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Wermelskirchen
Mit Leichtigkeit abkassiert

Wermelskirchen. Nicht 2,6, wie anfangs von der Staatsanwaltschaft gemeldet, sondern über vier Millionen Euro soll der Wermelskirchener Michael Raumann bei der Finanzaufsicht des Bundesfinanzministeriums (Bafin) abgezockt haben. Diese Angaben machte der Bonner Oberstaatsanwalt Fred Apostel jetzt in einem veröffentlichten Bericht im NRW-Justizportal. Nach Darstellung der Justizbehörde seien die Ermittlungen gegen die früheren Leitenden Regierungsdirektor schon in einem fortgeschrittenen Stadium, so dass bald mit einer Anklage wegen Betrugs, Bestechlichkeit, Bestechung, Steuerhinterziehung und Untreue gerechnet werden könne. Von Udo Teifel

Nach Urlaub festgenommen

Raumann war Osternsonntag auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden, als er mit seiner Sekretärin aus Dubai zurückkehrte. Der geständige Familienvater führte ein luxuriöses Doppelleben: In Wermelskirchen spielte er den perfekten Familien- und Vereinsmenschen mit schmuckem Eigenheim, in Berlin am Gendarmenmarkt besaß er eine 350-Quadratmeter große Luxuswohnung. In der Hauptstadt-Garage parkten die entsprechenden Limousinen der Nobelmarken Daimler und BMW.

Gegenüber dem „Express“ plauderte Raumann denn auch aus, wie offenbar spielend leicht die kriminelle Abzocke der Bundesbehörde gewesen sei. „Ich habe den Mist gebaut. Aber es war auch nicht besonders schwierig – auch wenn das keine Entschuldigung sein kann“, sagte Raumann in einem laut NRW-Justizportal von ihm autorisierten Interview in der Boulevardzeitung. Es sei so viel Geld dagewesen, dass er trotzdem am Ende des Jahres einen Teil als Umlage zurückgezahlt habe.

Die Scheingeschäfte von Raumann in Millionenhöhe bringen eine Behörde in eine Krise, die eigentliche Deutschlands Geldgeschäfte überwachen soll. Als Leiter der IT-Gruppe war er für die Beschaffung von Computer-Technologie zuständig. Durch geschickte Personalentscheidungen unterlief er das „Vier-Augen-Prinzip“ zur Korruptionsbekämpfung: Er installierte eine Mitarbeiterin als Sekretärin und zweites Augenpaar, so die Staatsanwaltschaft.

Titelmissbrauch

Alles habe, berichtete Raumann selbst dem Boulevardblatt, mit einem Titelmissbrauch angefangen: Er habe sich als Dr.rer.nat beworben, heißt es im Justizportal, er habe aber nicht promoviert.

Raumann saß nach seiner Verhaftung vorübergehend in Untersuchungshaft, ist aber inzwischen wieder laut Express bei seiner Familie.

Quelle: RP
 
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