituation umso dringlicher geworden ist. "In der Regel kommen zwar eher ältere Erwachsene zu uns, mittlerweile aber auch viele Kinder und junge Erwachsene, die aus den aktuellen Krisengebieten gekommen sind", erzählt der Koch, der zwischendurch immer nach seinem Schweinepfeffer sehen muss.

Denn um 11.30 Uhr werden die Türen an der Telegrafenstraße geöffnet - "und dann ist hier kein Platz mehr frei", sagt Klein-Ellinghaus schmunzelnd. Nur am 22. Dezember, dem Dienstag nach dem vierten Adventssonntag, dürfen er und sein Team sich eine Pause gönnen: "Dann haben wir nämlich eine Art Weihnachtsfeier organisiert. Wir haben den Caterer Markus Marschner beauftragt, ein schönes Weihnachtsmenü für unsere Kunden zu kochen.

Das könnten wir einfach nicht stemmen, außerdem können wir Mitarbeiter uns nach dem Servieren auch einmal zu den Leuten setzen. Dann bleibt ein wenig mehr Zeit zum Reden als das sonst der Fall ist", sagt Klein-Ellinghaus nachdenklich und fügt lächelnd an: "Darum geht es doch schließlich an Weihnachten. Und im vergangenen Jahr hat das schon einmal wunderbar geklappt." Lohn des Ehrenamts ist in erster Linie zu sehen, dass das Engagement bei den Bedachten tatsächlich ankommt.

Das sieht auch Klein-Ellinghaus so: "Viele der Menschen kommen zu uns an die Küchentür und bedanken sich für das Essen. Freundlichkeit wird hier ganz groß geschrieben. Ganz vorne steht aber schon die Dankbarkeit der Leute." Die Tafel Rade bekommt ihre Lebensmittel in erster Linie durch Spenden von Supermärkten und Bäckereien, aber auch von Privatleuten. "Vergangenes Jahr gab es zum Beispiel eine richtige Apfelschwemme - da kam unheimlich viel von Privatbürgern.

Und im vergangenen Jahr nach Weihnachten bekamen wir von einem Discounter ganze 90 Kilogramm Lachs gespendet. Davon haben wir 30 Kilogramm verarbeitet, den Rest haben wir an die Tafel in Remscheid gegeben. Die haben sich darüber natürlich auch riesig gefreut", sagt der Koch. Und dann muss er auch schon wieder an die Töpfe. Denn die gut 130 Gerichte kochen sich schließlich nicht von alleine - und die Zeit drängt, auch in der Vorweihnachtszeit.

Quelle: RP
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