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Tagebuch Sri Lanka
Leere Stunden zum Jahreswechsel im April

Wermelskirchen. Happy new year" wünschte man sich im Laufe der letzten Tage in Sri Lanka. Ist es dafür nicht schon etwas zu spät? Nein! Denn hier feiert man das neue Jahr Mitte April. Das genaue Datum entscheiden die Astrologen mit Hilfe des Horoskops. Dieses Jahr fielen die zwei Hauptfeiertage auf den 13. und 14. April. Der erste Feiertag liegt noch im alten Jahr und wird genutzt um Streitigkeiten aus dem Weg zu räumen, Dinge zu erledigen die man sich vorgenommen hatte und jegliche Probleme zu lösen. So kann man am nächsten Tag frisch und frei von Belastung das neue Jahr beginnen. Was in Deutschland ein Übergang innerhalb einer Sekunde ist, dauert hier etwas länger. Zwischen den Jahren gibt es nämlich ein paar leere Stunden, die weder ins alte noch ins neue Jahr gehören.

Ursprünglich galt diese Zeit als sehr risikoreich, da man glaubte, der Sonnengott sei in diesen Stunden in einer anderen Sphäre und könne nicht auf die Menschen aufpassen. Deshalb fürchten sich viele und schlossen sich Zuhause ein. Mittlerweile ist die Angst gewichen, die Tradition aber geblieben, sodass nach Verabschiedung des alten Jahres, mit lauten Knallkörpern, die meisten in ihr Haus verschwinden. Erst im Morgengrauen mit dem Beginn des neuen Jahres kommt wieder Leben auf die Straße. Nun heißt es, das neue Jahr mit Bräuchen zu beginnen. Zum Beispiel den Milchreis, in einer ebenfalls vom Horoskop vorgegebenen Zeitspanne, die durch das Fernsehen vorgegeben ist, zuzubereiten. Damit das kommende Jahr von Reichtum erfüllt ist, wird zudem Milch in einem Bottich zum Überkochen gebracht und um das Haus verteilt. Dies symbolisiert den Überfluss.

Überfluss gibt's auch beim folgenden Marathon des Frühstückens. Denn überall lädt man sich gegenseitig ein, Ölkuchen, Reis und Bananen mit einer Tasse Schwarztee zu genießen. Untereinander beschenken sich Freunde und Verwandte mit neuer Kleidung, da es auch dazu gehört das neue Jahr mit einer unbenutzten Garderobe zu begrüßen. Diese wurde meist in der Woche vorher gekauft, weshalb es hier dann ähnlich wie in der Vorweihnachtszeit zugeht und das Angebot in den Geschäften vervielfacht ist.

Auch wenn die zwei Hauptfeiertage vorüber sind, ist das Zelebrieren des neuen Jahres noch im vollen Gange. Viele Geschäfte sind geschlossen, da Familienbesuche anstehen oder die Dorfgemeinschaften Spiele veranstaltet, bei denen man zum Beispiel versuchen muss, an einem mit Öl eingeschmierten Stamm hoch zu klettern und eine Kokosnuss zu holen. Noch vor ein paar Jahren gab es viel mehr traditionelle Bräuche, die jetzt aber alle verschwinden, da das Interesse mehr dem Konsum als der Gemeinschaft gilt.

ALICJA SALAMON

Quelle: RP
 
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