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Wermelskirchen
Mit Galgenhumor durchs Seniorenheim

Wermelskirchen. Ramona Schukraft gastierte im Film-Eck. Sie strapazierte die Zwerchfelle der Zuhörer. Von Bernd Geisler

Ganz Deutschland ist ein Altersheim und wir sind mittendrin. Und das Schöne daran: Es ist lustig. So ungefähr kam es einem am Donnerstagabend im "Film-Eck" vor. Der Kulturverein hatte für seine Theater-Reihe die Komikerin Ramona Schukraft engagiert. Sie stand in ihrer Paraderolle als äußert agile, ideenreiche und schwäbische Pflegekraft "Sybille Bullatschek" des Seniorenheims "Haus Sonnenuntergang" auf den Brettern, die in Wermelskirchen die (Theater-)Welt bedeuten.

Der Kinosaal lieferte das Sonnenuntergangsszenario und die Besucher im ausverkauften Kino gaben die Insassen. Sie bildeten - oberflächlich gesehen - die perfekte menschliche Kulisse zum Thema. Den Preis der "Goldenen Bettpfanne" gab's inklusive. Irgendwann werden viele von uns sich in einer derartigen Umgebung wiedersehen. Und wenn es so wird, wie es Ramona Schukraft unter dem Motto "Volle Pflegekraft voraus!" gestaltete, dann können wir uns alle darauf freuen. Dann haben wir vermutlich mehr zu Lachen als jetzt.

Noch müssen wir unsere dritten Zähne eigenhändig reinigen und danach in der Wohnung suchen. Später bewerkstelligt das für alle in einem Waschgang der Spülmaschine die Pflegekraft á la "Sybille Bullatschek" und löst auch anschließend das Problem der richtigen Zuordnung genial durch simples Ausprobieren. Da hat dann jeder Spaß mit seinen "Dritten", egal, ob er zu den "Heim-Banditos" oder zu den "Rollator-Angels" zählt. Und eines konnten wir jetzt schon lernen: Für die Stimmung sorgt das Pflegepersonal und nicht die teure Ausstattung des Hauses.

Bereits nach den ersten Minuten hatte Bullatschek ihr Publikum fest im Griff. Die Leute lachten und machten alles mit, was die durchaus nicht zimperliche Pflegekraft mit ihnen anstellte. Etwa einen Riesenluftballon auffangen und sich mit Namen und Beruf outen oder nach der Pause ein Bewegungstraining im Sitzen absolvieren und dabei noch "Hoch auf dem gelben Wagen" singen. Das stellte jeden geeierten Ententanz bei einer Hochzeit in den Schatten.

Über den getunten Treppenlift, der den mit Sicherheitshelm ausgestatteten Benutzer mit 50 km/h nach oben katapultierte, kringelte sich lauthals der gesamte Saal. Obwohl die Bullatschek ihre Witze auf Kosten der Senioren und Senoritas machte, trafen die Gags alle zielsicher das Zwerchfell. Freude auf Kosten anderer macht eben Spaß, besonders dann, wenn das eigene Sonnenuntergangsschicksal bereits am Horizont dämmert. Das ist echter Galgenhumor.

Und so klatschte am Ende der gesamte Saal zum schwäbischen "Heim isch Heim" und amüsierte sich köstlich beim Märchen von Hänsel und Gretel, die im Ikea-Ramschwald der bösen Schwiegertochter entkommen waren.

Quelle: RP
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