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Wermelskirchen
Leckeres Brot aus dem alten Holzofen

Wermelskirchen: Leckeres Brot aus dem alten Holzofen
Köstlich duftendes Brot: Stephan Büngen und seine Tochter Wiebke lassen ab sofort ein weiteres Stück Geschichte in der Neuemühle lebendig werden. FOTO: moll
Wermelskirchen. Familie Büngen nimmt in der Neuemühle den alten Ofen wieder in Funktion und backt selber Brot. Allen Prüfungen des Schornsteinfegers, der Innung und der Stadt hat der Ofen Stand gehalten. Insgesamt 60 Brotlaibe passen in den Ofen. Von Theresa Demski

Noch ist es in der alten Mühle ganz ruhig. In ein paar Stunden beginnt der Abendbetrieb. Ungewohnte Düfte suchen sich den Weg durchs alte Haus. Sie kommen nicht aus der Küche. "Immer der Nase nach", ruft Wiebke Büngen gut gelaunt aus dem Keller. Dort empfängt den Besucher nicht nur Gemütlichkeit, sondern auch der Duft nach Brot und uralter Geschichte.

Der Holzofen in der Wand strahlt eine wohlige Wärme aus - und als Stephan Büngen die kleine, schwere Ofentür öffnet, erklärt sich auch der Duft: 48 fertige Brote liegen in dem alten Ofen. 75 Minuten haben sie gebacken und markieren eine besondere Premiere: 50 Jahre, nachdem der Ofen zum letzten Mal beheizt worden ist, hat Familie Büngen ihn nach einigen Testeinsätzen wieder in Funktion genommen.

Allen Überprüfungen des Schornsteinfegers, der Innung und der Stadt hat der Ofen Stand gehalten. Nun wird in der Neuemühle ein weiteres Stück Geschichte lebendig und erlebbar - wegen diverser Auflagen allerdings nur alle zwei Wochen.

"Wie alt der Ofen ist, können wir gar nicht sagen", sagt Stephan Büngen. Die Mühle erhielt 1826 ihre Konzession. "Aber der Ofen wurde wohl erst später eingebaut", sagt er. Im Januar werden die Holzofenfreunde in der Neuemühle zu Gast sein und vielleicht in dieser Frage nachhelfen können.

Fest steht: In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat der Ofen zum letzten Mal für Wärme im Haus und Brot auf dem Tisch gesorgt. Und auch viele andere Fragen sind geklärt - geholfen hat "Holzofenpapst" Leo Trumm aus Olpe. An ihn hatte sich Stephan Büngen mit seinen vielen Fragen gewandt, als die Familie damals den Plan fasste, den alten Ofen wieder in Betrieb zu nehmen.

Der Ofen misst 2,70 Meter in der Tiefe, 1,80 Meter in der Breite - und er läuft. Drei Tage, bevor das Brot eingeschoben wird, legt die Familie die ersten 30 Kilogramm Holz ein. Am zweiten Tag werden die nächsten 30 Kilogramm verbrannt, am dritten Tag kommen 40 Kilogramm Holz in den von links und rechts befeuerten Ofen. Dann hat er dank der wärmefreudigen Tuffsteine 300 Grad erreicht. "Bei fallenden Temperaturen kommt das Brot ins Spiel", sagt Wiebke Büngen.

60 Brotlaibe passen in den Ofen. Weil es im hinteren Teil deutlich kühler ist als im vorderen, sollten nach einer guten Stunde alle Laibe gleich knusprig sein. "Wir haben lange getüftelt, um herauszufinden, wie viel Kilogramm Holz wir brauchen", sagt Büngen. Aber nun steht die Erfolgsformel. Auch das nötige Instrumentarium hat er gefunden. Die handelsüblichen Brotschieber waren nicht lang genug, Büngen erweiterte sie durch eine Zeltstange.

Von der Wärme des Holzofens profitiert das Haus noch viele Tage nach dem Anheizen. Wer im Restaurant am Kamin sitzt, spürt die Ofenwärme ebenso wie Wiebke Büngen an den Kacheln in ihrem Badezimmer. "Da bekommt man eine Ahnung, was für eine wichtige Funktion dieser Ofen mal hatte", sagt sie. Aber auch die wirtschaftliche Bedeutung der Mühle wuchs mit dem Ofen: Korn wurde gemahlen, Brot gebacken und verkauft.

Auch diese Tradition will Wiebke Büngen lebendig werden lassen - Vorbestellung: Tel. 02196 8829664, Mail: backstube@restaurant-neuemuehle.de

Quelle: RP
 
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