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Wermelskirchen
Kunstrasen ja - aber wo?

Wermelskirchen: Kunstrasen ja -      aber wo?
Blick über den Tellerrand: In Radevormwald wird heute ein neuer Kunstrasenplatz freigegeben. Der Platz wird für Schul- und Vereinssport genutzt. FOTO: wos
Wermelskirchen. Die Reaktionen auf den Vorstoß des DTV in Sachen Kunstrasen sind gemischt. Es gibt Verständnis für den DTV-Wunsch, der Zeitpunkt sei aber ungünstig. Außerdem sprechen die anderen Vereine über Kooperationen in der Jugend. Von Tim Kronner

Wenn's um das Thema Kunstrasen geht, sind sich alle Vereine einig: Wermelskirchen braucht solche Plätze, und zwar nicht nur einen. Da der Bau von gleich mehreren Plätzen finanziell aber nicht zu stemmen ist, konkurrieren die Vereine momentan um den Standort für den ersten Platz mit künstlichem Grün. Der Dabringhauser Turnverein (DTV) hat jetzt einen Vorstoß gewagt und sich bereit erklärt, einen Platz mit etwa 105 000 Euro mitzufinanzieren (die BM berichtete). "Wir würden jedem Verein einen Kunstrasenplatz gönnen. Der Höferhof ist aber der sinnvollste Standort", hatte der DTV-Vorsitzende Andreas Gall gesagt. Bei den anderen Vereinen stößt dieser Vorschlag zur jetzigen Zeit auf Unverständnis.

"Es muss eben irgendwo mit einem Kunstrasen anfangen, ich kann verstehen, dass sich der DTV positionieren will. Trotzdem sollte man der Entscheidung nicht vorgreifen", sagt Tura Pohlhausens Geschäftsführer Dirk Hohlmann auf BM-Anfrage. Er bezieht sich auf das Gutachten der Universität Wuppertal. In einem Abschnitt darin heißt es, dass Kunstrasenplätze am wirtschaftlichsten sind, wenn sie Rasenspielfelder ersetzen. "Von den Kosten her wäre ein Platz in Pohlhausen aber günstiger, weil bei uns die ganze Infrastruktur schon da ist. Das Projekt in Dabringhausen wäre ja riesig", sagt Hohlmann. Außerdem werde die Uni Wuppertal bald einen eigenen Standortvorschlag machen, kündigt Hohlmann an. "Man hätte abwarten sollen, was dabei herauskommt."

Auch beim SV 09/35 Wermelskirchen weiß man, dass der DTV durch sein Eigentum besser dasteht. Trotzdem gibt es auch hier eigene Pläne für den Kunstrasen. "Wir wollen den kleinen Platz oberhalb des Eifgenstadions abmessen lassen, um zu sehen, ob er sich eignet", sagt Kassierer Peter Roderweiß. Wenn dort ein kleiner Kunstrasenplatz entstehe, könne man darüber nachdenken, ob das Feld in Tente noch gebraucht werde.

Deutlichere Worte auf den Vorstoß des DTV sind beim SSV Dhünn zu hören. "Wir hatten eigentlich an einer gemeinsamen Lösung gearbeitet, und jetzt preschen die einfach vor. Das finde ich nicht in Ordnung", sagt Geschäftsführer Willi Smolka. Dhünn habe seine eigenen Eisen im Feuer und werde weiter für einen Kunstrasenplatz kämpfen, kündigt Smolka an. Eine Entscheidung soll am 9. September im Sportausschuss fallen.

Trotz der Uneinigkeit beim Thema Kunstrasen wollen die Vereine in Zukunft enger zusammenarbeiten. "Ich halte Kooperationen für den Fortbestand des Vereinssports für unverzichtbar", sagte DTV-Fußballvorstand Markus Leonhardt, der sich neben Spielgemeinschaften künftig sogar Fusionen vorstellen kann. Der SSV Dhünn steht der Idee einer Kooperation positiv gegenüber, es sei aber mit Hindernissen zu rechnen. "Es gibt viele alte Fehden, die das erschweren könnten", sagt Smolka. Der Vorstand des SV 09/35 sieht in Kooperationen sogar die einzige Lösung, wenn die Jugendlichen ausbleiben oder noch mehr in andere Städte abwandern. "Dann macht das schon Sinn", sagt Roderweiß. Bei Tura will man sich erst einmal die Meinungen der Trainer einholen. "Prinzipiell sind Spielgemeinschaften in der Jugend aber vorstellbar", sagt Hohlmann, der allerdings gegen Fusionen ist. "Man sollte die gewachsenen Strukturen aufrecht erhalten."

Quelle: RP
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