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Traditionsberufe Kunsttischler
Kunstvolles aus Holz

Wermelskirchen. Wir stellen Handwerksberufe vor, die es schon lange in Wermelskirchen gibt. Heute: Kunsttischler Klaus Gräfe. In seinem Atelier an der Berliner Straße geht der 58-Jährige seinem alten Handwerk ganz ohne digitale Unterstützung nach. Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen In der Werkstatt von Klaus Gräfe scheint die Zeit ein wenig stehengeblieben zu sein. Es riecht nach Holz, das Licht scheint durch das Fenster auf eine Werkbank, auf der angefangene Werkstücke liegen. Hier, im Atelier des Wermelskirchener Kunsttischlers, gibt es keine High-Tech-Maschinen, die mittels CNC millimetergenau fräsen oder sägen. Hier wird noch ganz von Hand gearbeitet, geschnitzt, getischlert, gesägt. "Es ist eine Nische, die ich mit meiner Arbeit besetze. Und weil ich meinen Maschinenpark eben bewusst nicht auf digitale Technik umgestellt habe, bleibe ich auch in dieser Nische", sagt der 58-Jährige, dessen bedächtiges und überlegtes Auftreten perfekt zu dieser Grundeinstellung passt.

Den klangvollen Namen für sein Unternehmen hat der gelernte Tischlermeister einem Kunden zu verdanken: "Mein Betrieb heißt ,Ars Lignea', das ist Latein und bedeutet hölzerne Kunst. Ein guter Kunde hat mir den Namen gesagt", erinnert sich Gräfe, der sein Handwerk bei der Firma Nussbaum gelernt und nach seinem Gesellenbrief die fünf notwendigen Gesellenjahre bei Schreinereien in Remscheid und Solingen gearbeitet hatte, ehe er seinen Meisterbrief erwarb. 1986 machte er sich schließlich selbstständig. Kurze Zeit später zog er mit seiner Werkstatt in sein Elternhaus an der Berliner Straße in Wermelskirchen.

Der Handwerksberuf des Tischlers ist Gräfe nicht in die Wiege gelegt worden, wenngleich in seiner Kindheit zumindest der Geruch des Wertstoffs Holz eine prägende Rolle gespielt hat - allerdings nicht im eigenen Elternhaus: "Mein Opa war Schlosser, mein Vater Metzger, wollte aber eigentlich Porzellanmaler werden." Eine handwerkliche Umgebung war somit also zumindest einmal vorgegeben.

In der Nachbarschaft sind es jedoch die Kistenmacher, die für die Werkzeugindustrie Holzkisten produzieren, die für den dauernden Duft nach Holz in der Nase des jungen Gräfe sorgen. "Außerdem wurde auf dem Hof der Großeltern immer Holz gehackt", erinnert sich Gräfe schmunzelnd. Seine ersten holzhandwerklichen Schritte machte er bereits in der Schule: "Ich habe gerne Flugzeugmodelle gebastelt. In der Schule hat ein Lehrer eine Kunst-AG gegründet, da wurden dann Modelle von Schiffen und Flugzeugen gebaut, richtig nach Plan und Maßstab", sagt Gräfe.

Heute sind seine Arbeiten filigraner, individueller und kunstvoller. Dabei sucht er vor allem die Herausforderung in seiner Arbeit. "Es gibt so viele Dinge, die ich machen will", sagt er. Aufträge, die er nicht einfach so aus den Händen schütteln kann, sind ihm die liebsten. Auch wenn sie eher selten sind - wie der für einen kunstvollen, großen Tisch, den er mit einem Holzschnitzer aus Oberammergau gefertigt hat: "Das war eine Herausforderung, besonders die Löwenfüße als Tischbeine. Alle Pläne für die Verarbeitung habe ich gemacht", sagt Gräfe und blättert in einem Buch, in dem alle Schritte bis zur Fertigstellung dokumentiert sind.

Die unterschiedlichen Aufträge der Kunden machen ihm immer wieder deutlich, dass er den richtigen Beruf gelernt hat. "Ich werde für meine Leidenschaft bezahlt, wie großartig ist das?" Da fallen ihm die "normalen" Arbeiten, die den Großteil der Aufträge ausmachen, umso leichter. "Neben normalen Holzarbeiten und Reparaturen, etwa von Booten, Stühlen oder Tischoberflächen, sind es hauptsächlich Möbelbau, Innenaus- und -umbau sowie die Denkmalpflege", zählt Gräfe auf. Letztere dann auch gerne mal in den eigenen vier Wänden, wie Gräfe schmunzelnd sagt. "Nach einem Brand im Elternhaus, in dem meine Werkstatt ist, wurden dort die Innentüren und Treppen durch moderne Materialien und Elemente ersetzt. Die versetze ich jetzt nach und nach wieder in den Urzustand."

Und da kann man sich Klaus Gräfe auch richtig gut bei der Arbeit vorstellen. Ruhig und bedächtig, einen Schritt nach dem anderen vornehmend - und ganz und gar nicht digital. Eine sehr beruhigende Vorstellung in einer schnelllebigen Zeit.

Quelle: RP
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