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Wermelskirchen
Neuer Lebensmut nach Transplantation

Wermelskirchen: Neuer Lebensmut nach Transplantation
Christoph Schreiner hat die Stammzellen-Transplantation gut überstanden. Die Chancen auf Genesung standen am Tag der Transplantation 50:50 - seitdem steigen sie mit jedem Tag. Um Infektionen zu vermeiden, bewegt er sich in der Öffentlichkeit oft nur noch mit Handschuhen. Ehefrau Bonnie steht ihm zur Seite und hilft, wo sie nur kann. FOTO: J. Moll
Wermelskirchen. Christoph Schreiner hat eine Stammzellen-Transplantation gut überstanden. Die Chancen, dass der 44-Jährige den Blutkrebs besiegt, steigen von Tag zu Tag. Er ist immer noch überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Menschen. Von Stephan Singer

Es sind die kleinen (Fort-)Schritte, die Bonnie und Christoph Schreiner zurzeit glücklich machen: Nach einer erfolgreichen Stammzellen-Transplantation geht es Christoph Schreiner wieder besser. Er sagt sogar: "Sehr gut." Im Juni 2015 erhielt der damals 43-Jährige die erschütternde Diagnose Blutkrebs. Von da an war klar: Nur eine Transplantation von Stammzellen kann sein Leben retten.

Mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) initiierten die Arbeitskollegen von Bonnie Schreiner bei der Wermelskirchener Diakoniestation im Juli 2015 einen Termin zur Registrierung als Stammzellenspender. 705 Blutproben zur Typisierung konnte die DKMS im Evangelischen Gemeindezentrum gewinnen - der Zuspruch war enorm. Noch heute finden Bonnie und Christoph Schreiner kaum Worte, um ihre Dankbarkeit für dieses Engagement der Spender und Helfer aus Wermelskirchen auszudrücken. "Mit solch einer Resonanz haben wir nicht gerechnet. Da hält die Kleinstadt als Dorf zusammen. Es ging ein spürbarer Ruck durch die Menschen", sagt Bonnie Schreiner. Und ihr Mann, der am 4. Juli 2015 im Krankenhaus in Bochum war und per Internet und Handy fast "hautnah" beim Aktionstag dabei war, ergänzt: "Ich war an diesem Tag sehr aufgeregt und irrsinnig gerührt."

Auch wenn die passenden Stammzellen für Christoph Schreiner nicht aus dem Pool der in Wermelskirchen registrierten Spender stammt, zeigt sein Beispiel doch die Bedeutung der DKMS. Sie war es letztlich, die drei mögliche Spender für Schreiner fand: in Deutschland, Israel und den USA. "Es wird zuerst in Europa und dann in Nordamerika gesucht, weil in diesen Regionen die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, den ,genetischen Zwilling' zu finden", erklärt Bonnie Schreiner. Vergleichbar mit einer Blutkonserve brachte ein Kurier letztlich die ständig gekühlte Stammzellenspende für Schreiner aus Amerika nach Bochum. Die Schreiners wussten immer, wo der Kurier gerade war - im Flugzeug, am Flughafen oder im Taxi. "Schließlich hing von dieser Spende das Leben meines Mannes ab", sagt Bonnie Schreiner.

Von einer unheimlichen Freude darüber, dass ein Spender gefunden wurde, könne man nicht sprechen. "Ich lag 65 Tage isoliert im Krankenzimmer - das verändert die Wahrnehmung und Emotion, eigentlich wird man dumpf im Kopf", erinnert sich der 44-Jährige. Selbst wenn seine Zellen zurzeit ihren gewünschten Dienst verrichten, muss Christoph Schreiner sehr auf seine Gesundheit achten und Infektionen vermeiden. Durch größere Menschenmengen bewegt er sich daher nur mit Mundschutz und Handschuhen, für ihn ist Neutropenie-Kost (keimarm) absolute Pflicht: "Es ist eine Einschränkung, kein Restaurant mehr besuchen zu können. Ich bin aber froh, dass ich wieder Geschmack habe", sagt Schreiner. 20 Kilogramm hat er an Gewicht verloren, "15 müssen wieder drauf". Ebenso musste das Zuhause des Paares umgestaltet werden, denn Teppiche oder Gardinen sind tabu.

Einmal pro Woche muss Schreiner noch zur Kontrolle in die Bochumer Klinik, dreimal am Tag nimmt er einen Haufen Tabletten. Wirklich fit ist er nicht. "Ich versuche, einen vernünftigen Alltag für mich zu finden", sagt der 44-Jährige, dessen Chancen auf Genesung am Tag der Transplantation 50:50 standen - seitdem steigen sie mit jedem Tag.

Seine Wahrnehmung auf das Leben habe sich durch die Blutkrebsdiagnose verändert. "Ich bin gelassener geworden. Es lohnt nicht, sich über Banalitäten aufzuregen - das möchte ich auch beherzigen, wenn ich wieder arbeiten kann", sagt Christoph Schreiner. Er will sich auf die wirklich wichtigen Dinge besinnen - vor allem auf die Zweisamkeit mit seiner Frau Bonnie. Am 5. Mai feiern sie ihren 16. Hochzeitstag. "Was sie in den vergangenen Monaten geleistet hat, ist schon ein Stiefel. So ein Zusammenhalt ist sehr wertvoll, materielle Dinge spielen keine Rolle."

Quelle: RP
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