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Kooperationsserie
Nordseeluft atmen am Hackenberg

Kooperationsserie: Nordseeluft atmen am Hackenberg
Cem Dincer mit seiner Tochter Sila (3) genießen das Sole-Bad im Außenbereich des HO. Das Wasser hat eine Temperatur von 33 Grad und einen Salzgehalt von etwa zwei Prozent. FOTO: 2
Wermelskirchen. Im Lenneper Sauna- und Badeparadies H2O setzt man gleich in zwei Bereichen auf die heilende Kraft der Sole. Von Henning Röser (Text) und Stephan Köhlen (Fotos)

40 Meter lang, sieben Meter hoch. Wären das die Maße einer Leinwand, würde man auf ihr gerne den neuesten Kino-Blockbuster sehen. Tatsächlich erweckt die Holzkonstruktion im Lenneper Sauna- und Badeparadies H2O ihre ganz eigenen Bilder im Kopf: Wer die Augen schließt und dann tief einatmet, kann sich hier in Windeseile an die Nordsee träumen - so salzig schmeckt die Luft am Meer.

Dass das Gradierwerk im H20 vor rund 20 Jahren auch als Sichtschutz errichtet wurde, um knapp bekleidete Saunagäste vor Blicken aus den benachbarten Hochhäusern abzuschirmen (und umgekehrt), wirkt heute wie ein Treppenwitz der Geschichte. Tatsächlich ist die Anlage ein außergewöhnliches Gesundheitsangebot, dass nur wenige Wellness-Bäder in Deutschland vorzuweisen haben. In der bergischen Region gibt es nichts Vergleichbares.

"Die Idee dahinter ist schon alt", erklärt Badleiter Christian Liese. Schon Reichskanzler Otto von Bismarck nutzte Ende des 19. Jahrhunderts aus, dass die ursprünglich zur Salzgewinnung genutzten Gradierwerke auch einen positiven Effekt auf erkrankte Atemwege haben können. Der feine Sole-Nebel, der entsteht, wenn die Salzwasser-Lösung aus großer Höhe auf Reisigbündel rieselt, wirkt sich positiv auf akute und chronische Atemwegserkrankungen aus. Für die Arbeiter in den Kohlegruben ein wahrer Segen.

# Das Gradierwerk war in erster Linie als Sichtschutz errichtet worden. Es ist im Übrigen nicht nur für Sauna-Gäste, sondern auch von außen zugänglich. FOTO: Köhlen Stephan

Kurbäder wie Bad Reichenhall nutzen die positive Wirkung der Sole für ihre touristische Anziehungskraft. Im dortigen Kurpark ist das Gradierwerk der Publikumsmagnet. Im Lenneper H2O gibt es zwei Möglichkeiten, die Kraft des Salzes für seine Gesundheit zu nutzen. Vor dem Gradierwerk können Besucher die salzhaltige Luft einatmen und so von der entzündungshemmenden Wirkung für die Lungen profitieren. Nach einem Aufguss in der Sauna ist das ein besonderes Erlebnis.

Das Gradierwerk ist für den, der sich mit Muße darauf einlässt, auch ein meditatives Schauspiel. Dabei zuzusehen, wie sich die Wassertropfen über die Dornen des Holzes den Weg nach unten bahnen, während sich das Sonnenlicht in ihnen bricht - das hat etwas Beruhigendes.

$ Im Keller befindet sich die technische Anlage, von wo aus auch die Zufuhr der Sole-Lösung gesteuert wird. FOTO: Köhlen Stephan

Einen Effekt, den die Stadtwerke als Betreiber des Bades auch den Anwohnern gönnen - ganz ohne Eintrittsgeld. Ein Fußweg führt am Hackenberg zur Außenseite des Gradierwerkes. Hier können Spaziergänger auf Bänken und Stühlen Platz nehmen und den Solennebel inhalieren. Das Gelände ist eingezäunt und wird in den Abendstunden abgeschlossen. Ein kleines Schild erklärt den Besuchern die Wirkungsweise des Gradierwerkes.

Die heilsamen Effekte der Sole auf den Bewegungsapparat nutzt das H2O auch in zwei großen Becken in der Badelandschaft, eines davon im Außenbereich. Das 33 Grad warme Wasser hat einen Salzgehalt von zwei Prozent. Bäder darin sind gut für die Haut, bringen Linderung unter anderem bei rheumatischen Problemen. Eine Hinweistafel zeigt, wie man das Salzbad am effektivsten gestaltet. Die warmen Becken werden aber auch ohne jeden therapeutischen Hintergedanken von den Gästen gerne genutzt. Es macht angenehm schläfrig.

Der Aufwand, den das H2O für diese beiden Angebote betreibt, ist enorm. Alle zwei Wochen fahren Tankwagen den Hackenberg an. Die Sole-Lösung wird in große Tanks in den Keller gepumpt. Von dort wird die Sole zum Gradierwerk oder zu den Sole-Becken geleitet. Die Salz-Konzentration am Gradierwerk ist deutlich höher, liegt je nach Wetterlage bei zehn bis 15 Prozent. Zwischen 800.000 bis eine Million Liter Sole-Lösung verbraucht das H2O im Jahr.

Das Gradierwerk wurde nach 16 Dienstjahren 2014 für eine sechsstellige Summe generalüberholt. Dabei wurde auch der Schwarzdorn ausgetauscht, über den die Salzlösung rieselt. Dessen Holz ist zwar deutlich wasserbeständiger als das anderer Sträucher, doch nach acht Jahren ist auch er mürbe. Sechs Tonnen schwer ist eine Füllung für das Gradierwerk.

Quelle: RP
 
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