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Serie Ende Zweiter Weltkrieg
Passierscheine auf alte Militärkarten gedruckt

Wermelskirchen. Michael Schäfer hat alte Dokumente seines Vaters Heinz Schäfer aufbewahrt - darunter eine Fahrraderlaubnis und eine Registrierungskarte. Von Udo Teifel

Wermelskirchen Wer sich nach dem 14. April 1945 in Wermelskirchen bewegen wollte, musste sich ausweisen. Die alte nationalsozialistische Stadtverwaltung existierte nicht mehr. Und noch war in diesen ersten Tagen nicht klar, wie es weitergehen sollte.

Die amerikanische Militärregierung setzte nach dem Einrücken ihrer Truppen und der Machtübernahme in allen Gemeinden Kommandanten ein, die für Ruhe und Ordnung und für die Durchführung der militärischen Verordnung sorgen sollten. Am 21. Juni 1945 erfolgte die Übergabe der Militärregierung an die britische Armee durch den scheidenden amerikanischen Militärgouverneur in Köln. Aus dieser Anfangszeit britischer Militärregierung im Bergischen Land stammen Dokumente, die Michael Schäfer aufbewahrt hat. Sie wurden auf seinen Vater ausgestellt, der kurz nach Kriegsende aus der Kriegsgefangenschaft gekommen war und als Arbeiter bei Flöring wieder anfing. Er war dort als "Zwicker" in der Schäfteproduktion beschäftigt - eine in der Zeit gängige Beschäftigung. Zwicker befestigten die Schäfte auf der Sohle. Erforderlich war damals eine Raderlaubnis. Hatte man sie nicht, wurde schnell das Rad beschlagnahmt. Dieses Dokument war auf ein bestimmtes Rad ausgestellt - Schäfers hatte die Nummer 876580.

Wurde er mit einem anderen erwischt, hätte es Probleme geben können. Wurde sein Rad gestohlen, hatte man einen Nachweis. Und ein Fahrrad war in den Monaten nach Kriegsende das wohl wichtigste, weil erschwingliche Fortbewegungsmittel. Nicht nur, um zur Arbeit zu kommen, sondern auch, um weite Hamsterfahrten bis in die Rheinebene machen zu können.

Ausgestellt wurden die "Fahrraderlaubnis"-Scheine von der Alliierten Militärregierung - wer sich genau dieses Dokument, ausgestellt auf Heinz Schäfer in 1946, anschaut, entdeckt, dass ein deutscher Stempel aus der Zeit des Nationalsozialismus' benutzt wurde. Und aus diesem Stempel wurde das Hakenkreuz herausgeschnitten. Eben auch eine Art der Entnazifizierung.

Wobei anscheinend die Alliierten nur das Hakenkreuz störte, weniger der Reichsadler. Interessant ist auch die zeitweilige Registrierungskarte seines Vaters, die Michael Schäfer in einem sehr guten Zustand über fast 70 Jahre erhalten hat. Sie weist ihn als Einwohner von Wermelskirchen aus. Neben der Unterschrift ist ein Fingerabdruck zu sehen. Da zu der Zeit natürlich Papier knapp war, wurden diese Karten und Dokumente auf ehemaligen alten Militärkarten gedruckt. Schäfers Dokument zeigt einen Ausschnitt vom Baldeney-See.

Heinz Schäfer ist mittlerweile seit 20 Jahren tot. Sein Sohn Michael hat alle Stücke aus dem Familiennachlass aufbewahrt - "es ist schließlich ein Teil dieser Stadtgeschichte", sagt er.

Quelle: RP
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