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Wermelskirchen
Ostergedanke geht bei jungen Leuten immer mehr verloren

Wermelskirchen. Kaum ein Kind weiß, was an Ostern gefeiert wird. Wichtiger als die Ostergeschichte sind für viele inzwischen versteckte Geschenke. Von Walter Schubert

Unter dem Suchbegriff "Ostern" erscheinen im Internet erst einmal Geschenke- und Reisetipps. Süßwaren in Eier- oder Hasenform sind beliebt, auch jede Menge Dekorationsmaterial wird beworben. Erst ein gutes Stück weiter findet sich eine Erklärung zur Bedeutung des Osterfestes. Auch eine Befragung von Schülern aus Wermelskirchen an einer Bushaltestelle zeigt in diese Richtung. Was bedeutet Ostern für euch? Ganz spontan kommt der Ruf: "Ferien!". Ein anderer Schüler sagt: "Wir fahren immer nach Holland."

Schnell kommen die Jugendlichen zum Thema Geschenke. "Ostern ist ja immer im Frühling - da bekomme ich von meinen Großeltern immer einen Gutschein für Klamotten", erzählt ein Mädchen. Das Stichwort Geschenke ist gefallen - die Schüler berichten auch von Elektronikgeräten und Sportartikeln, die über den österlichen Gabentisch gehen. Auf die Frage nach der Bedeutung der Feiertage kommt nur eine grobe Antwort: "Da war was mit Jesus oder Gott." Ein Mädchen erzählt von Kreuzigung, Auferstehung und Sündenvergebung und erscheint damit etwas einsam in der Gruppe.

FOTO: Moll Jürgen

"Wenn ein Fest sinnentleert ist, muss es mit anderen Dingen gefüllt werden", sagt Wolfgang Müllenmeister vom Spielwarengeschäft "Holzwürmchen" an der Kölner Straße. Er berichtet von einer "Ostergeschenk-Aufrüstung" und befindet sich damit in einer Zwickmühle. Als Einzelhändler freut er sich natürlich über ein gutes Geschäft, er möchte aber auch nicht alles dem Konsum unterordnen. "Zuerst bin ich Mensch und dann Händler", sagt Müllenmeister. Er verweigert sich längeren Öffnungszeiten und verkaufsoffenen Sonntagen. "Es muss ja auch mal Ruhe geben." Auch eine Kundin lehnt Geschenke zu Ostern ab. "Wir machen ein schönes Familienfest, unser sechsjähriger Sohn hat viel Spaß beim Eiersuchen", sagt sie. Schmuck ist als Geschenk immer beliebt, doch Achim Koch von der "Goldschmiede" an der Carl-Leverkus-Straße kann keinen Ostertrend ausmachen. "Wir wissen ja nicht immer, ob es sich um ein Geschenk handelt", sagt er, "aber Muttertag oder Weihnachten haben sicher einen anderen Stellenwert". Nebenan genießt einige Motorradfahrer eine Pause im Eiscafé. "Ostern ist jedes Jahr ein ganz wichtiger Termin im Kalender", erzählen die Biker. Aber nicht aus religiösen Gründen. "Da machen wir unsere erste gemeinsame Tour. Geschenke gibt es nicht, der Ausflug ist ja teuer genug."

Die Autobahnen, Flughäfen und Outlet-Center werden also wieder gut gefüllt sein. "Wir müssen dranbleiben", sagt Pfarrerin Almuth Conrad aus Hünger. "Zu Ostern gibt es einen Familiengottesdienst mit einem gemeinsamen Frühstück und im Vorfeld spezielle Treffen für Kinder rund um die Ostergeschichte. Damit die nächste Generation auch Bescheid weiß." Auch im Jugendcafé (Juca) heißt die Devise "dran bleiben". Dort wurde immer ein Osterfrühstück veranstaltet, bei dem ein Großvater die Ostergeschichte erzählte. "In der ersten Ferienwoche stehen diesmal Renovierungsarbeiten an", sagt Juca-Leiter André Frowein. "Vielleicht machen wir noch einen spontanen Termin für das Frühstück."

FOTO: WiW

Es scheint, als sei der Fokus immer mehr ausschließlich auf den Konsum gerichtet. Dagegen haben die Kirchen einen schweren Stand, wenn sie versuchen, die christliche Botschaft zu vermitteln. "Man muss ja nicht alles mitmachen" - diesen Rat gibt Pfarrerin Almuth Conrad.

Quelle: RP
 
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