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Wermelskirchen
Lesung zwischen Realität und Fiktion

Wermelskirchen: Lesung zwischen Realität und Fiktion
Autorin Linda Nowak bei ihrer Lesung im Haus Eifgen. FOTO: Martin Wübbels
Wermelskirchen. Der, der die Zeit anhalten möchte, muss sich ganz schön ins Zeug legen. Physikalisch geht's vielleicht höchstens in der Einsteinschen Quantenmechanik, aber mit starken Gefühlen, ausgedehnten Erinnerungen und viel Phantasie kann es auch schon mal im Gehirn funktionieren. So geschehen mit, in und bei der Autorin Linda Nowak (30) aus Wermelskirchen und dem Gitarristen Dennis Kresin (28). Die beiden touren derzeit mit dem Roman von Linda Nowak "Zeitanhalter" und der dazugehörigen Musik-CD "Protagonist" durchs Land und machten im Haus Eifgen Station. Sie nannten es eine "theatrale Konzertlesung". Von Bernd Geisler

Ein schöner Begriff. Theatralisch war es allerdings nicht, gleichwohl schwebten die beiden ein wenig theatral - das Theater betreffend - über dem Boden der Realität: Wirklichkeit und Fiktion verschwammen. Und wer sich von den Besuchern nicht voll konzentrierte, konnte gleich mitschweben. Autorin Nowak kommt nämlich selbst im Roman auch vor. Sie ist die beste Freundin der (fiktiven) Protagonistin Marlena. Mehr noch, sie könnte glatt als deren Zwillingsschwester durchgehen. Ein Kunstgriff, um ungeschönt aus dem tiefenpsychologischen Brunnen eigener Erfahrungen zu schöpfen und nicht gleichzeitig zu viel von sich selbst preiszugeben? Es durfte gerätselt werden.

Immerhin schildert die Autorin das Geschehen um die fiktive Kölner Rock- und Pop-Band "Freifahrtschein", die in den Startblöcken zu ihrer ersten Deutschlandtournee steht. Dabei haben sie und Kresin gleich mehrere Schmankerl parat: Die beiden brachten mit Gesang, dem guten alten Eifgen-Flügel und Akustikgitarre die Songs der Band, die im Buch beschrieben werden und auf der "Protagonist"-CD gebrannt sind, gleich live zu Gehör. Fantastisch hörenswert übrigens.

Das war dann ein weiteres Sprungbrett vom realen, glasklaren Wasser ins fiktive, "theatrale" Gewässer des Romans. Wieder das Spiel mit einer fiktiven Realität: Auf der CD werden weder Komponist noch Texter erwähnt. Man kann sie sich nach Kauf des Buches von der Homepage der (noch) nicht existierenden Band "Zeitanhalter" (www.freifahrtschein-music.de) herunterladen. Also eine CD ohne Band.

Und auch der Leser des Buches kann dieses Spiel mitspielen: Er liest ab Seite 123, wie die Band an dem Song "Kaleidoskop-Augen" schreibt - und kann ihn sich währenddessen anhören. Besonders interessant also auch für Musiker und solche, die ihre eigenen Songs schreiben wollen. Aber auch für deren Eltern, die sich manchmal wundern, was so in den Köpfen ihrer abrockenden Sprösslinge vorgeht. Das Buch ist überall im Buchhandel erhältlich.

www.zeitanhalter.net

Quelle: RP
 
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