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Wermelskirchen
Orgel im Altenberger Dom von Schimmel befallen

Wermelskirchen. Das imposante Instrument wird Anfang 2017 aufwendig saniert - Kosten: 180 000 Euro. Das Land hat das Geld bewilligt. Von Guido Wagner

Der Königin der Instrumente geht es nicht gut. In ihr tickt eine Zeitbombe. Oder besser: Sie wächst. Pelzig, muffig riechend und anscheinend unaufhaltsam. Im Inneren der imposanten Klais-Orgel im Altenberger Dom regiert der Schimmel. Und zwar derart extrem, dass das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer des Doms jetzt eine aufwendige Sanierung bewilligt hat. Zusammen mit einer elektronischen Aktualisierung kostet die Maßnahme 180 000 Euro.

Neben einer möglichen Gesundheitsgefährdung, speziell der Organisten, könnte ein weiter wachsender Schimmel nach Einschätzung von Experten irgendwann auch Klang und Funktionsfähigkeit der Orgel beeinträchtigen. Für die Sanierung soll die Orgel Anfang 2017 nun für mehrere Wochen stillgelegt werden.

Das bestätigte Dirk Schneemann als Sprecher der Bezirksregierung Köln jetzt auf Anfrage. Warum sich der Schimmel in der erst vor neun Jahren von Grund auf sanierten und erweiterten Orgel ausgebreitet hat, könnten Fachleute nicht sagen. Bundesweit gebe es derzeit Kirchenorgeln mit Schimmelbefall, so Schneemann. Kenner des mehr als 750 Jahre alten Sakralbaus haben einen Verdacht: Bei der 2005 abgeschlossenen Generalsanierung des Doms seien Fenster und Luftspalte im Gebäude abgedichtet und eine klimagesteuerte Temperierung eingebaut worden. Erst danach sei der Schimmel aufgetreten.

Auch der katholische Domorganist Rolf Müller kennt diese Auffälligkeit. "In den 35 Jahren davor, seit dem Einbau der Orgel Anfang der 80er-Jahre, hatten wir mit Schimmel keine Probleme", bestätigt er auf Anfrage dieser Zeitung. Was aber, wenn die geplante Entfernung des Schimmels nur die Symptome bekämpft, aber nicht die Ursache, und der Schimmel alsbald zurückkehrt? "Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden und würden am liebsten noch einen Klimatechniker dazu befragen", sagt Müller, der sich bereits mit der Bonner Orgelbau-Firma Klais in Verbindung gesetzt hat. Bei der elektronischen Sanierung würden unter anderem Drähte, die bislang noch auf Holz verlaufen, gemäß aktueller EU-Richtlinien neu verlegt. Für die Schimmelsanierung werden die einzelnen Orgelpfeifen aufwendig ausgebaut.

Auch Müllers evangelischer Organisten-Kollege Andreas Meisner geht von etwa drei Monate dauernden Arbeiten aus. Während dieser Zeit sei die Orgel nicht bespielbar. "Wenn das Anfang 2017 beginnt, sind keine der geplanten Veranstaltungen betroffen, die an Neujahr enden - und das neue Programm beginnt dann ja erst wieder Ostern", sagt er. Dass der Schimmel in der Orgel mit der Sanierung des Doms von 1994 bis 2005 in Verbindung stehen könnte, hält Bezirksregierungs-Sprecher Schneemann nach Rücksprache mit Bauexperten für nicht erwiesen. Warum der Schimmel erst danach in der Orgel aufgetreten sei, könnten sich die Fachleute jedoch auch nicht erklären. Schneemann: "Der Altenberger Dom bleibt eben ein Geheimnis." Und was ist, wenn der Schimmel zurückkehrt? "Das muss man dann sehen", sagt Schneemann. "Auf unsere Schätzchen, wie den Altenberger Dom, haben wir natürlich ein besonders wachsames Auge."

Quelle: RP
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