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Wermelskirchen
Letzte Kinderstadt für die Katt-Leiterin

Wermelskirchen: Letzte Kinderstadt für die Katt-Leiterin
Katt-Leiterin Eva-Maria Ponsar mittendrin: Sie half tatkräftig mit, als gestern ein Apfelkuchen für die Kinderstadt gebacken wurde - v.l.: Frederike, Laura, Janne, Laura, Abby, Cäcilius, Kilian und Timo. FOTO: jürgen moll
Wermelskirchen. Eva-Maria Ponsar geht 2018 in Ruhestand. Die 64-Jährige will sich dann ohne zeitlichen Druck um ihre Hobbys kümmern und mit ihrem Ehemann ein schönes Leben haben. Die gelernte Bankkauffrau blickt auf ereignisreiche Jahre zurück. Von Walter Schubert

"Leben heißt Veränderung", sagt Eva-Maria Ponsar (64), langjährige Leiterin der Kattwinkelschen Fabrik. "Es kommen neue Entwicklungen, neue Interessen, neue Ideen und neue Leute. Das ist gut und richtig." Und deshalb geht sie auch ohne Wehmut, aber mit vielen schönen Erinnerungen im nächsten Jahr in den Ruhestand. "Ich werde mich auf meine Familie stürzen und mich meinen kreativen Hobbys widmen", sagt sie.

Sie freut sich darauf, ohne zeitlichen Druck und ohne zeitliches Limit mit Stoffen, mit Näh- und Stickmaschine zu arbeiten. "Endlich mal ein Projekt zu Ende zu führen, egal zu welcher Zeit und egal wie lange es dauert", sagt sie. Zusammen mit ihrem Ehemann Karl-Richard, Leiter des Kinderschutzbundes in Remscheid, wird sie sich um einen "planvoll verwilderten Garten" kümmern, und gemeinsam werden sie kochen, essen, trinken und genießen. Aktuell hat sie Spaß an Lego-Steinen. "Natürlich nicht nach Bauplänen", sagt Ponsar. "Ganz kreativ werden kunterbunte Blumentöpfe zusammen gesteckt."

Die gelernte Bankkauffrau erlebte ihre erste Kinderstadt in der "Kraftstation" in Remscheid. "In den Bereich Kunst und Kultur habe ich mich autodidaktisch eingearbeitet", erzählt sie. 1998 übernahm sie die Leitung der Kattwinkelschen Fabrik - und die kaufmännische Ausbildung war von Vorteil. "Die Katt war ja ein eigenständiger Betrieb mit eigener Buchführung." Das wird sich Anfang 2018 ändern. Der pädagogische Bereich wird dem Jugendamt zugeordnet, und der Kulturbereich wird eine Stabsstelle beim neuen Dezernenten Stefan Görnert. Für die Leiterin der Katt wird es also auch keine direkte Nachfolge geben. Neben tollen Veranstaltungen ist die jährliche Kinderstadt immer der Höhepunkt einer fast 20-jährigen Tätigkeit. "2005 haben wir die erste Kinderstadt durchgeführt. Es wurde eine mittelalterliche Stadt aufgebaut, 60 Kinder waren dabei. Heute sind es 230 Kinder, und die Grenze ist erreicht", sagt sie. Die Idee der "selbst organisierten Kinderstadt" ist geblieben, aber Veränderungen sind sichtbar und spürbar. "Früher haben die Kinder nur teilgenommen, heute sind sie ein aktiver Bestandteil mit eigenen Ideen", sagt Ponsar und berichtet von Kindern, die sich mit Getränkestand, Kosmetikstudio oder einem Lieferservice selbstständig machen.

"Die Arbeit mit ursprünglichen, archaischen Dingen und Materialien wie Holz, Sand, Feuer, Wasser oder Papier ist wichtig. Da ist das Smartphone oder der Computer schnell vergessen. Aber die neuen Medien werden nicht verteufelt. Sie kommen im Film- oder Tonstudio zum Einsatz. Das vernetzte Arbeiten mit allen Bereichen ist wichtig", erklärt die Katt-Leiterin. Egal wie die Katt organisiert und geführt wird - es bleibt ein Zuschussgeschäft. "Als reiner Veranstaltungsort würde es sich rechnen, aber mit Kinder-, Jugend- oder Seniorenarbeit lässt sich kein Geld verdienen. Aber jeder investierte Euro ist gut angelegt", sagt sie. Mitte 2018 ist sie "raus aus der Planung, aber nicht raus aus dem Kopf". "Vielleicht kann ich ja noch Ideen beisteuern oder Kontakte und Verbindungen zu Firmen, Sponsoren oder Stiftungen vermitteln", sagt sie. Offiziell heißt es Ruhestand, doch ruhig und still wird der neue Lebensabschnitt für Eva-Maria Ponsar nicht. Und schon gar nicht "langweilig oder normal".

Quelle: RP
 
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