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Wermelskirchen
"Neuemühle" und ihr alter Ofen

Wermelskirchen: "Neuemühle" und ihr alter Ofen
Wiebke Büngen und ihr Vater Stephan vor dem alten Ofen, in dem bald wieder Brot gebacken werden soll. FOTO: J. Moll
Wermelskirchen. Wibke und Stephan Büngen haben einen ganz besonderen Backofen wieder in Betrieb genommen. Etwa 50 Brote könnten darin gebacken werden. Fürs Brotbacken müssen allerdings noch Auflagen erfüllt werden. Von Walter Schubert

"Alter Ofen in Neuer Mühle" - ein schönes Wortspiel aber tatsächlich sind beide alt. Die Neue Mühle datiert auf das Jahr 1826 und wann der Ofen in die Mühle gelangt ist weiß niemand genau. "Wahrscheinlich ist der Ofen später eingebaut worden", vermutet Stephan Büngen, "schließlich war das ja eine Mühle und keine Bäckerei". Sicher ist er aber, dass dort Brot gebacken und bis nach Remscheid geliefert wurde. "Bis in die 70-iger Jahre des 19. Jahrhunderts", sagt Büngen, "mit dem Pferd hat man Holz für den Ofen aus dem Wald geholt, dann ging es nach dem Backen mit dem Gespann auf Verkaufstour".

Seine Tochter Wibke Büngen betreibt das Restaurant, und zusammen mit ihrem Vater möchte sie den alten Backofen wieder zum Leben erwecken. Der Ofen war komplett mit Asche gefüllt. "Mit einem großen Sauger und einem Schlauch nach draußen haben wir den Ofen sauber gemacht. Ganz vorsichtig, denn schließlich steht er ja mitten im Gastraum", sagt Stephan Büngen.

Je mehr Asche man herausholte, um so größer wurde der Innenraum des Ofens. Eingemauert in der Wand ist er heute 2,70 Meter tief und 1,80 Meter breit. Es handelt sich um einen dreizügigen Backofen mit Seitenfeuerung. Drei Tage muss er vorgeheizt werden, dann könnte man bei 320 Grad in einem Durchgang gut 50 Brote darin backen. "Die Brote brauchen ungefähr eine Stunde", sagt Wibke Büngen, "bei abnehmender Temperatur könnten wir nacheinander verschiedenen Sorten darin backen."

Doch einfach loslegen geht natürlich nicht. Schieber und Asche-Schubladen wurden erneuert, der Schornsteinfeger überprüfte die Sicherheit. Für die Brotschieber und die Reinigungswerkzeuge kommen Teleskop-Metallrohre zum Einsatz, um die Tiefe von fast drei Metern zu erreichen. "Technisch ist der Ofen absolut in Ordnung. Innen besteht der Ofen aus Tuffstein aus der Eifel mit etwa acht Zentimeter starken Steinen, und er heizt sehr effektiv. Die Hitze bleibt drin und der Gastraum wird am dritten Tag nur zwei Grad wärmer", sagt Stephan Büngen, der sich mittlerweile richtig in dieses Thema eingearbeitet hat. Er ist nun Mitglied im Deutschen Arbeitskreis Holzofen, hat Kontakt zu den Ofenbauern in der Eifel und zum "Holzofenpabst" Leo Trumm aus Olpe. "Der Leo war beim ersten anfeuern dabei, hat alles begutachtet und war begeistert", erzählen die beiden. "Das Jahrestreffen des Arbeitskreises wird wohl bei uns als Neumitglied stattfinden", sagt Büngen.

Das Brotbacken scheitert aber derzeit noch an Auflagen. Hierfür müsste eine Teigmaschine und ein Gärofen angeschafft sowie eine richtige Backstube eingerichtet werden. Die Auflagen der Innung und der Handwerkskammer sind hoch. "Privat haben wir es ausprobiert. Unser Flammkuchen schmeckt aus diesem Ofen ganz anders. Die geschmacklichen Ergebnisse sind wunderbar. Das würde bei unseren Gästen sicher ein Riesenerfolg", ist Stephan Büngen überzeugt.

Mit diesem Ofen muss einfach etwas gemacht werden. So gibt es am Vatertag einen ganz besonderen Zwiebelbraten. Und zum Mühlentag am Pfingstmontag stehen Kuchen und Plätzchen auf der Karte.

Bis Ende des Jahres soll nun eine Lösung für das Brotbacken gefunden werden. "Schade, dass es vom Denkmalschutz keinen Zuschuss mehr gibt", bedauert Stephan Büngen, denn er hat schon ein weiteres Projekt in Planung. Passend zur Mühle möchte er das alte Wasserrad wieder in Betrieb setzen.

Quelle: RP
 
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