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Wermelskirchen
Loches-Platz - das Objekt der Begierde

Wermelskirchen: Loches-Platz - das Objekt der Begierde
FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Wermelskirchen. Am 29. Februar sollen die Politiker entscheiden, wie die Pläne für die Neugestaltung weiterverfolgt werden. WNKUWG und FDP fordern eine faire Bewertung der Investorenpläne und eine öffentliche Diskussion - und sie kritisieren die Stadt. Von Sebastian Radermacher

Kein Thema erhitzt derzeit so sehr die politischen Gemüter wie die Neugestaltung des Loches-Platzes. Es ist das wichtiges Projekt für Wermelskirchen in den nächsten Jahren. Im Fachausschuss am 29. Februar (17 Uhr, Bürgerzentrum) sollen die Politiker entscheiden, wie die Pläne weiterverfolgt werden. Zehn Investoren haben Entwürfe für die Entwicklung dieses zentralen Platzes eingereicht (BM berichtete). Diese Pläne wurden von der Verwaltung anhand verschiedener Kriterien (u.a. Einzelhandel, Kirmesnutzung, Verkehr, Denkmal) bewertet und in einer Rangliste dargestellt.

Die Mehrheit im Stadtrat - CDU, SPD, Bürgerforum und Grüne - hat bereits erklärt, am bisherigen Verfahren festzuhalten und nun mit den besten vier oder fünf Entwürfen ins weitere Rennen zu gehen. FDP und WNKUWG hingegen fordern eine Nachbesserung - vor allem, was die Bewertung angeht. In einem Pressegespräch stellten sie gestern ihre Standpunkte dar. "Wir glauben, dass die Eignungsfindung lückenhaft war - zum Nachteil einiger Bewerber", sagte Jürgen Manderla (FDP). Die Liberalen kritisieren, dass die Stadtverwaltung die durch das Planungsbüro Cima erstellte Bewertungsmatrix 1:1 übernommen hat, ohne einzelne Punkte selbst zu begutachten. Und diese Cima-Bewertung sei in Teilen sehr fragwürdig, fügte Henning Rehse (WNKUWG) an.

Als ein Beispiel nannte er das Thema Kirmes: Der zurzeit erstplatzierte Entwurf (nur 61 von 80 möglichen Punkten in der Matrix) sei laut Gutachten für eine "funktionierende Veranstaltung nicht geeignet". Der Loches-Platz biete in diesem Entwurf nur Platz für zwei Drittel der Schausteller, mehr als ein Großfahrgeschäft und ein Kinderkarussell ließen sich nicht unterbringen. "Attraktionen wie der Musikexpress und die Schiffschaukel könnten so nicht untergebracht werden", heißt es in dem Gutachten.

Er könne nicht verstehen, dass solch ein Entwurf auf Platz eins der Rangliste stehe. "Die Vereinbarkeit mit der Kirmes sollte doch eine Grundvoraussetzung der Entwürfe sein", fügte Manderla an. WNKUWG und FDP seien sich zwar nicht in allen Punkten, aber in der Sache an sich einig. Was sie nicht nachvollziehen können: Warum landete der Entwurf eines örtlichen Investors, der auf Wunsch der Stadt seine Pläne abspeckte, plötzlich abgeschlagen am Ende der Rangliste? Obwohl er eine der größten Kirmesflächen eingeplant und mit 400 Parkplätzen auch die Dauerparker in die Pläne einbezogen habe - so wie es von der Verwaltung gewünscht worden sei. Es ist der Entwurf, den der Investor bereits vor dem Start des offiziellen Verfahrens erstellt und der Stadt vorgelegt hatte. Nach BM-Informationen gab es sogar schon einen notariellen Kaufvertragsentwurf. Dann verschwanden die Pläne in der Schublade. "Der Investor soll in dem jetzigen Verfahren nicht bevorzugt behandelt werden, er soll aber eine faire Chance erhalten", forderte Manderla. Die WNKUWG würde favorisieren, wenn das derzeitige Vergabeverfahren beendet und es eine politische Mehrheit für eine Direktvergabe geben würde. "Alternativ haben wir eine veränderte Rangliste erstellt, auf deren Grundlage weitergearbeitet werden könnte", sagte Rehse. Auch die FDP könnte sich mit einer Direktvergabe anfreunden. "Das würde die Entwicklung des Loches-Platzes beschleunigen", sagte Manderla. Die Liberalen fordern aber auf jeden Fall, die aktuelle Rangliste nachzubessern, "um dem scheinbar getäuschten Investor eine faire Chance zu geben". Dass sich andere Fraktionen auf eine dieser Möglichkeiten einlassen, ist eher unwahrscheinlich - die Fronten scheinen verhärtet. Henning Rehse bleibt aber optimistisch: "Wir versuchen, die anderen Fraktionen mit unseren Argumenten zu überzeugen."

FDP und WNKUWG fordern die Stadtverwaltung zudem auf, das Thema Loches-Platz in der nächsten Sitzung öffentlich zu diskutieren. Die Wermelskirchener hätten ein Recht, jetzt über die Diskussion der einzelnen Entwürfe informiert zu werden - natürlich in codierter Form und damit unter Wahrung des Schutzes der Bewerber. "Solch ein wichtiges Projekt hinter verschlossenen Türen zu beschließen, ist ein Skandal", meinte Rehse gestern.

Quelle: RP
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