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Wermelskirchen
Noch viele Probleme mit dem Biomüll

Wermelskirchen: Noch viele Probleme mit dem Biomüll
BAV-Kontrolleurin Sara Segschneider zeigt eines der Hauptprobleme: Der in Zeitungspapier gewickelte Biomüll ist richtig entsorgt, darunter befindet sich aber einer der im Handel als kompostierbar ausgewiesenen Kunststoffbeutel, die für die Kompostieranlage des BAV ungeeignet sind. Diese Mülltonne erhält einen gelben Aufkleber als "Warnhinweis". FOTO: Singer
Wermelskirchen. Der Bergische Abfallwirtschaftsverband kontrolliert alle Biomülltonnen auf korrekte Befüllung. Die Informationskampagne soll die richtige Mülltrennung in Erinnerung rufen. In Wermelskirchen wird die "Biomüll-Polizei" im Sommer unterwegs sein. Von Stephan Singer

Gerade bei sonnigem Wetter sind die Düfte, die beim Öffnen einer Biomülltonne in die Nase steigen, nicht die angenehmsten. Sara Segschneider hat sich daran gewöhnt - immerhin macht sie ihren Job unter freien Himmel, wo sich Gerüche schnell verflüchtigen. Die Mitarbeiterin des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes (BAV) gehört zu den vier Aushilfskräften, die in der Region als "Biomüll-Polizei" unterwegs sind, um in den 21 vom BAV betreuten Kommunen einen Blick in die Biomülltonnen zu werfen. Zurzeit läuft die Kontroll- und Informationskampagne in Radevormwald. Im Sommer folgt Wermelskirchen, im Anschluss dann Hückeswagen.

Aus Sicht des BAV ist die Kampagne wichtig, weil sich die Motivation zur korrekten Mülltrennung mit der Zeit abschleife und sich Dinge, die gut gemeint aber eben fehlerhaft sind, verfestigten. Christoph Rösgen, Leiter der BAV-Abfallwirtschaft, verdeutlicht eines der Hauptprobleme beim Biomüll: Nicht das, was die Menschen in die Biomülltonne werfen, ist das Problem, sondern die Tüten, in die sie den Biomüll vorher einpacken. Immer wieder finden die BAV-Kontrolleure in den Tonnen diverse Kunststoffbeutel, in denen sich Biomüll befindet. Fakt ist aber: Plastiktüten haben im Biomüll nichts zu suchen. "Auch nicht diejenigen, die im Handel als kompostierbar ausgewiesen sind", betont Rösgen.

Das hat mit der BAV-Kompostieranlage Leppe in Lindlar-Remshagen zu tun. Die verarbeitet den Biomüll in nur vier Wochen zu Kompost, erzeugt dabei obendrein Biogas zur Gewinnung von grünem Strom. Das Problem: Die im Handel als kompostierbar gekennzeichneten Kunststoffbeutel zersetzen sich nicht innerhalb von einem Monat. Vielmehr verstopfen sie in der Kompostieranlage die Filter, durch die der Biomüll fließt, der zur Zersetzung in Wasser eingeweicht wird.

Sara Wegschneider fährt mit ihren Kollegen frühmorgens in den Städten die Gebiete ab, in denen gerade die Abfuhr des Biomülls an der Reihe ist. Aus mehr als sechs Monaten Erfahrung weiß sie, wo problematisch befüllte Tonnen am ehesten zu finden sind: "Oft sind es die Tonnen vor Mehrfamilienhäusern, weil diese sich nicht unmittelbar einem Verursacher zuordnen lassen", sagt die Kontrolleurin. Prompt entdeckt sie ein Beispiel: In einer Tonne findet sie Biomüll, der in einer Papiertüte, einer Plastiktüte und in einer Kunststofftüte mit Kompostierhinweis eingeworfen wurde. Sie versieht die Tonne mit einer "gelben Karte", einem Aufkleber als Verwarnung, der dazu auffordert, den Müll zur nächsten Leerung bitte korrekt zu sortieren.

Trotzdem leeren die Entsorger auch diese falsch befüllte Tonne. Aber: Ist bei der nächsten Kontrolle wieder nicht korrekt sortiert, gibt es die "rote Karte", dann wird die Tonne nicht geleert. "Die Leerung erfolgt erst nach korrekter Befüllung", steht auf dem Aufkleber. In einem Mehrfamilienhaus muss es nur ein Bewohner unbelehrbar falsch machen, dann haben alle anderen unter der nicht geleerten Tonne zu leiden. Rösgen betont: "Es besteht ein gesetzlicher Auftrag zur Mülltrennung. Die Verwertungspflicht bringt beim BAV den Anspruch mit sich, es richtig zu machen." Die Verwertung von Biomüll verursache einen Aufwand. Je geringer dieser sei, desto geringer seien auch die Müllentsorgungsgebühren für alle Bürger. Fakt sei: Nicht korrekt sortierter Müll erhöht den Aufwand und damit die Gebührenlast.

Sara Segschneider erkennt einen Lerneffekt: Nach einer "gelben Karte" seien bei einer zweiten Kontrolle nur noch fünf statt vorher zehn Prozent der Biomülltonnen fehlerhaft befüllt. Rösgen: "Eigentlich kann jeder den Biomüll so wie er ist in die Tonne werfen. Ansonsten empfehlen sich Zeitungspapier, Bäckereipapiertüten oder Papiertüten zur Biomüllentsorgung aus dem Handel zum Einwickeln."

Richtiges Befüllen spart Kosten

Bei den Kontrollen kleben die BAV-Mitarbeiter auf jede inspizierte Tonne einen rautenförmigen Aufkleber. "Zehn Prozent bekommen zusätzlich den gelben Warnungshinweis. Der zeigt einen Lerneffekt, denn bei der zweiten Kontrolle sind nur noch fünf Prozent fehlerhaft", berichtet Sara Segschneider. Mit der gelben Warnung sei man fair, sagt der Leiter der BAV-Abfallwirtschaft, Christoph Rösgen: "Wir wollen jedem eine Chance geben und Bewusstsein schaffen." Aus Sicht des BAV ist die Kampagne notwendig, weil sich die Motivation zur Mülltrennung abschleife. "Eigentlich kann jeder den Biomüll, so wie er ist, in die Tonne werfen.

Ansonsten empfehlen sich Zeitungspapier, Bäckereipapiertüten oder Papiertüten aus dem Handel zum Einwickeln. Volker Uellenberg von der Stadt kennt Zwistigkeiten: "In einem Mehrfamilienhaus muss es nur ein Bewohner unbelehrbar falsch machen, dann leiden alle unter der nicht geleerten Tonne." Uellenberg weiter: "Es besteht ein gesetzlicher Auftrag zur Mülltrennung. Die Verwertung von Biomüll verursache einen Aufwand. Je geringer dieser Aufwand, umso geringer die Müllentsorgungsgebühren für alle." Nicht korrekt sortierter Müll erhöhe die Gebührenlast.

Quelle: RP
 
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