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Wermelskirchen
Milchkühe stehen am Roboter Schlange

Wermelskirchen: Milchkühe stehen am Roboter Schlange
Ist der Melkroboter (im Hintergrund) besetzt, müssen sich die übrigen Kühe im Stall die Zeit vertreiben. FOTO: Nico Hertgen
Wermelskirchen. Marc Raffelsiefer setzt in seinem Kuhstall in Dabringhausen einen Melkroboter ein. 24 Stunden am Tag ist die Maschine im Einsatz, immer dann, wenn die Kühe kommen. Der Landwirt kann den Zustand der Tiere am Computer überprüfen. Von Klas Libuda

Das Schlimmste waren die ersten zwei Wochen. Denn als Marc Raffelsiefer im Oktober 2013 den Melkautomaten in seiner Scheune in Dabringhausen anschloss, wussten seine Tiere nicht, wie ihnen geschieht. "So viel Stress hatte ich noch nie", sagt Raffelsiefer heute. Die Tiere waren es gewohnt, morgens und abends gemolken zu werden. Nun aber musste ihnen der Bauer plötzlich begreiflich machen, dass sie Milch geben können, wann immer sie wollen. Zwei Wochen brauchten sie, um das zu kapieren. Mittlerweile stehen die Kühe am Roboter Schlange.

Knallrot und so groß wie ein Garagentor ist die Maschine, die Marc Raffelsiefer in seinem Stall hat installieren lassen - die einzige im gesamten Kreis. Wenn eine Kuh hinter dem Automaten verschwindet, sieht man von ihr nicht viel mehr als das Euter und die Beine. Kuh 308 hat weißes Fell mit braunen Flecken, sie ist die nächste. Das Tier trabt nun also hinters Gerät, bleibt stehen und wer nicht weiß, wie die Maschine funktioniert, ist sich sicher: Da steht noch wer und treibt sie an. Aber da ist niemand. "Die Kühe kommen von alleine", sagt Raffelsiefer. Sie werden angelockt.

Denn während der Roboter mit einer Kamera die ganz genaue Position der Kuh ausmacht und mit einem roten Laser das Euter abtastet, bekommt das Tier weiter vorne etwas zu fressen. 1,54 Kilogramm Kraftfutter sind für Kuh 308 vorgesehen, Kuh 388, die bereits wartet, bekommt deutlich mehr: 2,47 Kilogramm. Das Futter wird den Tieren nach und nach vorgesetzt, damit sie bei der Sache bleiben. Die Futtermenge berechnet die Maschine von Tier zu Tier neu. Je nachdem, wie oft sie schon zum Melken kamen. Stellt sich eine Kuh gleich wieder an, bekommt sie nichts. Und wird auch nicht gemolken.

Landwirt Marc Raffelsiefer zeigt seinen Melkroboter, der gerade automatisch von einer Kuh Milch "abzapft". FOTO: Hertgen, Nico (hn-)

70 Tiere zählt Marc Raffelsiefers Herde, 58 geben der Maschine zurzeit Milch. 34 Liter pro Kuh, pro Tag. Das ist der Durchschnitt. "Es kommt immer darauf an, wie sie sich fühlen", sagt Raffelsiefer. Darum auch sei der Melkroboter 24 Stunden täglich zugänglich. Vier- bis fünfmal käme jedes Tier dann vorbei.

Zwölf Kühe habe er gerade "in den Urlaub geschickt", erzählt der 27-jährige Bauer. Sie kalben in den nächsten Wochen und dürfen sich schonen. Apropos Urlaub: Als sich Marc Raffelsiefer im vergangenen Jahr in Griechenland eine Auszeit gönnte, behielt er seine Kühe auf dem Mobiltelefon stets im Blick. Denn die Tiere tragen Halsbänder, die Daten sammeln, die während des Melkens ausgelesen werden. Raffelsiefer sieht, wie viel jede Kuh frisst, wie viel Milch sie gibt und wann sich die Brunftzeit ankündigt. Zugleich erfasst der Roboter bei jedem Melkvorgang den Eiweiß-, Laktose- und Fettgehalt sowie die Temperatur der Milch. "Die Datenmenge ist enorm", sagt Raffelsiefer.

Er muss nun sehr viel mehr Freizeit haben, geht einem durch den Kopf. Raffelsiefer widerspricht. Er hätte nun lediglich mehr Zeit für andere Arbeit. Etwa dafür, den Zustand der Tiere im Blick zu behalten. Früher konnte er die Herde nur morgens und abends am Melkstand in Augenschein nehmen, berichtet er.

In den kommenden Jahren will Raffelsiefer seinen digitalen Kuhstall noch erweitern. Ein Spaltenschieberoboter soll auf dem Boden für Ordnung sorgen. Der Stall soll zudem aus- und eine zweite Melk-Maschine eingebaut werden. Denn zurzeit laufe das Gerät auf Hochtouren, sagt Raffelsiefer. Er möchte seinen Roboter ein wenig entlasten.

Quelle: RP
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